„Britische Firmen liegen vorn“

Die Schweizer Sarasin Bank hat in einer aktuellen Studie Immobilienaktiengesellschaften unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit untersucht. Cash. sprach mit Studienautor Klaus Kämpf über die Ergebnisse.

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Klaus Kämpf, Bank Sarasin

Cash.: Was hat Sie dazu veranlasst, sich den Immobilienaktiengesellschaften auf diese Weise zu nähern?

Kämpf: Gebäude stellen den größten Endverbrauchsektor von Energie dar. Klimaschutzund Ressourcenknappheit zwingen uns, diesen Verbrauch zu reduzieren. Der Einbezug von Nachhaltigkeitsstrategien beim Bauen und Sanieren von Gebäuden zahlt sich langfristig aus. Entsprechend interessant sind Investitionen in nachhaltige Immobilien oder Immobiliengesellschaften, die über eine gute Nachhaltigkeitsstrategie verfügen.

Cash.: Lässt sich die Wichtigkeit auch an konkreten Zahlen festmachen?

Kämpf: Dass eine nachhaltige Entwicklung ohne den Einbezug von Gebäuden undenkbar ist, zeigt die Tatsache, dass Bau und Betrieb von Gebäuden für 40 Prozent unseres globalen Primärenergieverbrauchs verantwortlich sind. Die neue Nachhaltigkeitsstudie der Bank Sarasin mit dem Titel „Auf nachhaltige Gebäude bauen“ beleuchtet zentrale Aspekte des Immobiliensektors wie die Potenziale und Kriterien für umweltfreundliches Bauen, Renditeaussichten von nachhaltigen Immobilienanlagen sowie den Einbezug von Immobiliengesellschaften in ein nachhaltiges Portfolio.

Cash.: Sie haben in der Vergangenheit meist Unternehmen einer Nachhaltigkeitsanalyse unterzogen. Mussten Sie für Immobilien eine neue Systematik entwickeln?

Kämpf: Ja, wir haben eigene Methoden zur Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden entwickelt. Bei der Bewertung von Gebäuden kommen Kriterien zu Umwelt, Wohlbefinden und Gesundheit sowie Gebäudenutzung und Umfeld zur Anwendung. Als Besonderheit wird vor allem auch das riesige, weitgehend ungenutzte Potenzial, das in der Sanierung von Altbauten besteht, berücksichtigt. Die Bewertung von Immobiliengesellschaften basiert auf der bewährten Sarasin-Methode zur nachhaltigen Unternehmensbewertung, die auf die Besonderheiten der Branche angepasst wurde.

Cash.: Wie sieht die traditionelle Methode aus beziehungsweise was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?

Kämpf: Wir beurteilen Unternehmen danach, wie aktiv und erfolgreich sie die Risiken, die aus den ökologischen und sozialen Auswirkungen ihres Geschäfts resultieren, eingrenzen und beschränken.

Cash.: Das klingt sehr abstrakt. Können Sie ein Beispiel nennen?

Kämpf: Immobilienaktiengesellschaften werden z.B. danach bewertet, in welchem Umfang sie bei Neubauprojekten und Altbausanierungen die Energieeffizienz verbessern. Andere Kriterien sind die Verwendung ökologischer Baumaterialien, die Berücksichtigung von Raumplanungszielen und der Einbezug der Öffentlichkeit bei Neubauprojekten sowie Umwelt- und Sozialstandards für beauftragte Bauunternehmen.

Cash.: Wie groß ist das Research-Universum in Sachen Immobilienaktiengesellschaften derzeit?

Kämpf: Wir haben 160 Immobilienaktiengesellschaften aus 17 Ländern in unserem Fokus. 64 davon haben wir als nachhaltig eingestuft. Am besten schnitten zwei britische Unternehmen ab: Land Securities und British Land. Die beiden französischen Immobiliengesellschaften Gecina und Unibail-Rodamco können als weitere überdurchschnittlich nachhaltige europäische Firmen genannt werden.

Cash.: Wodurch zeichnet sich die Gesellschaft British Land aus?

Kämpf: British Land hat Umwelt- und Sozialziele, die mittels detaillierter Maßnahmenpläne umgesetzt werden. Alle neuen Bürogebäude sollen dem BREEAM Excellent-Standard entsprechen. Im Vorfeld von Bauprojekten bezieht British Land die Anwohner und andere Interessengruppen ein. Bei Projekten auf der grünen Wiese legt das Unternehmen besonderen Wert auf den Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Die Klimaschutzstrategie von British Land umfasst die Reduktion des Energieverbrauchs sowie die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Dies gilt sowohl für die vom Unternehmen selbst genutzten als auch für die vermieteten Gebäude. Soweit das Unternehmen nicht direkten Einfluss nehmen kann, unterstützt es die Mieter bei Klimaschutzmaßnahmen. Auch die Fahrzeugflotte ist in das Klimaschutzkonzept einbezogen. Nicht vermeidbare Treibhausgasemissionen werden kompensiert.

Cash.: Gibt es Unterschiede zwischen europäischen, amerikanischen und asiatischen Firmen?

Kämpf: Ja durchaus. In Europa sind Umweltanforderungen durch gesetzliche Mindestvorschriften festgelegt, in Asien und den USA herrschen dagegen freiwillige Standards und Zertifikate vor. Zahlreiche Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Bewertung stammen deshalb aus dem asiatischen und amerikanischen Raum. Doch auch unter den asiatischen Unternehmen gibt es Ausnahmen: Mitsubishi Estate zum Beispiel schneidet dort überdurchschnittlich ab.

Interview: Frank Milewski

Foto: Sarasin Bank

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