19. August 2019, 11:38
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Zukunft braucht Herkunft

Die Digitalisierung rührt kräftig an den bestehenden Gesetzmäßigkeiten des Komposit-Versicherungsmarktes. Gewinner sind kleine agile Versicherer mit Mut zur Veränderung.

 in Zukunft braucht Herkunft

Hans-Gerd Coenen, Vorstandsvorsitzender der ehemaligen GHV Darmstadt, die nun GHV heißt.

Die Kompositversicherer gelten als sichere Bank in der Versicherungsbranche. Das zeigt der aktuelle Marktausblick der Assekurata Assekuranz Rating Agentur, Köln. So konnte die Branche die Beitragseinnahmen um 3,3 Prozent auf 70,6 Milliarden Euro steigern. Damit wuchsen die Schaden-Unfallversicherer gemessen an den Beiträgen erneut stärker als die Lebensversicherer.

Insgesamt ist die Lage der Branche gut

Trotz teilweise turbulenter wirtschaftlicher Zeiten und klimatischer Ereignisse wie Dürre, Starkregen oder Stürme ist die Lage der Branche insgesamt gut. Das zeigt auch die Schaden-Kostenquote. Sie stieg zwar von 93,2 auf 96 Prozent, liegt aber immer noch unter der 100 Prozent-Marke. Es wird also Geld verdient in der Sparte.

Doch der Markt ist im Umbruch. Wohin die Reise gehen könnte, zeigt die KPMG-Studie „Die Zukunft des Kompositgeschäfts“. Immer stärker zeichnet sich dabei ab, wie durch die Digitalisierung das bisherige Geschäftsmodell aufgebrochen wird.

So erwartet KPMG, dass digitale Ökosysteme zumindest das Privatkundengeschäft in Deutschland in Zukunft entscheidend mitprägen werden. Für die Versicherungsbranche ist die Entwicklung Risiko und Chance zugleich. Bislang waren die alteingesessenen Versicherer die Platzhirsche im Markt.

“Kleine Unternehmen sind beweglicher”

Mittlerweile drängen neue, agile Rivalen auf das Spielfeld. Durch Prozessautomatisierung und den Einsatz künstlicher Intelligenz sind sie nicht nur effizienter, sondern haben auch Wettbewerbsvorteile.

„Bisher waren kleine Versicherungsunternehmen, die dazu noch auf bestimmte Produkte spezialisiert waren, klar im Nachteil. Doch durch die Digitalisierung werden momentan die bestehenden Gesetzmäßigkeiten durcheinandergerüttelt.

„Die kleinen Unternehmen sind beweglicher, können ihre Organisation schneller umbauen. Die technische Entwicklung hilft ihnen, sicht- und vergleichbar zu werden“, sagt Hans-Gerd Coenen, Vorstandsvorsitzender der ehemaligen GHV Darmstadt, die nun GHV – die Versicherungsmanufaktur für Mensch, Tier und Natur heißt.

“Digitalisierung geht nicht von der IT aus”

Doch der Sprung vom klassischen zum digitalen Versicherungsunternehmen kann nur gelingen, wenn auch die Mitarbeiter mitgenommen werden. „Ein digitaler Versicherer wird nicht über Nacht entwickelt und schon gar nicht von der IT. Er entsteht erst einmal in den Köpfen der Mitarbeiter. Sie müssen mitgenommen werden, damit die Bereitschaft entsteht, Neues zu wagen und es am Ende „einfach zu machen“, sagt Coenen.

Im vergangenen Jahr hatte der GHV-Vorstand im Gespräch mit Cash. eine Überarbeitung der IT-Landschaft angekündigt. Herausgekommen ist weit mehr. Nämlich eine komplett neue strategische Ausrichtung.

Neue Wege dank Digitalisierung

„Zum Jahresanfang begannen wir mit dem Aufbau der digitalen Versicherungsmanufaktur. Dahinter verbirgt sich eine cloudbasierte, vollumfängliche IT-Lösung. Die GHV Cloud kann mehr als Vertragspolicierung, -verwaltung und Schadenbearbeitung. Sie bildet alle Prozesse digital ab. Dazu entwickeln wir die passenden Produkte für Zielgruppen, die ein entsprechend großes Potenzial auch für Vermittler haben. Unsere neuen Versicherungslösungen für private Tierhalter bieten wir seit Juni online auf ghv-versicherung.de an. Eine Anbindung für Vermittler erfolgt noch vor der DKM“, so Coenen.

Die GHV ist ein Komposit-Spezialversicherer mit Sitz in Hessen, mit Kunden insbesondere in der Forst- und Landwirtschaft – bislang. Nun geht der Versicherer neue Wege, dank der Digitalisierung.

„In einem ersten Schritt stehen private Hunde- und Pferdehalter im Fokus. In der nächsten Ausbaustufe werden wir Versicherungslösungen für Katzenliebhaber anbieten. Nach und nach werden wir unsere Produktstrategie für alle privaten und gewerblichen Zielgruppen übernehmen“, erklärt Coenen.

Neue Produkte, neue Zielgruppen und am Ende ein eigenes Ökosystem?

Die Digitalisierung sei Chance und Risiko für die Versicherer, ist eine der Aussagen der KPMG-Studie. Das Beispiel der GHV zeigt, wie man einer 112 Jahre alten Marke neues Leben einhauchen kann. (dr)

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