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27. Juni 2012, 15:18
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Commerzbank finanziert keine Schiffe mehr

Der Commerzbank-Vorstand hat überraschend beschlossen, die Segmente Schiffs- und gewerbliche Immobilienfinanzierung zum 9. August 2012 in das neue Abbausegment Non Core Assets (NCA) zu übertragen.

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Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerbank AG

Das bankeneigene Emissionshaus Commerz Real, Wiesbaden/Düsseldorf, werde in das Kernbanksegment Privatkunden integriert. Der Plan, ein neues Kernbanksegment Real Estate and Ship Finance (RES) einzurichten, wird damit verworfen.

“Vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanz- und Staatsschuldenkrise, deren Ende nicht absehbar ist, und des unsicheren regulatorischen Umfelds unterziehen wir im Rahmen unseres strategischen Planungsprozesses alle Geschäftsbereiche einer gründlichen Überprüfung. Strategisches Ziel ist es, die Commerzbank konsequent auf kundengetriebenes und nachhaltig profitables Kerngeschäft zu fokussieren und Risiken sowie Kapitalbindung weiter zu minimieren. Im Zuge dieses Prozesses haben wir deshalb in einem ersten Schritt beschlossen, die ursprünglich für das neue Segment Real Estate and Ship Finance vorgesehenen Geschäftsfelder entweder über Zeit abzubauen oder in die Kernbank zu überführen”, begründet der Vorsitzende des Commerzbank-Vorstands Martin Blessing, den Schritt in einer Mitteilung des Kreditinstituts.

Hinzu kämen die hohe Kapitalbindung und die steigenden Liquiditätsanforderungen unter den Regulierungsvorschriften Basel III, gerade auch für Langfristfinanzierungen, sowie die auch künftig zu erwartenden starken zyklischen Schwankungen im Ergebnis. Im Privat- und Firmenkundengeschäft werde die Commerzbank selbstverständlich weiterhin Immobilienfinanzierungen anbieten. Was das Schiffsfinanzierungsgeschäft anbelangt, geben sich die Banker jedoch bedeckt.

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VDR-Präsidiumsmitglied Ralf Nagel

Ungewöhnlich deutliche Kritik an der Entscheidung kam vom Hamburger Verband Deutscher Reeder (VDR), der wie andere Marktteilnehmer auch von der Ankündigung aus der Frankfurter Commerzbank-Zentrale überrascht worden sei: „Dieser Schritt widerspricht allen bisherigen Verlautbarungen der Bank – zuletzt am 11. Juni auf dem Hamburger Schifffahrtsdialog – und wird erhebliche Folgen für den Schifffahrtsstandort Deutschland haben“, erklärt Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDR. Auf der Veranstaltung der Handelskammer Hamburg hatte Philipp Wünschmann von der zur Commerzbank gehörenden Deutschen Schiffsbank erklärt, ein verlässlicher Partner in der Schiffsfinanzierung zu bleiben.

„Wir erwarten von der Commerzbank, die Maßnahmen zur Krisenbewältigung für die angeschlagene Schifffahrtsbranche weiterhin konstruktiv zu begleiten. Die Entscheidung zum Ausstieg aus der Schiffsfinanzierung darf nicht bedeuten, dass sich die Commerzbank ihren Kunden aus der Schifffahrt und dem deutschen Schifffahrtsstandort nicht mehr verpflichtet fühlt. Gerade in der jetzigen Situation erwarten wir, dass Kurs gehalten wird!“ betonte der Verbandschef Nagel und ergänzte: “Eine mit Steuergeldern unterstützte und im Teilbesitz des Staates befindliche Bank kann sich nicht von heute auf morgen aus einem für den Standort Deutschland strategisch wichtigen Geschäftsbereich verabschieden.“

Von der Bundesregierung erwartet Nagel deutlich mehr Engagement zur Sicherung des Schifffahrtsstandortes als bisher: „Spätestens mit der heutigen Entscheidung der Commerzbank sind von der Bundesregierung Vorschläge zu erwarten, wie sie der von der Finanzierungskrise gebeutelten Schifffahrt beistehen kann. Konkrete Hilfe könnte der Bund zum Beispiel über die staatseigene KfW-Bank bereitstellen. Die Bundesregierung darf nicht untätig zusehen, wie eine grundsätzlich leistungsfähige mittelständische Schifffahrtsbranche der Bankenkrise und den Regulierungsauflagen zum Opfer zu fallen droht.“ (af)

Fotos: Marc Darchinger, Commerzbank AG / VDR

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