Corestate vor der Insolvenz?

Voll verglaste Fassade eines Bürohauses
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Symbolbild

Aus Sicht des Vorstands des Immobilien Asset und Investment Managers Corestate Capital Holding S.A. sind die Sanierungsverhandlungen mit maßgeblichen Anleihegläubigern "nicht mehr mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen".

Das teilte das Unternehmen am Freitag Abend (18. November 2022) mit. Aufgrund der heute erhaltenen Informationen über den Stand der Gespräche zwischen Vertretern maßgeblicher Anleihegläubiger und Eigenkapitalinvestoren sei der Vorstand der Corestate Capital Holding S.A. („CCHSA“) heute Abend zu dem Ergebnis gekommen, „dass die zwischenzeitlich geführten Sanierungsverhandlungen mit maßgeblichen Anleihegläubigern aus Sicht des Vorstands nicht mehr mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen sind“.

Am 28. November 2022 werde somit voraussichtlich die Wandelschuldverschreibung zur Rückzahlung fällig. „Der Vorstand wird aufgrund dieser Sachlage eine Insolvenzantragspflicht der CCHSA prüfen. Ein solcher Insolvenzantrag würde innerhalb der gesetzlichen Monatsfrist gestellt werden“, heißt es in der Mitteilung.

Hohe Verluste in den ersten drei Quartalen 2022

Das Unternehmen hatte bereits am Dienstag (15. November) derbe Verluste für die ersten neun Monate 2022 gemeldet. Demnach betrug das operative Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) der fortgeführten Geschäftsaktivitäten minus 108,3 Millionen Euro. Inklusive unter anderem außerordentlicher Wertanpassungen und Abschreibungen auf Geschäftswerte und immaterielle Vermögensgegenstände verbuche der Konzern in den ersten drei Quartalen sogar einen Verlust nach Steuern aus fortgeführten Aktivitäten in Höhe von 581,9 Millionen Euro.

Mit Blick auf zwei fällige Anleihen, davon eine Wandelanleihe in Höhe von 188 Millionen Euro im November 2022, habe der Vorstand die Gespräche mit einer Gruppe von großen Anleihegläubigern und deren Berater sowie verschiedenen potenziellen Eigenkapitalinvestoren im dritten Quartal fortgesetzt, „um eine tragfähige alternative Refinanzierungslösung zu sondieren“, hieß es in der Mitteilung vom Dienstag. Diese Gespräche sind nun offenbar gescheitert oder sind zumindest „nicht mehr mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen“.

Über erforderliche Satzungsänderungen sollte auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 22. November 2022 abgestimmt sowie über die vorgelegten Restrukturierungskonzepte auf Gläubigerversammlungen der Investoren beider Anleihen am 28. November 2022 entschieden werden, so die Ankündigung vor drei Tagen. Ob es dazu nun noch kommt, ist offen.

Noch im März Dividendenzahlungen ab 2023 avisiert

Noch im März dieses Jahres hatte Corestate bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen des Vorjahres mitgeteilt, für 2022 ein EBITDA zwischen 90 und 110 Millionen Euro zu erwarten und die Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen ab 2023 avisiert. Allerdings war dies auch mit der Ankündigung verbunden, dass sich der geprüfte Konzernabschluss 2021 verzögerte, da der Abschlussprüfer Ernst & Young seine Prüfungshandlungen „in nachgelagerten Teilbereichen mit Fokus auf der Corestate Bank“ noch nicht vollständig abgeschlossen habe.

Bereits im August meldete das Unternehmen dann jedoch hohe Verluste im ersten Halbjahr 2022. „Die spürbare gesamtwirtschaftliche Unsicherheit in Verbindung mit der Zins- und Inflationsdynamik führte in den vergangenen Monaten zu einem Einbruch der Transaktionsvolumina im Immobiliensektor“, hieß es in der Mitteilung unter anderem. Demnach waren auf der Ertragsseite die Gesamterlöse aus fortgeführten Aktivitäten im ersten Halbjahr 2022 um mehr als 75 Prozent von 98,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 22,9 Millionen Euro eingebrochen. 

Zu Corestate gehört auch Hannover Leasing

Corestate ist nach eigenen Angaben ein Investmentmanager und Co-Investor mit einem verwalteten Vermögen von 17,3 Milliarden Euro im Kerngeschäft (30. September 2022). Das Unternehmen versteht sich demnach als Manager der gesamten Immobilien-Wertschöpfungskette. Der Aktienkurs des börsennotierten Unternehmens ist bereits seit Februar 2020 im Sinkflug und seitdem von über 40 Euro auf zuletzt unter einen Euro abgestürzt.

Corestate ist zuletzt unter anderem durch Aktionärswechsel und häufiges Stühlerücken im Vorstand aufgefallen. Zu Corestate gehört auch der Asset Manager und Fondsanbieter Hannover Leasing, einer der ältesten und vom historischen Emissionsvolumen größten Emittenten geschlossener Fonds, heute alternative Investmentfonds (AIFs). Inwieweit Hannover Leasing und die Fondsanleger von einer eventuellen Corestate-Insolvenz betroffen wären, bleibt abzuwarten.

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