14. September 2016, 14:32
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Kluft auf Wohnungsmarkt wird immer größer

Für Mieter und Wohnungskäufer zerfällt Deutschland immer mehr in zwei Welten. In Großstädten und Uni-Städten stiegen Preise und Mieten im ersten Halbjahr unvermindert weiter, wie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung mitteilt.

Wohnhaeuser-750-shutt 130241888 in Kluft auf Wohnungsmarkt wird immer größer

Während die Nachfrage nach Wohnungen in den Ballungsräumen hoch ist, schrumpfen viele ländliche Gemeinden.

In Kleinstädten abseits der Ballungsräume drohten dagegen bei andauernder Abwanderung Preisrückgänge. Die Wohnungs- und Immobilienmärkte unterschieden sich immer mehr, sagte Direktor Harald Herrmann am Dienstag in Berlin.

Viele schrumpfende Gemeinden

Die öffentliche Diskussion konzentriere sich auf die Großstädte. Jedoch: “Außerhalb der Großstadtregionen kommen – statistisch gesehen – auf eine wachsende Gemeinde vier schrumpfende.”

Herrmann warnte: “Die sozialen Folgen von Schrumpfung und Preisverfall können gravierend sein.” Für viele Menschen sei das eigene Haus oder die eigene Wohnung Teil der Altersvorsorge. Allerdings beobachtet das Institut, dass bundesweit der Leerstand zunimmt – nach den aktuellsten Zahlen von 2014 ist jede 20. Wohnung unbewohnt.

Ursache ist der Drang in die Städte, wohin vor allem junge Leute für Studium, Ausbildung und Arbeit zögen. Dorthin ziehe es auch Zuwanderer aus der EU und aus Ländern jenseits der Gemeinschaft. Die Angebotsmieten in München, Frankfurt am Main, Stuttgart und Ingolstadt stiegen im ersten Halbjahr nochmals um mehr als sechs Prozent.

Bauland in München hundert Mal so teuer wie in günstigsten Regionen

Während in Wunsiedel im bayerischen Fichtelgebirge Wohnungen durchschnittlich für 4,24 Euro Kaltmiete je Quadratmeter angeboten werden, sind es in München 15,52 Euro.

Noch größer sind die bundesweiten Unterschiede beim Bauland: Häuslebauer müssten in München mit bis zu 1.200 Euro je Quadratmeter bis zu 100 Mal so viel für einen Bauplatz bezahlen wie in Teilen Ostdeutschlands. Das geht aus dem Bericht “Wohnungs- und Immobilienmärkte in Deutschland 2016” hervor, den das Institut in Berlin vorstellte.

400.000 neue Wohungen pro Jahr notwendig

400.000 neue Wohnungen pro Jahr seien nötig, hieß es weiter, vor allem im günstigen Segment. “In den wachsenden Städten gehen Wohnungsengpässe zunehmend mit Verdrängung einher”, begründete Herrmann. Der Neubau komme aber trotz steigender Genehmigungszahlen nicht schnell genug voran, weil nicht genügend Bauland verfügbar sei.

Immer mehr Bauherren suchten deshalb Alternativen im Umland, wo die Baugenehmigungszahlen überdurchschnittlich zulegten. Die “Speckgürtel” der Städte wüchsen. Dort werden nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch immer mehr Wohnungen gebaut.

Mietpreisbremse kann noch nicht beurteilt werden

Das Bundesinstitut lässt regelmäßig die Angebotsmieten zahlreicher Online- und Zeitungsinserate auswerten. Es sei aber noch zu früh, die 2015 eingeführte Mietpreisbremse für gescheitert zu erklären, sagte Herrmann. Dafür seien weitere Untersuchungen nötig. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Da der Staat, durch seine wohnbaurechtlichen Vorgaben, dass Bauen erheblich verteuert hat einschl. der Anhebung der Grunderwerbsteuern, ist dieses jetzt das Ergebnis. Solange ein Investor keine Rendite auf sein eingesetztes Kapital erhält, wird er sein Geld nicht in ein Bauvorhaben investieren. Zumal sich der öffentliche Sektor komplett aus Bauvorhaben zurückgezogen hat.

    Kommentar von Eugen Klaholz — 15. September 2016 @ 15:07

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Rentner bekommen ab nächstem Monat mehr Geld

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland bekommen ab Juli mehr Geld. Der Bundesrat hat am Freitag in Berlin der entsprechenden Verordnung der Bundesregierung zugestimmt. Demnach steigen im Zuge der jährlichen Rentenanpassung die Bezüge im Osten um 4,2 und im Westen um 3,45 Prozent. Die Ost-Renten nähern sich damit weiter den West-Bezügen an.

mehr ...

Immobilien

Marc Drießen wird Aufsichtsrat bei Corestate

Der Immobilien und Investment Manager Corestate Capital Holding S.A. hat auf seiner Online-Hauptversammlung wie angekündigt den Aufsichtsrat neu besetzt. Eines der neuen Mitglieder ist ein langjährig bekanntes Gesicht aus der Sachwertbranche. Außerdem: Die Dividende fällt aus.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Wirtschaft holt nach tiefer Rezession wieder auf

Nach der tiefen Rezession im zweiten Quartal dieses Jahres wird sich die deutsche Wirtschaft gemäß den aktuellen Bundesbank-Projektionen wieder erholen. Wie weit es runter geht und wann die Erholung in welchem Umfang wieder einsetzt.

mehr ...

Berater

Neues STO: Mit der Blockchain nach Mallorca

Die Palmtrip GmbH aus Rabenau (bei Gießen) hat die Billigung für eine tokenbasierte Schuldverschreibung von der Finanzaufsicht (BaFin) erhalten, also für ein digitales Wertpapier. Auch rechtlich betritt das Unternehmen mit den “Palm Token” Neuland – und hat dabei einen prominenten Berater.

mehr ...

Sachwertanlagen

Gezeitenkraft-Vermögensanlage von Reconcept platziert

Die als operative KG-Beteiligung konzipierte Vermögensanlage “RE13 Meeresenergie Bay of Fundy” der Reconcept aus Hamburg hat das angestrebte Platzierungsvolumen erreicht und wurde für weitere Investoren geschlossen. Das Geld fließt in schwimmende Gezeitenkraftwerke vor der Küste Kanadas.

mehr ...

Recht

Corona-Krise treibt Nachfrage nach telefonischer Rechtsberatung in die Höhe

Noch nie haben sich so viele Kunden innerhalb kürzester Zeit bei Rechtsfragen an ihren Rechtsschutzversicherer gewandt, wie in den Wochen der Corona-Krise. Im März und April konnte Versicherten in knapp 285.000 anwaltlichen Telefonberatungen geholfen werden. In normalen Monaten sind es etwa 115.000. Das zeigt eine Sonderauswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

mehr ...