Aengevelt: „Uns erschreckt so leicht nichts“

Cash.: Wie ordnen Sie angesichts ihrer eigenen Unternehmenshistorie die jüngste Krise ein?

Aengevelt: Wir haben in 100 Jahren natürlich alles erlebt. Zahlreiche Währungsumstellungen, Inflationen, die Kriege, die Wiedervereinigung. Jede Krise war und ist anders. Das, was letzten Endes als eine globale Wirtschaftskrise angespült worden ist und ursprünglich als US-Hypothekenkrise begann, haben wir in dieser Form vorher nicht gehabt. Und es wird sich so wahrscheinlich auch nicht mehr wiederholen, sondern es wird wieder andere Krisen geben. Wir haben ebenso oft Investitionswellen wie Nutzungsartkrisen erlebt. Dabei haben wir nie kurzfristig die Flucht aus einem Immobilientyp oder Standort ergriffen, sondern teils antizyklisch agiert. Wir haben in 100 Jahren ununterbrochene Expertise gesammelt. Uns erschreckt so leicht nichts.

Cash.: Dennoch hat die Krise Auswirkungen auf Ihr Geschäft gehabt…

Aengevelt: …das ist unausweichlich. Solche Trends treffen alle. Unser 2009er Umsatz liegt bei zehn bis elf Millionen Euro. 2008 waren es 14,6 Millionen.

Cash.: Mussten – wie am Markt kolportiert – private Zuschüsse geleistet werden?

Aengevelt:  Das ist unzutreffend. Richtig ist vielmehr, dass sich die Gesellschaft ohne Einschüsse jederzeit und auch aktuell aus eigenen Mitteln finanziert.

Cash.: Die Wohnimmobilienmärkte blieben von der Krise unbeschadet, scheinen in den Ballungsräumen als Investitionsstandort gar zu profitieren.

Aengevelt: Man muss den großen ausländischen Portfoliokäufern in den Jahren 2007 und 2008 durchaus Respekt zollen. Die haben gesehen, dass sich möglicherweise eine Krise abzeichnet. Da das aber nicht das Ende und der Stillstand der Immobilienmärkte sein konnte, setzten sie auf die Assetklasse, die davon profitiert, wenn die bis dahin im Fokus stehenden gewerblichen Entwicklungen nicht mehr laufen: Wohnimmobilien. Nicht nur in den Metropolen, sondern auch in den Universitätsstädten spielen sich attraktive Szenarien ab. In Städten wie Würzburg und Erlangen, Aachen und Tübingen sind Spezialisten aktiv, die moderne Wohnhäuser für Studenten errichten. Die sind auch als Paket und bei den Institutionellen im Portfolio.

Cash.: Welche Entwicklung sehen Sie auf dem Wohnungsmarkt?

Aengevelt: Unser Wohnungsbestand und unsere Neubautätigkeit bieten gleich mehrere Perspektiven. Wir haben erstens eine völlig unzureichende Produktionsrate. Der Wohnungsbestand vergreist zusehends. Diesen auf den neuesten Stand zu bringen wird meist zu teuer. Ein Leitspruch meines Großvaters lautet: ‚Ist ein Mann reich und dumm, baut er alte Häuser um’. Zudem wird der tatsächliche Wohnungsbedarf wird im Angebot nicht abgebildet. Wir haben das Problem viel zuwenig barrierefreier Einheiten. Die älteren Menschen wollen urban bleiben. Oft ist das aber nicht bezahlbar. Auch der Pro-Kopf-Wohnflächenverbrauch wächst.

Cash.: Gibt es eine Wohnungsnot in den Ballungsräumen?

Aengevelt: Die Zentren stehen natürlich im Fokus. Man muss die Demographie und die Wanderungsbilanz vor dem Hintergrund einer mittelfristigen Arbeitsplatzentwicklung sehen. Es gibt durchaus schwierige Regionen, insbesondere im Osten oder Norden. Ein attraktiver Standort braucht einen guten Angebotsmix aus Mietwohnungen und Eigentum.

Lesen Sie hier, wo die Präferenzen auf den Gewerbeimmobilienmärkten liegen.

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