Zweitmarkt: Neue Spielregeln für Emissionshäuser

Viel Glaubwürdigkeit und Eigeninteresse am Gelingen des Investitionsvorhabens soll auch das Erfolgsbeteiligungsmodell bringen, das die Asuco-Konzeptionäre in ihr Beteiligungsangebot eingebaut haben. Sollte ein Zielfonds dauerhaft unter der Schwelle von 4,5 Prozent performen, erhält der Initiator bei Liquidation deutliche Abzüge seiner Vergütung. Im Gegenzug erhält Asuco nur dann einen Bonus in Höhe von 15 Prozent des Mehrertrages, wenn der durchschnittliche Ertrag des Fondsanteils über sieben Prozent liegt. Dazu passt es auch, dass sich der Initiator auf die Regulierungsanforderungen bereits eingestellt hat. „Die Vorbereitung für den KWG-Lizenz-Antrag bei der BaFin laufen bereits und er soll noch im vierten Quartal 2012 gestellt werden. Ob die laufende Berichterstattung an die Aufsichtsbehörde dann über einen externen Wirtschaftsprüfer erfolgt oder eine hausinterne Lösung gefunden wird, haben wir noch nicht entschieden“, sagt Schloz.

Zu tun gibt es jedenfalls reichlich: Das Gesamtportfolio der Münchener setzt sich aus mehr als 2.000 Anteilen an 215 unterschiedlichen Fonds 40 verschiedener Initiatoren zusammen, die zu einem Durchschnittskurs von 55 Prozent der Nominalbeteiligung inklusive aller Erwerbsnebenkosten angekauft wurden. Für das Immobiliensegment ist das günstig. Deutlich niedrigere Einkaufspreise bietet allerdings die kriselnde Schifffahrt. Für den Hamburger Initiator MCE Schiffskapital mit ein Grund, warum er sich auf Zweitmarktfonds im Schiffsbereich eingeschossen hat.

Nikolas H. Dierkes, Vorstand der MCE Schiffskapital AG

Am 23. Juli 2012 gab er den Vertriebsstartschuss für die baugleichen Fonds MCE 09 und 10 Sternenflotte Flex. Letzterer wird exklusiv von den Beratern der Rosenheimer IC Consulting angeboten. Den Hanseaten gelingt es offensichtlich, die Anleger von der antizyklischen Investitionsstrategie zu überzeugen und für einen Mindesteinsatz von 5.000 Euro mit ins Boot zu holen. Exakt vier Wochen nach dem Vertriebsstart hatte MCE bereits 3,5 Millionen Euro für das Angebot mit der Nummer 9 und 3,2 Millionen Euro für den Schwesterfonds eingesammelt.

Der Weg zu den Fondsanteilen weicht nicht von denen der Wettbewerber ab. „Klassische Zweitmarkt-Plattformen wie beispielsweise die Fondsbörse Deutschland bieten ein breites Angebot. Allerdings bekommen wir häufig Anfragen von Privatanlegern und Beratern, die Anteile direkt verkaufen möchten. Daneben können wir aufgrund der Höhe des von uns verwalteten Kapitals auch attraktive Anlagemöglichkeiten wahrnehmen, die nur wenigen Großanlegern vorbehalten sind“, so MCE-Vorstand Nikolaus H. Dierkes.

Die Entscheidung darüber, welcher Fondsanteil es schafft, Teil der Sternenflotte zu werden und ins Portfolio aufgenommen zu werden, ähnelt der Vorgehensweise, die Investmentfondsmanager anwenden: „Bei der Fondsauswahl greifen wir auf die hauseigene Datenbank zurück, in der gut 15.000 Datensätze zu mehr als 1.700 Schiffen gespeichert sind. So lassen sich zu jeder Zeit die Ertragsaussichten, der angemessene Einkaufspreis und ein attraktiver Verkaufspreis eines Fondsanteils ermitteln“, sagt Dierkes.

Neben Maritim Invest zählt die HTB Hanseatische Fondshaus GmbH aus Bremen zu seinen wichtigsten Wettbewerbern. Die Hanseaten fahren traditionell zweigleisig und bieten parallel Schiffs- und Immobilienzweitmarktfonds an. Im Mai startete der Initiator den Vertrieb des Schiffsfonds XVII, zugleich der zweite Ansparfonds der Bremer, der parallel zu einem Einmalanlageprodukt und einem Private Placement angeboten wird.

„Der Vorteil des Ansparplan-Konzepts liegt darin, dass er über einen Zeitraum von fünf Jahren investiert und damit das Chancenpotenzial verschiedener Marktzyklen nutzen kann. Die Kaufpreise für Schiffe sind auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Das gilt auch für vollständig entschuldete Schiffe oder solche, die ihre Darlehen noch während der verbleibenden Charterlaufzeit ablösen können“, erläutert Jörg Busboom, der im August 2011 von der Hahn Gruppe zur HTB gewechselt hat. Seit der langjährige Unternehmenslenker Lars Clasen das Emissionshaus im Juni 2012 verlassen hat, führt er die Geschäfte mit Thorsten Rösner und Wolfgang von Mangoldt.

„Besonders attraktive Einkaufspreise lassen sich natürlich abseits der Pfade realisieren, die alle Branchenteilnehmer beschreiten“, sagt Busboom und nennt die etablierten Zweitmarktplattformen oder Maklerhäuser. „Viele Kontakte zu veräußerungswilligen Fondszeichnern stellen wir über unsere Vertriebspartner her. Im Laufe der Jahre hat sich HTB zudem ein Netzwerk aus Notaren, Steuerberatern und Rechtsanwälten aufgebaut, über das wir die Möglichkeit haben, größere Bestände auf einmal zu erwerben, beispielsweise wenn eine Erbengemeinschaft kein Interesse daran hat, die schwer aufteilbaren Fondsportfolios des Verstorbenen zu übernehmen“, erläutert Busboom.

Soweit die nachvollziehbare Investitionsidee aller Zweitmarktfonds, deren Initiatoren zusätzlich mit einer breiten Risikostreuung werben. Der Anbieter HTB beispielsweise hat sich zum Ziel gesetzt, Anteile an 100 Schiffen unterschiedlicher Segmente und Größenklassen zu erwerben. 50 Investitionen sind bereits getätigt. Die plausiblen Argumente bleiben jedoch dann graue Theorie, wenn das Geld fehlt. Schließlich können die eigenkapitalbasierten Zweitmarktfonds nur die Mittel investieren, die zuvor auch bei den Anlegern eingesammelt wurden. Gerade maritime Beteiligungsangebote tun sich nach den zahlreichen Insolvenzfällen der vergangenen Monate schwer, Vertriebspartner und Anleger zu finden. Sowohl private als auch institutionelle Anleger tun sich unabhängig von der Assetklasse schwer, antizyklisch zu investieren. „Bis zum Jahresende gehen wir davon aus, zwischen acht und zehn Millionen Euro im Schiffsbereich einzusammeln. Darin enthalten sind die eingegangenen Anfragen für ein zweites Private Placement, das wir im Herbst 2012 auf den Markt bringen werden“, sagt Busboom.

 

HTB tritt seit jeher nur als Käufer im Zweitmarkt auf, wofür noch keine KWG-Lizenz erforderlich ist. Genauso macht es Wettbewerber Lloyd Fonds, der das Geschäft an die im Jahr 2007 gegründete Tochtergesellschaft Trade On GmbH ausgelagert hat. In diesem Jahr wurde zudem die Konzerntochter Lloyd Fonds Consulting GmbH gegründet, unter deren Dach der Initiator seinen institutionellen Vertrieb auszubauen gedenkt. Das Tochterunternehmen soll die von Lloyd Fonds aufgelegten Spezialfonds in Deutschland vertreiben.

„Wir haben für die Lloyd Fonds Consulting bereits eine KWG-Lizenz beantragt, unter deren Lizenz weitere Gesellschaften angeschlossen werden können, beispielsweise auch die Trade On. Die nationale Gesetzgebung zur Implementierung der AIFM-Richtlinie ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht finalisiert. Ob es zusätzliche Regulierungen von Dach- oder Zweitmarktfonds geben wird, ist damit ebenfalls noch unklar. Durch unsere Vorgehensweise können wir jedenfalls flexibel auf die gesetzlichen Vorgaben reagieren“, sagt Dr. Torsten Teichert, Chef der Lloyd Fonds AG.

Derzeit ist in der Tat noch nicht klar, dass lediglich die Händler unter den Teilnehmern des Zweitmarktes verschärfte Regulierungsvorgaben zu erfüllen haben. Auch die Anbieter von Zweitmarktfonds könnten herangezogen werden. Der Diskussionsentwurf zur Umsetzung der AIFM-Richtlinie lässt Dachfonds-Konzepte, die in Immobilien, Schiffe, Erneuerbare-Energien-Projekte oder Flugzeuge investieren, zwar weiterhin zu. Vorgesehen ist aber eine gewaltige Bürokratie, darunter eine externe Bewertung vor dem Kauf jedes Zielfondsanteils. Das würde den Kaufabwicklung nicht nur verkomplizieren, sondern die Konzepte enorm verteuern.

Ob es wirklich dabei bleibt, soll nach derzeitigem Stand noch im September 2012 klar sein. Sollte es auch, denn wie soll die Branche neue Produkte auflegen und aus ihrem Platzierungstief herauskommen, wenn sie gar nicht weiß, ob ihre Beteiligungsangebote kurz darauf noch erlaubt sind oder sich überhaupt noch rechnen?

Fotos: Hesse Newman Capital, Asuco, MCE Schiffskapital

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