Aengevelt: „Uns erschreckt so leicht nichts“

Cash.: Auf dem Gewerbeimmobilienmarkt wird derzeit nach Core-Immobilien gesucht. Welche Märkte und welche Objekte würden Sie in der jetzigen Situation empfehlen?

Aengevelt: Natürlich gibt es immer plausible Gründe, um auch die eine oder andere Core-Immbolie im Portfolio zu haben. Im Handel findet mittlerweile eine deutliche Polarisierung statt. Die 1A-Standorte werden immer stärker, die Kurve der 1B-Standorte stagniert. Das spricht für die Core-Immobilien. Wir haben beispielsweise aber auch mehrere stadtbezirksrelevante Einkaufszentren über viele Jahre planungsrechtlich behutsam entwickelt und arrondiert. Diese Neighbourhood-Shoppingcenter sind Blue Chips, weil der Trend zurück in die Stadt auch bei den kleineren und mittleren Städten anhält. Das sind hoch interessante Nutzungstypen. Die großen Ketten gehen als Ankermieter dort rein, weil sie einen Mix von Handels- und Dienstleistungsangeboten in Verbindung mit Freizeit, Entertainment und sicheren Parkmöglichkeiten bieten.

Cash.: Worauf setzen Sie auf europäischer Ebene?

Aengevelt: Da geht es dann etwas größer zu, aber in der Regel mit gewerblichem Fokus. Wir setzen dort auf Klassiker wie Büro, aber auch auf Hotelflächenentwicklung, also Hotels.

Cash.: Wie geht Aengevelt Immobilien in die nächsten 100 Jahre?

Aengevelt: In Sachen Unternehmensfortführung durch die eigene Familie sind mein Bruder und ich guter Dinge. Drei unser insgesamt fünf Kinder  werden nach Abschluss ihrer teils internationalen akademischen Ausbildungen ins Unternehmen einsteigen. In der Sache selbst sehen wir eine Zunahme der Beratungsintensität als unmittelbare Folge der Krise. Das, was in 2007 und 2008 im großen Stil in den Paketen eingekauft wurde, muss wieder entkoppelt werden. Das war vorher nicht zusammen und bleibt auch so nicht zusammen. Wir sind in der Branche an der Schwelle zu einer neuen Beratungsqualität und -intensität. Das gilt vor allem auch dann, wenn Objekte weiter vermarktet werden müssen. Wenn man von jemandem kauft, dem es in den letzten vier bis fünf Jahren schlecht gegangen ist, kann man sich nich zwingend darauf verlassen, dass das Objekt ordnungsgemäß instand gehalten wurde. Da ist eine ganze Reihe von Analysen fällig. Nicht alles, was von der Adresse, von der Nutzung, der Mietvertragsdauer oder Mieterbonität auf ersten Anhieb gut aussieht, ist auch gut.

Cash.: Wie wollen Sie dieser Herausforderung begegnen?

Aengevelt: Indem wir unsere Mitarbeiter stets marktorientiert weiter- und fortbilden und organisatorisch stets die beste Maklersoftware vorhalten. Darüber hinaus betreiben wir seit Jahren ein Qualitätsmanagement sind nach ISO DIN 9001 2000 zertifiziert. In unserer ausgewogenen Mischung zwischen den Big Seven und kleineren Standorten, zwischen und Ost und West sehe ich uns gut gerüstet für die Zukunft.

Aengevelt Immobilien GmbH & Co. KG:

Gründung: Am 1. April 1910 von Leo Aengevelt

Inhaberführung: Anteilseigner zu je 50 Prozent Dr. Wulff Aengevelt und Dr. Lutz Aengevelt

Geschäftstätigkeit: 80 Prozent der Provisionseinnahmen in den Bereichen Investment und gewerbliche Vermietung, 20 Prozent aus dem Verkauf von privat benutzten Immobilien (Ein- bis Dreifamilienhäuser und Eigentumswohnungen), beziehungsweise aus Bewertung und Beratung.

Mitarbeiter: Rund 140 an sechs Standorten

Netzwerke: DIP Deutsche Immobilien Partner und IPP International Property Partners

Interview: Thomas Eilrich

Foto: Aengevelt Immobilien

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