Anzeige
17. Mai 2013, 10:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Tonnagesteuer wird zum Damoklesschwert

Vielen Schiffsanlegern drohen unvorhergesehene Zahlungen, wenn die Fondsgesellschaft Insolvenz anmelden oder das Schiff verkaufen muss. Denn: Der Unterschiedsbetrag aus der Tonnagesteuer ist zu versteuern.

Gastkommentar von Nils Lorentzen, Geschäftsführer der DFR Deutsche Fondsresearch GmbH

Nils-Lorentzen-DFR-252x300 in Tonnagesteuer wird zum Damoklesschwert

DFR-Geschäftsführer Nils Lorentzen

In Zeiten von krisenbedingten Insolvenzen, Sanierungen und unfreiwilligen Schiffsverkäufen können auf Schiffsfonds und ihre Anleger weitere unplanmäßige Kosten zukommen. Grund dafür: Zahlreiche Schiffe ermitteln ihren Gewinn über die sogenannte Tonnagesteuer und müssen im Fall des Verkaufs oder der Insolvenz den gebildeten Unterschiedsbetrag – zum Teil voll – versteuern. Und das auch für den Fall, dass diesem Betrag keine Einnahmen gegenüberstehen. Gleichzeitig verspricht der Blick auf die Schifffahrtsmärkte weiterhin keine nachhaltige Verbesserung.

Die Abrechnung erfolgt am Ende der Laufzeit

Seit Ende der 1990er Jahre können Schiffsfonds ihren Gewinn über die Tonnagesteuer ermitteln. Das Verfahren nutzt die Nettoraumzahl des Schiffes und berechnet den Gewinn somit unabhängig von der wirtschaftlichen Situation. Der nach Tonnagesteuer ermittelte Gewinn fällt im Vergleich zu anderen Gewinnermittlungsmethoden äußerst gering aus – und somit sind im ersten Schritt auch die Steuern sehr niedrig, die auf diesen Gewinn zu zahlen sind. Entscheidet sich eine Schiffsgesellschaft, den Gewinn nach Tonnagesteuer zu ermitteln, wird zu diesem Zeitpunkt ein Unterschiedsbetrag festgestellt. Dieser ergibt sich aus der Differenz zwischen dem steuerlichen Buchwert und dem geschätzten Marktwert des Schiffes. Einfluss auf die Höhe des Unterschiedsbetrags haben somit die zum Zeitpunkt des Wechsels zur Tonnagesteuer bereits erfolgten Abschreibungen.

Generell gilt: Hohe Abschreibungen führen meist zu einem hohen Unterschiedsbetrag und damit zu einer hohen Steuerlast. Fällig wird diese erst bei Verkauf des Schiffes beziehungsweise des Anteils, bei einem Wechsel der Gewinnermittlung oder wenn die Voraussetzungen für die Tonnagesteuer nicht mehr erfüllt werden. Dabei ist die Höhe der Besteuerung unabhängig und losgelöst vom tatsächlich erzielten Veräußerungserlös.

Wir sehen bereits heute in unserer Datenbank enorme Belastungen auf Anleger zukommen. Im Falle von Schiffsverkäufen erwartet sie häufig eine Steuerlast, die die Einnahmen des Verkaufs deutlich übersteigt. In den ersten vier Monaten des Jahres 2013 wurden bereits mehr Schiffe verkauft als im Gesamtjahr 2012. In der Folge wird die Versteuerung des Unterschiedsbetrags für sehr viele Anleger zu einer bösen Überraschung. Zur Erhöhung der Markttransparenz bietet die Deutsche FondsResearch ab sofort einen kostenlosen Service für Anleger: Sie ermittelt die individuelle Steuerbelastung. Dafür ist lediglich die Angabe des jeweiligen Schiffsportfolios notwendig.

Seite 2: Die Situation auf den Schiffsmärkten ist anhaltend schwierig und verschärft das Problem

Weiter lesen: 1 2

Anzeige

1 Kommentar

  1. Das Problem “Unterschiedsbetrag” betrifft nicht die Schiffsfonds, die ab Ablieferung unter Tonnagesteuer fuhren, sondern nur die sog “Kombi-Modelle”, deren dräuendes Schicksal in diesem Artikel treffend beschrieben wird.

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 22. Mai 2013 @ 14:11

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

Sicherheitslücke in WLAN-Verschlüsselungsstandard

SicherheitsforscheSicherheitsforscher der Katholischen Universität Löwen haben eine gravierende Sicherheitslücke in dem Verschlüsselungsprotokoll WPA2 entdeckt, mit dem WLAN-Netze abgesichert werden. Ob die Lücke nur unter Laborbedingungen auftritt oder auch von Cyberkriminellen ausgenutzt werden kann, ist noch unklar.

mehr ...

Immobilien

Grundstücksrecht: Kostenfallen beim Immobilienkauf

Um im hart umkämpften Immobilienmarkt Deutschlands den Traum von den eigenen vier Wänden realisieren zu können, ignorieren Suchende immer häufiger Gefahren und Risiken. Das kann jedoch schwere Folgen auf finanzieller Ebene haben.

mehr ...

Investmentfonds

Warum der Einsteig in japanische Aktien lohnt

Japan ist noch immer bekannt für eine schwache Wirtschaft und eine niedrige Inflationsrate. Doch es gibt mehrere Gründe dafür, in den japanischen Markt einzusteigen. Investoren sollten nicht darauf warten, dass sich die Binnenkonjunktur stärkt, bevor sie investieren.

mehr ...

Berater

Mit Megatrends überzeugen

Anleger, die langfristig investieren, benötigen ein weit in die Zukunft reichendes Vertrauen in ihre Vermögensanlage.Themeninvestments, die auf stabile Megatrends setzen, können nicht nur durch ein langfristiges überdurchschnittliches Renditepotenzial überzeugen. Sie bieten Anlegern auch eine emotional nachvollziehbare Perspektive.

mehr ...

Sachwertanlagen

HTB-Zweitmarktfonds knacken Marke von 100 Millionen Euro

Die HTB Gruppe aus Bremen hat für ihre Serie von Immobilien-Zweitmarktfonds bislang insgesamt 100 Millionen Euro Eigenkapital eingeworben. Auch die Platzierung des aktuellen Fonds läuft gut.

mehr ...

Recht

LV-Standmitteilungen: Klare Standards müssen her

Die aktuelle Gesetzesnovelle zu den Standmitteilungen ist ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz und Vollständigkeit. Doch eine Garantie für bessere Verständlichkeit ist sie nicht.

Gastbeitrag von Henning Kühl, Policen Direkt

mehr ...