Portfolioverkauf und Publikumsfondsausstieg vorbereitet

Das Emissionshaus Wölbern Invest will 44 Immobilien in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, England und Polen aus 30 Publikumsfonds, einem Dach- und einem Developmentfonds mit einem Wert von rund 1,4 Milliarden Euro en bloc veräußern.

Thomas Kühl, Generalbevollmächtigter der Wölbern Invest KG

Der Initiator plant, die insgesamt rund 40.000 Privatanleger jeder einzelnen Fondsgesellschaft über den vorgeschlagenen Verkauf abstimmen lassen. Wie Thomas Kühl, Generalbevollmächtigter der Wölbern Invest KG während eines Pressegesprächs mitteilt, verfügten die für das Portfolio ausgewählten Fonds über eine durchschnittliche Restlaufzeit von fünf Jahren, gleiches gelte für die Mietverträge. Unter Berücksichtigung aktueller Wertgutachten der Immobilien durch bankenunabhängige Sachverständige und der kalkulierten Verkaufspreise der Fondsobjekte rechnet Kühl mit einem durchschnittlicher Gesamtmittelrückfluss von 100 Prozent der Einlage für jeden Anleger, einschließlich der Ausschüttungen also, die die Kommanditisten bereits erhalten haben.

Ein Viertel der Anleger müssen mit Dreiviertelmehrheit zustimmen

„In der zweiten Aprilhälfte werden wir die Anleger mit konkreten Angaben über die jeweilige Höhe des für sie zu erwartenden Verkaufserlöses respektive des zu erwartenden Mittelrückflusses informieren können und entsprechende Handlungsalternativen zur Abstimmung stellen“, sagt Kühl. Er ist zuversichtlich, dass die Anleger den Vorschlägen der Fondsgeschäftsführer mit der erforderlichen Mehrheit zustimmen werden: Laut Gesellschaftsvertrag müssen 25 Prozent von ihnen an der Abstimmung teilnehmen und mit Dreiviertelmehrheit zustimmen. Mit dem Gesamtergebnis sei Ende Mai 2013 zu rechnen.

Härtere Immobilienmarkt- und Finanzierungsbedingungen

Grund für den geplanten, vorzeitigen Verkauf der Fondsobjekte sei vor allem das schwierigere Umfeld auf den genannten Immobilienmärkten allen voran in den Niederlanden: „Wenn derzeit überhaupt Mieter für Flächen zu interessieren sind, dann erwarten diese bis zu 15 Freimonatsmieten, frühestens in fünf Jahren werden die Leerstände in den Niederlanden bereinigt sein“, so die gemeinsame Einschätzung des Initiators und seiner Vertriebs- und Finanzierungspartner. Gerade die Banken müssten ihre Kernkapitalquote steigern, indem sie ihre Risikoaktiva verringern. „Rund 80 Prozent der Finanzierungspartner haben uns aufgefordert, keine Gelder mehr an Anleger auszuschütten, um die Fonds weiter zu stabilisieren“, berichtet Kühl.

Wölbern Invest habe bislang hochwertige Immobilien mit bonitätsstarken Mietern anbieten und so regelmäßige Ausschüttungen sicherstellen können, darauf hätten Privatanleger mit geringer Riskoneigung vertraut. „Unser Angebot an die Anleger kann und soll sicherstellen, dass ihnen Kapitalerhöhungen oder Verluste erspart bleiben. In absehbarer Zukunft wird das nicht mehr zu leisten sein, wofür Wölbern Invest bislang stand“, so der Generalbevollmächtigte des Emissionshauses.

Über den geplanten Verkauf der Fondsobjekte auf einmal ließen sich nach seiner Einschätzung höhere Kaufpreise erzielen als beim Einzelverkauf. Die Nachfrage institutioneller Immobilieninvestoren nach Immobilien konzentrierten sich derzeit auf große Volumina, die durch die Bündelung einzelner Objekte in Portfolios oder „Paketen“ erreicht wird. Auf diese Weise könnten die Erwerber die Risiken breiter streuen und günstigere Finanzierungskonditionen erhalten.

Die Ansprache potenzieller Investoren werde parallel zu den Abstimmungen über den Verkauf der betroffenen Immobilien erfolgen. Binnen Jahresfrist soll die Transaktion voraussichtlich abgeschlossen sein, die betreffenden Fondsgesellschaften werden planungsgemäß bis Ende des Jahres 2014 aufgelöst.

Neue Beteiligungsangebote will der Hamburger Initiator künftig ausschließlich für so genannte Profi-Anleger im Sinne der AIFM-Richtlinie kreieren. Das gelte sowohl für die Immobilien- als auch die Private-Equity-Sparte, die die Hanseaten wiederbeleben möchten. (af)

Foto: Wölbern Invest

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