Anzeige
15. November 2013, 14:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Tonnagesteuer wird abgeschafft“

Dr. Torsten Teichert erwartet, dass im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD die Abschaffung der pauschalen Tonnagesteuer bei Schiffsbeteiligungen für Privatanleger beschlossen wird.

Tonnagesteuer

Von einer Abschaffung der Tonnagesteuer sprach der Vorstandsvorsitzende des Emissionshauses Lloyd Fonds AG auf dem diesjährigen „Hansa Forum“ der Fachzeitschrift „Hansa“ unter Bezug auf Gespräche mit politischen Vertretern. Vor wenigen Jahren noch hätte die Nachricht für helle Aufregung gesorgt, da die Tonnagesteuer bislang ein zentrales Element der Schiffsfonds war.

Die Schifffahrtsmärkte jedoch sind weiterhin in einem so desolaten Zustand, dass auf Jahre keine neuen Schiffsfonds zu erwarten sind. Dementsprechend verhalten fielen die Reaktionen auf die Nachricht zur Tonnagesteuer aus.

Vielmehr wurde auf dem Hansa Forum einmal mehr deutlich, dass die Welle von Insolvenzen und Notverkäufen sich fortzusetzen droht, zumal immer weniger Anleger bereit sind, ihre Fonds nochmals mit frischem Geld zu stützen. Gewinne sind weiterhin nicht in Sicht. Eine Erholung wird mittlerweile nicht vor 2015 erwartet.

Das Jahr sechs der Krise

So drehte sich die Veranstaltung fast ausschließlich um das sechste Jahr der Schifffahrtskrise sowie Lösungsansätze für Reedereien und notleidende Schiffe. Der Zahl der Teilnehmer war zwar geringer als in den Vorjahren, aber immerhin rund 550 Vertreter vor allem aus den Bereichen Reedereien, Banken und beratende Berufe hatten sich im Hamburger Hotel Elysée eingefunden.

Praktisch nicht darunter zu finden waren mit Ausnahme der auf dem Podium vertretenen Häuser Gebab, Hansa Treuhand, HCI, Lloyd Fonds und Dr. Peters die Anbieter und Vertriebe von Schiffsfonds, die in früheren Jahren stets einen Großteil der Gäste auf dem Hansa Forum ausgemacht hatten. Auch das ist ein Ausdruck für die tiefe Depression der Branche.

„Plattformlösungen“ bisher kaum umgesetzt

Entscheidend für die weitere Entwicklung bleiben unterdessen die finanzierenden Banken. Seit geraumer Zeit schon werden verschiedene „Plattformlösungen“ diskutiert, bei denen mehrere notleidende Schiffe gebündelt werden, um Kostenvorteile zu erzielen, sich gegenseitig zu besichern und auf dieser Basis mit frischem Kapital umfinanziert zu werden.

Bislang wurden nur wenige solcher Konzepte tatsächlich umgesetzt. Die Realisierung erweise sich im Detail als weitaus langwieriger als angenommen, bestätigte etwa Claus Brandt, Partner der Prüfungsgesellschaft PwC. Immerhin jedoch scheinen die Banken nicht mehr nur an einer ungeordneten Verwertung der notleidenden Schiffe interessiert zu sein.

So hat die Commerzbank mit der Hanseatic Ship Asset Management GmbH (HSAM) eine eigene Gesellschaft gegründet, um Frachter selbst zu übernehmen. „Zielsetzung ist, sie erst zu veräußern, wenn der Markt sich verbessert“, sagte Matthias Pohl, Leiter des Portfoliomanagements im Geschäftsfeld Deutsche Schiffsbank der Commerzbank. Er sehe darin auch „einen Beitrag zur Stabilisierung der Marktes“. Allerdings kommen für die HSAM grundsätzlich nur „ökonomisch sinnvolle“ jüngere Containerschiffe und Bulker infrage, so Pohl.

Nehmen die Banker Druck vom Kessel?

Die Commerzbank hatte 2012 angekündigt, aus der Schiffsfinanzierung aussteigen zu wollen und ist mit dem Begriff „wertschonender Abbau“ der Engagements schon reichlich angeeckt. Nicht wenige Betroffene haben eine deutlich andere Wahrnehmung und berichten von einem recht rigorosen Vorgehen der Bank.

Seit Ende 2012 hat die Commerzbank ihr Schiffskreditvolumen nach den Worten Pohls von etwa 19 Milliarden Euro auf mittlerweile 15,5 Milliarden Euro weiter verringert. Für den weiteren Abbau hat sie sich nun deutlich mehr Zeit gegeben: Auf 14 Milliarden Euro bis 2016.

Auch die HSH Nordbank versucht – jedenfalls in der öffentlichen Darstellung – offenbar, etwas Druck vom Kessel zu nehmen. Die großflächige Zwangsverwertung von Schiffen sei nicht die Zielsetzung, sagte Wolfgang Topp, Leiter der Restructuring Unit der HSH. „Wir haben hier auch eine Verantwortung und können nicht eine ganze Branche abschneiden“, so Topp.

Fondsanleger spielen kaum eine Rolle

Eine eigene Auffanggesellschaft für die Schiffe sei für die HSH jedoch „keine geeignete Option“. Er hoffe aber, dass noch im ersten Quartal 2014 eine zweite Plattformlösung umgesetzt werden könne, so Topp. Diese biete – anders als die sofortige Verwertung – für die Bank auch die Chance, bei steigenden Märkten zu profitieren. „Schließlich wollen wir nicht wie die Deppen dastehen, wenn es wieder besser wird“, sagte Topp.

Diese Rolle könnte den bisherigen Fondsanlegern zufallen. Jedenfalls scheinen sie bei den Konzepten allenfalls eine Nebenrolle zu spielen. Bei den von Dr. Oliver Rossbach, Partner bei TaylorWessing Rechtsanwälte, skizzierten Auffanglösungen dürfte für die Anleger das höchste der Gefühle sein, die erhaltenen Ausschüttungen nicht zurückzahlen zu müssen und die vage Hoffnung zu behalten, auf Basis eines „Besserungsscheins“ eventuell in ferner Zukunft von einer Markterholung zu profitieren. Allerdings erst, nachdem alle vorrangigen Ansprüche bedient worden sind.

Das dürfte zwar in der Regel der Insolvenz des Fonds vorzuziehen zu sein. Die Einlage jedoch ist in diesen Fällen wohl so oder so endgültig verloren. (sl)

Foto: Hansa Forum

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Berufstätige Frauen und Mütter stärken die Rentenversicherung

Eine deutlich stärkere Erwerbsbeteiligung von Müttern könnte die Beitragszahler der gesetzlichen Rentenversicherung bis 2050 um insgesamt rund 190 Milliarden Euro entlasten. Zugleich würde der Staat rund 13,5 Milliarden Euro an Steuerzuschüssen einsparen. Zudem würde das Rentenniveau steigen, bei niedrigeren Beiträgen. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Prognos-Instituts im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

mehr ...

Immobilien

Hypoport erweitert Geschäftsbereiche durch Übernahme von FIO Systems

Die Hypoport AG übernimmt die Leipziger FIO Systems AG und erweitert damit ihr Leistungsspektrum. FIO Systems ist ein Spezialanbieter webbasierter Branchenlösungen für die Finanz- und Immobilienwirtschaft.

mehr ...

Investmentfonds

Warum Dividenden-ETF so schlecht abschneiden

Von wegen Dividendenregen, die Quirin Privatbank stellt Dividenden-Strategien kein gutes Zeugnis aus. Die Bank hat die Performance von Dividenden-Indizes mit ihren Gesamtmarkt-Pendants verglichen und einige Schwachstellen von Dividenden-Strategien entdeckt.

mehr ...

Berater

Prominente Unterstützung für Insurtech Ottonova

Der digitale Krankenversicherer Ottonova hat Seriengründer, Tech-Investor und TV-Star Frank Thelen (“Die Höhle der Löwen”) als Unterstützer gewonnen. Seine Beteiligungsfirma Freigeist Capital ist allerdings nicht direkt an Ottonova beteiligt.

mehr ...

Sachwertanlagen

“Sehr attraktives Marktumfeld mit historisch günstigen Schiffswerten”

Die Ernst Russ AG (vormals HCI Capital) hat das Geschäftsjahr 2017 mit Gewinn abgeschlossen und nach eigener Darstellung die strategische Neupositionierung erfolgreich fortgesetzt. Dazu zählen auch wieder Schiffe.

mehr ...

Recht

Ex-Sparkassenchef muss doch nicht vor Gericht

Der ehemalige Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon muss doch nicht vor Gericht. Der frühere bayerische Finanzminister soll per Strafbefehl zu 140 Tagessätzen wegen Steuerhinterziehung verurteilt werden, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding ankündigte. Darauf hätten sich die beteiligten Parteien in einem Rechtsgespräch geeinigt.

mehr ...