Studie: Mehr notleidende Immobilienfinanzierungen erwartet

In den kommenden zwei Jahren wird die Anzahl sowie das Transaktionsvolumen an Distressed Real Estate Assets in Deutschland deutlich steigen. Finanzexperten rechnen mit einer erhöhten Verkaufsbereitschaft von notleidenden Immobilienfinanzierungen. Diese Herausforderungen spiegelt eine aktuelle Studie.  

Die Erhebung „zur aktuellen Finanzierungslage und zur Situation notleidender Immobilienfinanzierungen in Deutschland“ der gemeinsamen Forschungsstelle „Distressed Real Estate Debt“ der Corestate Capital AG und dem Real Estate Management Institute (REMI) der EBS Universität für Wirtschaft und Recht hat zudem ergeben, dass die Entwicklungen der Bestimmungsgrößen wie Fremdkapitalquote, Laufzeiten und Finanzierungsvolumen zeigt, dass Banken künftig vorsichtiger vorgehen und einen erhöhten Kapitaldinest von ihren Kreditnehmern fordern.

„Ableitend aus diesen Ergebnissen zeigt sich, dass mit dem steigenden Volumen an notleidenden Immobilienfinanzierungen eine erhöhte Anzahl an Immobilienportfolien auf den Markt kommen wird, deren immobilienwirtschaftliche Situation zwar grundsätzlich gesund ist, die jedoch aufgrund des eingeschränkten Zuganges zu Fremdkapital notleidend werden können. Diese Situation führt zu sinkenden Preisen und einer Ausweitung der Differenz zwischen Core- und Non-Core-Renditen“, analysiert Ralph Winter, Gründer und Chairman der Corestate Capital AG.

„Unser Forschungsschwerpunkt liegt auf der Bewertung der Finanzierungslage gewerblicher Immobilien aus Sicht der Banken“, erläutert Professor Dr. Nico Rottke, Gründer und Leiter des Real Estate Management Institute der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. Den Fragebogen erhielten knapp 50 Führungskräfte aus dem Bankensektor, darunter Vorstandsvorsitzende, Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer von insgesamt 32 privaten Geschäftsbanken, Landesbanken und Pfandbriefbanken. Die Bilanzsumme der Banken, die an dieser Umfrage teilgenommen haben, beträgt eigenen Angaben zufolge insgesamt circa 5.465 Milliarden Euro. Dies entspreche 65 Prozent der deutschen Bankenlandschaft gemessen an ihrer Bilanzgröße.

„Dabei zeigen die Ergebnisse deutlich eine Aufspaltung der Finanzierungslandschaft: Einige Banken erweitern verstärkt ihr Neugeschäft auf dem deutschen Markt, wohingegen andere Institute dieses deutlich reduzieren“, so der Professor. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln haben vor allem die Sparkassen nach dem Einbruch in 2008 ihre Bestände für Gewerbeimmobilienunternehmen deutlich erhöht. Geschäftsbanken hätten ihre Kreditbestände jedoch kontinuierlich verringert. „Die Ergebnisse unserer Umfrage bestätigen dies zum Teil. Es wird deutlich, dass einige große Marktteilnehmer, darunter auch private Geschäftsbanken, ihr Neugeschäft verstärken. Landesbanken und Kreditgenossenschaften rechnen überwiegend mit einem steigenden Neugeschäftsvolumen über die nächsten zwei Jahre“, betont Rottke.

Die Forschungsstelle will ihre wissenschaftliche Arbeit auf Basis dieser Ergebnisse fortsetzen. Es ist geplant, die Umfrage jährlich zu wiederholen, um neue Entwicklungen und Trends in der Branche für alle Teilnehmer transparent und zugänglich zu machen. (te)

Foto: Shutterstock 

 

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