4. November 2013, 09:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wohnimmobilienmarkt: Leerstände auf dem Land, Saturierung in der Stadt

Der deutsche Wohnimmobilienmarkt entwickelt sich sehr heterogen. Während in den ländlichen Regionen der neuen Länder hohe Leerstände verzeichnet werden, wird in den Metropolen der Wohnraum knapp. Der Trend zur Singularisierung und Urbanisierung formt den Markt auch in Zukunft.

Gastbeitrag von Jürgen Michael Schick, IVD

Quadratmeter-Hafencity in Wohnimmobilienmarkt: Leerstände auf dem Land, Saturierung in der Stadt

Blick auf die Hamburger Hafencity: Der Trend zu Urbanisierung prägt derzeit den deutschen Wohnimmobilienmarkt.

Man kann nicht einmal mehr von “dem” Wohnimmobilienmarkt sprechen, da sich in den Metropolen und den ländlichen Regionen sehr unterschiedliche Tendenzen zeigen.

Hohe Leerstände in ländlichen Regionen der neuen Länder

In den ländlichen Regionen, vor allem in den neuen Bundesländern, sinken die Mieten und Kaufpreise und der Leerstand ist teilweise sehr hoch. Vielfach werden Wohnungen abgerissen: Brandenburg hat dazu sogar vor Kurzem ein Programm aufgelegt.

Wie die “Immobilien Zeitung” Ende August berichtet hat, sollen bis zu acht Millionen Euro in den Abriss von leerstehenden Wohnungen investiert werden – allerdings nur in kleinen und mittleren Städten.

Schaut man sich die Leerstände für die jeweiligen Bundesländer an, wird klar, warum: Der CBRE-Leerstandsindex 2009 bis 2011 nennt für das Jahr 2011 für Brandenburg einen totalen Leerstand von 7,9 Prozent für Geschosswohnungen und 9,5 Prozent für Eigenheime.

Leerstände um die 13 Prozent

In Sachsen betrug der Leerstand 2011 sogar 12,5 Prozent bei Geschosswohnungen und 13 Prozent bei Eigenheimen, in Sachsen-Anhalt 14,1 Prozent beziehungsweise 11,9 Prozent. Auch in Mecklenburg- Vorpommern und dem Saarland lagen die Leerstände im Jahr 2011 mit Werten knapp unter zehn Prozent sehr hoch. Die Miet- und Kaufpreise in diesen Gegenden sind entsprechend gering.

Der IVD-Wohn-Preisspiegel 2012/2013, der sich auf Daten aus dem zweiten und dritten Quartal 2012 stützt, zeigt: Eine Bestandswohnung mit gutem Wohnwert kostet zum Beispiel im sächsischen Aue 850 Euro pro Quadratmeter und in Bautzen 1.000 Euro pro Quadratmeter.

In Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt zahlt man sogar nur 550 Euro je Quadratmeter, in Sulzbach im Saarland immerhin 975 Euro. In den vergangenen Jahren waren die Kaufpreise für Eigentumswohnungen in diesen Gebieten teilweise leicht rückläufig.

Starke Miet- und Preiszuwächse

Ganz anders sieht es in den Metropolen aus. Kauft man in München eine Bestandswohnung mit gutem Wohnwert, muss der Käufer laut dem IVD-Wohn-Preisspiegel 3.600 Euro pro Quadratmeter ausgeben. In Köln zahlten Käufer im zweiten und dritten Quartal 2012 2.300 Euro je Quadratmeter und in Berlin 2.100 Euro pro Quadratmeter.

Über die Preisentwicklung von Kaufpreisen und Mieten in den deutschen Metropolen geben neben dem IVD-Wohn-Preisspiegel verschiedene weitere Rankings Auskunft. Das Miet- und Kaufpreisranking, das Empirica halbjährlich veröffentlicht, zeigt starke Preissteigerungen für Wohnimmobilien in den zehn teuersten Städten Deutschlands an, darunter München, Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf.

Mieten-inflation in Wohnimmobilienmarkt: Leerstände auf dem Land, Saturierung in der Stadt

Die Grafik zeigt die indexierte Preisentwicklung der nominalen Kaltmieten seit 1992. Ihr Zuwachs lag in den den vergangenen 20 Jahren deutlich unter der Inflationsrate.

Die Mieten in den Metropolen zeigen ebenfalls seit einigen Jahren einen deutlichen Aufwärtstrend. Diese Entwicklung ruft derzeit in Politik und Gesellschaft scharfe Diskussionen hervor. Die (nominalen) Mietsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich zum Beispiel in München oder Berlin innerhalb weniger Jahre sind für Mieter mit geringem Einkommen schwer zu schultern.

Aus diesem Grund versucht die Politik, das Mietwachstum zu dämpfen – und nutzt die Sorgen der Mieter in den Metropolen auch zum Wahlkampf.

Tendenz zur Urbanisierung

Der Mietenanstieg in den vergangenen zwei bis drei Jahren hat insbesondere in den Großstädten auch demografische Gründe. Im gesamten Bundesgebiet ist aktuell eine Tendenz zur Urbanisierung zu beobachten. Immer mehr vor allem junge Menschen ziehen vom Land in die Städte, weil sie dort bessere Arbeits- oder Ausbildungsbedingungen vorfinden.

Gleichzeitig werden die Haushalte in Deutschland stetig kleiner: Immer mehr Menschen wohnen allein, sodass die Zahl der Singlehaushalte zunimmt. Beide demografische Entwicklungen erhöhen die Nachfrage nach Wohnraum in den Großstädten beträchtlich.

Seite zwei: Deutscher Wohnimmobilienmarkt ist gesund

Weiter lesen: 1 2

Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Google: Die gefragtesten Versicherungsprodukte im ersten Quartal

Deutschen Verbrauchern stehen hunderte Versicherungsprodukte zur Verfügung um die perfekte Absicherung  für sich selbst zusammenzustellen. Welche dieser Produkte aktuell am gefragtesten sind, hat das Online-Marketingunternehmen Mediaworx untersucht.

mehr ...

Immobilien

Scheidung und Hausverkauf: Finanzielle Verluste vermeiden

Lassen sich Paare mit Immobilieneigentum scheiden, stehen sie vor der Frage, was mit dem Haus oder der Wohnung geschieht. Der Immobiliendienstleister McMakler gibt Tipps, welche Schritte Paare unternehmen sollten, um finanzielle Verluste zu vermeiden und zu einer sinnvollen Lösung zu kommen.

mehr ...

Investmentfonds

Die Volatilität ist zurück

Mit der Verunsicherung der Anleger bleibt auch die Volatilität an den Märkten. Doch Auslöser für die Schwankungen ist nicht allein Unsicherheit. Die Volatilität bleibt, aber das ist nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen und Anleger können sich zudem schützen.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank: IT-Vorstand Kim Hammonds tritt zurück

Der Vorstandsumbau bei der Deutschen Bank geht weiter: Nach nur gut eineinhalb Jahren in der Topetage verlässt IT-Vorstand Kim Hammonds das größte deutsche Geldhaus, wie das Institut am Mittwochabend in Frankfurt mitteilte.

mehr ...

Sachwertanlagen

Umbau von Aktionärsstruktur und Aufsichtsrat abgeschlossen

Die Lloyd Fonds AG teilt mit, dass die im März angekündigten Änderungen in ihrer Aktionärsstruktur nun umgesetzt und die üblichen Vorbehalte aufgehoben wurden. Zudem wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich neu besetzt.

mehr ...

Recht

Immobilienkauf: Notartermin platzt – kein Schadensersatz

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit seinem Urteil vom 13. Oktober 2017 – AZ.: V ZR 11/17 – die Haftung eines potenziellen Verkäufers einer Eigentumswohnung bei einem geplatzten Notartermin nur in Ausnahmefällen bejaht.

Gastbeitrag von Oliver Renner, Rechtsanwälte Wüterich Breucker

mehr ...