27. Juli 2012, 15:28
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schiffsfonds: Auf der Suche nach dem Rettungsanker für die Schifffahrt

Im fünften Jahr der Schifffahrtskrise macht der Ausstieg der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung den Seegang noch rauer. Die Branche sucht händeringend neue Finanzierungsmöglichkeiten.

Ebel-Schiffsfinanzierung in Schiffsfonds: Auf der Suche nach dem Rettungsanker für die Schifffahrt

Hermann Ebel, Hansa Treuhand Holding

Text: Andreas Friedemann

Bisher hat die Bundesregierung die gebeutelte maritime Wirtschaft eher mit Auflagen belastet, als sie mit finanzieller Hilfe zu unterstützen. Handelsschiffe – und damit auch die Schiffsfonds – leiden in Zeiten niedriger Charterraten nicht nur unter unzureichenden Einnahmen, auch die Ausgaben sind stetig gestiegen: Die Treibstoffkosten haben sich beispielsweise in den letzten beiden Jahren auf 750 US-Dollar pro Tonne verdreifacht. Gerade für ältere Schiffe ist das ein extremer Wettbewerbsnachteil.

Abwrackprämie auch für Schiffe?

Hermann Ebel, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Hansa Treuhand Holding, sieht jedoch darin einen Ansatzpunkt für die Politik, um steuernd einzugreifen: „Wenn sich Berlin entschließen würde, die Verschrottung von 20 Jahre alten, verbrauchsintensiven Schiffen steuerlich zu begünstigen, ließe sich ökologisch und ökonomisch ein großer Effekt erreichen. Denn die Überbauung des Marktes wäre rasch verschwunden, die Charterraten für die jüngere umweltschonende Tonnage kämen schnell wieder ins Gleichgewicht und die Schiffe könnten Zins und Tilgung an die Banken leisten“, meint Ebel.

In den Emissionshäusern herrscht Einigkeit darüber, dass es letztlich institutionelle Investoren, vornehmlich solche aus dem Ausland, übrig bleiben, um die Fondsschiffe langfristig zu stabilisieren.

Allerdings engagierten sich weder Private-Equity- oder Pensionsfonds oder chinesische Banken aus reiner Nächstenliebe, sondern würden eine risikoadäquate Vergütung erwarten.

„Es müssen unternehmerisch geprägte Investoren sein, die genauso davon überzeugt sind wie wir, dass es keine Alternative zur Schifffahrt gibt. Sie ist immer noch das günstigste Transportmittel, in einer immer globalisierteren Welt mit sehr viel Wasser zwischen den Kontinenten. Daraus folgt auch für die Zukunft: Ohne Schifffahrt kein Handel und keine internationale Arbeitsteilung“, betont Ebel.

Brückenfinanzierung per Anleihe

Das Hamburger Unternehmen NOG Northern Invest hat ein neues Modell entwickelt, mit dem sich diese Überbrückungsfinanzierungen unter der Beteiligung von institutionellen Investoren umsetzen lassen sollen.

„Immer häufiger wird selbst Gesellschaften ein neues Darlehen verwehrt, die den Kapitaldienst immer geleistet oder sogar außerplanmäßig getilgt haben und ein weitestgehend entschuldetes Schiff als Sicherheit bieten können. Das gilt auch dann, wenn sie nur einen sechsstelligen Betrag benötigen, um ein Tief zu überbrücken“, sagt Markus Brückner, langjähriger Geschäftsführer der Hansa Hamburg Beteiligungs GmbH.

Seit April 2012 ist Jens Brandis an Bord, der in den vergangenen sechs Jahren die Schiffsfonds-Sparte bei FHH Fondshaus Hamburg geleitet hat. „Uns sind einige Fälle bekannt, in denen die Geschäftsführer von Schiffsgesellschaften von den kreditgebenden Banken angeschrieben und aufgefordert wurden, innerhalb von 14 Tagen eine alternative Finanzierungs- oder Verkaufsmöglichkeit zu finden, um eine Schiffsverwertung abzuwenden“, berichtet Brandis, der Reedereien, Fondsgeschäftsführer und Banken beraten und mit Investoren zusammenbringen will.

Seite zwei: Schiffspreise auf historischem Tiefstpunkt

Weiter lesen: 1 2 3

1 Kommentar

  1. Die Idee mit der Unternehmensanleihe
    von NOG ist interessant, aber wer will
    diese, durchaus risikobehaftete (nach-
    rangige) 5,75%-Anleihe (5 Jahre)
    zeichnen wenn er heute die börsen- notierte 9%HAPAG-LLOYD-Anleihe
    mit 3,2 Jahren Restlaufzeit und Null-
    Ausfallrisiko zu 104,25% kaufen kann
    und damit eine Rendite von 7,8%
    erzielt ???

    Kommentar von Ove Franz — 31. Juli 2012 @ 21:57

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Denkmalobjekte – Betriebsrente – Digital Day 2019

Ab dem 24. Januar im Handel.

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Versicherungen

Standard Life: 600.000 Verträge und 26 Milliarden Euro nach Irland übertragen

Während im britischen Parlament wegen des Brexits immer noch die Fetzen fliegen, ist Standard Life deutlich weiter. Das oberste schottische Zivilgericht (Court of Session) hat dem Plan zugestimmt, die Verträge von der schottischen Standard Life Assurance Limited auf die irische Standard Life International DAC zu übertragen.

mehr ...

Immobilien

Crowdinvesting: Stellen Sie sich breit auf!

Immobilien stellen das wachstums- und volumenstärkste Crowdinvest-Segment 
in Deutschland dar. Mit den regulatorischen Vorgaben für Privatanleger haben sich die Anbieter zwar arrangiert, hätten aber auch nichts dagegen, wenn die Bundesregierung sie kippen würde. Teil Eins

mehr ...

Investmentfonds

“Chancen ergeben sich aus der Ineffizienz der Kapitalmärkte”

Lohnt es sich trotz der ernüchternden Ergebnisse in 2018 in Value-Strategien zu investieren? Darüber hat Cash. mit Andreas Wosol gesprochen. Wosol ist Head of Multi Cap Value & Senior Portfolio Manager des Amundi European Equity Value.

mehr ...

Berater

“Deutsche Commerz”: Mitarbeiter kämpfen gegen Fusion

Gewerkschaften machen von Anfang an Front gegen ein Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank. Sie fürchten den Verlust Zehntausender Jobs und die Schließung zahlreicher Filialen. Verdi will nun Kräfte bündeln. Auch die EU-Kommission meldet sich zu Wort.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin-Kampfansage an Vermögensanlagen

Die BaFin hat verschiedene Arten von Vermögensanlagen-Emissionen in Bezug auf Bedenken für den Anlegerschutz “verstärkt im Blick”, genauer gesagt: fast alle. Sie droht sogar “Produktinterventionen” an, also Verbote. Ein Hammer. Der Löwer-Kommentar

mehr ...
22.03.2019

RWB Group wird 20

Recht

BFH kippt den Bauherrenerlass

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat eine uralte steuerliche Restriktion für geschlossene Fonds kassiert. Darauf weist die Beratungsgesellschaft Baker Tilly jetzt hin. Es gibt Vorteile für die heutigen Fonds, aber auch eine Fußangel.

mehr ...