Effizienzhäuser: „Subventionen übersteigen Kosten“

Über die Möglichkeiten Energieeffizienz in Rahmen von Denkmalsanierungen zu erzielen, sprach Cash. mit dem Energieberater und Fachdozenten Stefan Preiß.

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Stefan Preiß

Cash.: Lassen sich Energieeffizienz und Denkmalschutz sinnvoll vereinen?

Preiß: Im Bereich der Energieeffizienz – bei objektspezifischen Unterschieden – eindeutig ja. In der Regel sind, bei intelligenter Planung der Gebäudehülle und Auswahl der Anlagentechnik, die baulichen Mehrkosten deutlich geringer als die dafür zu erzielenden Subventionen.

Cash.: Welche Energiehausstandards können Denkmalschutzobjekte erfüllen?

Preiß: Ich bearbeite momentan mehr als 3.000 Wohneinheit im denkmalgeschützten Bereich. Davon erfüllen circa 2500 Wohneinheiten die höchsten Standards von ‚Effizienzhäusern 85 und 100’.Circa 500 Wohneinheiten sind immerhin noch ‚Effizienzhäuser 115 und 130’. Prinzipiell kann gesagt werden: Je höher der Anteil an Außendämmung, desto leichter ist ein hoher Standard zu erreichen. Ist der Anteil einer Innendämmung über 50 Prozent, ist in der Berechnung ein höherer pauschaler Wärmebrückenzuschlag anzusetzen, was dazu führt, dass nur mit einem detaillierten Wärmebrückennachweis und hohem Aufwand in der Detailplanung ein Effizienzhausstandard und Schimmelfreiheit erreicht wird.

Cash.: Rechnet sich eine solche Sanierung schon durch die Energieeinsparung?

Preiß: Nein. Es ist immer die Gesamtheit der wirtschaftlichen Aspekte zu betrachten. Die wichtigsten neben der Energieeinsparung sind Zuschüsse, Zinsverbilligungen, unter Umständen Einspeisevergütungen, mögliche Reduktion der Instandhaltungsrücklage und Abschreibungen. Meine Konzepte beruhen darauf, dass durch die Sanierung keine Mehrbelastung für den Investor entsteht und eine überdurchschnittliche Rendite der Investitionen entsteht. Weiter entstehen ein höherer Wert, eine deutlich verbesserte Behaglichkeit und durch den Wegfall der Problematik ‚Schimmel’ weniger Ärger und geringere Kosten.

Cash.: Wie sieht ein Rechenbeispiel aus?

Preiß: Pro Wohneinheit werden maximal 75 000 Euro für die Maßnahmen der Energieeffizienz finanziert und gefördert. Bei einem ‚Effizienzhaus 85’ resultiert daraus ein Tilgungszuschuss von 15 Prozent oder 11.250 Euro. Die Zinsverbilligung von circa drei Prozent – 1,41 Prozent bei zehn Jahren und 1,76 Prozent bei 20 Jahren Laufzeit – wirkt sich mit 2.250 Euro jährlich aus. Der Durchschnitt des Energieverbrauchs liegt im Bestand bei circa 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Ein ‚Effizienzhaus 85’ liegt bei etwa 50 kWh/a. Bei einem Gas/Ölpreis von 65 Cent liegt die Einsparung bei einer 100 Quadratmeter großen Wohnung bei 650 Euro pro Jahr.

Interview: Thomas Eilrich

Foto: Stefan Preiß

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