Urs Meier: „Ich bin nicht der Typ, der immer auf die Börse schaut“

Foto: Beat Baschung
Urs Meier

Cash. sprach mit dem ehemaligen Fifa-Schiedsrichter Urs Meier über seine Erfahrungen und Strategien bei der Kapitalanlage.

Herr Meier, Ihre erste größere Geldanlage – erinnern Sie sich?

Meier: Als ich zehn Jahre alt war, habe ich mir für ungefähr 500 Schweizer Franken ein Mofa gekauft. Das war damals auch mit jüngeren Jahren schon möglich. Also habe ich mir das schnellste Mofa in meiner Heimatgemeinde Würenlos gekauft, ich wollte es unbedingt haben. Ich habe es mir selbst verdient, unter anderem indem ich Mäuse gefangen habe. Die Mäuseschwänze konnte man abgeben und bekam dafür als „Schwanzprämie“ 50 Rappen, das war 1969 sehr viel Geld. Ich habe damit richtig gut verdient. Das Mofa hatte ich, bis ich 18 Jahre alt war, dann habe ich mir mein erstes Auto gekauft.

Worin investieren Sie heute und warum?

Meier: Ich habe in Spanien in Land investiert. Land ist etwas, das langfristig gesehen wertvoll ist und wertvoll bleibt. Zwei- oder dreimal habe ich auch mit Aktien gearbeitet, bin dabei aber jedesmal schlecht weggekommen. Ich bin nicht der Typ, der immer auf die Börse schaut. Zusammen mit Kollegen habe ich mal Aktien von einer Weinbaufirma in der Schweiz gekauft. Die ist dann Konkurs gegangen und die Aktien waren nichts mehr wert. Sowas prägt einen natürlich.

Lassen Sie sich beraten?

Meier: Ich habe mich bei meinen Investments natürlich auch beraten lassen. Es gibt sehr viele Menschen, die sehr intensiv in diesem Bereich arbeiten und es ist wichtig, von ihrer Erfahrung zu profitieren. Man geht ja auch nicht ohne Bergführer auf einen großen Berg. Schlussendlich sollte aber auch das Bauchgefühl stimmen. Wenn das nicht der Fall ist, mache ich es nicht, denn beim Geld bin ich eher sicherheitsorientiert. Das kommt sicherlich auch von meiner Erziehung, in meiner Familie wurde immer darauf geachtet, dass man das Geld sicher anlegt. Mein Großvater hat den Banken nicht vertraut und hat sich am Jahresende immer die Zinsen von seiner Bank auszahlen lassen. Mit den Zinsen ist er dann zu einer anderen Bank gegangen und hat damit ein neues Konto eröffnet. Schlussendlich hatte er Konten bei über 20 Banken im ganzen Limmattal. Als er gestorben ist, mussten wir all diese Banken abklappern.

Als Schiedsrichter mussten Sie immer schnelle Entscheidungen treffen. Wie viel Zeit lassen Sie sich für Ihre Investment-Entscheidungen?

Meier: Meistens auch nicht sehr viel Zeit. Wenn etwas für mich richtig ist oder richtig erscheint, kann ich relativ schnell Entscheidungen treffen. Entscheidungen werden ja nicht besser, wenn man sie dauernd aufschiebt. Entweder es passt oder es passt nicht. Mein Landkauf in Spanien war per Handschlag schon nach zwei Minuten perfekt, weil ich genau wusste, was ich wollte. Als ich es gefunden hatte, musste ich nicht mehr lange überlegen.

Das Gespräch führte Kim Brodtmann, Cash.

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