23. April 2012, 15:20
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Deutscher Immobilienmarkt: Lage gut – Prognose unsicher

Die Entwicklungskurve am deutschen Immobilienmarkt zeigt derzeit in allen Bereichen aufwärts. Allerdings könnte ein drohender Wirtschaftsabschwung die Aussichten eintrüben, so ein Fazit des aktuellen Immobilien Jahrbuchs 2012.

Chart-up-down-shutt 64752775-127x150 in Deutscher Immobilienmarkt: Lage gut - Prognose unsicherIn 40 Beiträgen zu den Themenfeldern Immobilienpolitik, -konjunktur und Immobilienbranche stellen Fachautoren aktuelle Trends und Entwicklungen dar. Die Herausgeber Sven R. Johns, IVD, und Robert Ummen blicken trotz guter Basisdaten skeptisch auf den Jahresverlauf. „Der Immobilienmarkt 2012 wirkt angesichts der positiven Entwicklungen aller Segmente und dem kontinuierlichen Kapitalstrom unerschütterlich und stark,“ kommentiert Ummen. „Gleichzeitig jedoch mehren sich Anzeichen für einen Wirtschaftsabschwung, der die Immobilienwirtschaft zeitverzögert – erfahrungsgemäß um ein halbes Jahr versetzt – erreichen dürfte.“

Auseinanderdriften der Segmente

Prof. Dr. Tobias Just, wissenschaftlicher Leiter des IREBS Immobilienakademie, prognostiziert ein „seltsames Immobilienjahr“. Vor dem Hintergrund einer drohenden Rezession und den Bemühungen um Währungsstabilität „führt die Asymmetrie zwischen starken und schwachen Mitgliedern im Euroraum zu gegensätzlichen Entwicklungen von Wohnungs- und Gewerbeimmobilienmärkten in Deutschland“. So werde die Nachfrage nach deutschen, weil wertstabilen, Wohnungen weiterhin hoch bleiben. „Eine Jagd nach Sicherheit, die den Preisauftrieb weiter befeuert, ist jedoch ein Risiko für die mittelfristige Entwicklung, denn die Wohnungspreise in Deutschland werden dadurch volatiler, und Volatilität ist nur in der Aufwärtsphase ein Segen“, mahnt Just.

Auch Professor Dr. Michael Lister, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzen, Banken und Controlling, Steinbeis-Hochschule, Berlin, konstatiert einen „Run auf deutsche Zinshäuser – vor allem in den Metropolen“, der in einem Sicherheitsbedürfnis von Investoren und Anlegern begründet ist. „Steigende Mieten und Kaufpreise, ein historisch niedriger Zinsstand und die positive, aber unzureichende Entwicklung der Bautätigkeit steigern die Attraktivität der Zinshausmärkte, die derzeit durch die Erhöhung der Grunderwerbssteuer in den meisten Bundesländern belastet wird.“ Positive Ertragsaussichten machten den Markt zukünftig nicht nur für institutionelle Investoren, sondern auch für Mittelständler und Stiftungen interessant.

Als gesamtgesellschaftliche Herausforderung für die deutsche Immobilienwirtschaft wird dagegen der strukturelle Büroleerstand gesehen, der auf der nachlassenden Nachfrage nach Bürogebäuden bei gleichzeitig fortgesetzter Neubautätigkeit basiert. So warnt Professor Dr. Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Immobilienökonomik, IW Köln, vor einer weiteren Verschärfung der Problematik und fordert, dass „in Phasen anziehender Nachfrage zunächst der Leerstand abgebaut werden sollte.“ Als Lösungsansätze schlägt er flexible Nutzungskonzepte, die Schaffung einer höheren Markttransparenz durch Verbesserung und Vereinheitlichung der Datenlage sowie freiwillige Kooperationsmodelle vor. (bk)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Einnahmen der Rentenversicherung trotz Corona gestiegen

Die Deutsche Rentenversicherung kommt nach eigenen Angaben finanziell bisher gut durch die Corona-Krise. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres seien die Beitragseinnahmen weiter leicht gestiegen, teilte ein Sprecher mit.

mehr ...

Immobilien

CDU-Generalsekretär dringt auf Verlängerung des Baukindergelds

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat sich für eine weitere Verlängerung des Baukindergeldes um neun Monate bis Ende 2021 ausgesprochen.

mehr ...

Investmentfonds

Kretschmann bezweifelt schnellen Siegeszug des E-Autos

Vielen geht die Wende hin zur Elektromobilität aus Klima-Gründen längst nicht schnell genug. Der Grünen-Politiker Kretschmann hat dagegen keine Eile. Ganz im Gegenteil

mehr ...

Berater

Adcada GmbH stellt Insolvenzantrag

Die Adcada GmbH aus Bentwisch (bei Rostock) hat Insolvenz angemeldet. Vorausgegangen waren unter anderem Auseinandersetzungen mit der Finanzaufsicht BaFin, die nun von Adcada für die Insolvenz mitverantwortlich gemacht wird. Das Unternehmen war auch in die Schlagzeilen geraten, weil es Anlegergeld zur Produktion von Corona-Schutzmasken einsammeln wollte.

mehr ...

Sachwertanlagen

AEW versilbert deutsches Büroimmobilien-Portfolio

Der Asset Manager AEW gibt die Vermittlung der Anteilscheine am AEW City Office Germany-Fonds an einen Fonds von Tristan Capital Partners, Curzon Capital Partners 5 LL, bekannt. Das Portfolio umfasst sieben Objekte mit insgesamt rund 83.000 Quadratmetern Mietfläche.

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...