19. Oktober 2019, 21:23
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wann für das selbstgenutzte Familienheim keine Erbschaftssteuer anfällt

Kinder können das Familienheim steuerfrei erben, wenn sie innerhalb von sechs Monaten nach dem Erbfall selbst einziehen. Nur in besonders gelagerten Fällen kann dieser Zeitraum verlängert werden, entschied der Bundesfinanzhof in seinem Urteil vom 28.5.2019.

Erben in Wann für das selbstgenutzte Familienheim keine Erbschaftssteuer anfällt

Der Fall

Der Kläger und sein unter Betreuung stehender Bruder beerbten ihren am 5.1.2014 verstorbenen Vater. Am 20.2.2015 einigten sich der Kläger und sein Bruder, dass der Kläger das Haus als Alleineigentümer übernehmen werde. Nachdem alle nötigen Genehmigungen vorlagen, wurde der Kläger am 2.9.2015 als Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Renovierungsangebote holte der Kläger ab April 2016 ein und im Juni 2016 begann er mit den Bauarbeiten am Familienheim. Das Finanzamt setzte Erbschaftsteuer in Höhe von 77.835 € fest. Dagegen wehrte sich der Kläger und brachte vor, dass das Finanzamt die Steuerbefreiung für Familienheime nicht berücksichtigt habe.

Die Entscheidung

Familienheime können nach § 13 Abs.1 Nr. 4c Satz 1 ErbStG steuerfrei erworben werden, wenn die Kinder sie unverzüglich zu eigenen Wohnzwecken bestimmen. Die Kinder müssen nicht nur die Absicht haben die Wohnung selbst zu nutzen, sie müssen diese Absicht auch tatsächlich umsetzen. Unverzüglich bedeutet, dass der Einzug grundsätzlich innerhalb von 6 Monaten nach dem Erbfall zu bewerkstelligen ist. Allerdings ist ein später Einzug zulässig, wenn der Erwerber an einer Selbstnutzung aus zwingenden Gründen gehindert ist, z.B. weil das Familienheim in sehr schlechtem Zustand ist und die Renovierung längere Zeit beansprucht. Der Kläger war tatsächlich gezwungen, Genehmigungen einzuholen, die die Eigennutzung verzögerten. Aber spätestens nach der Eintragung im Grundbuch am 2.9.2015 hätte er handeln müssen. Er ließ mehr als 6 Monate verstreichen, bevor er Angebote einholte und startete erst im Juni 2016 mit den Bauarbeiten. Dafür gab es keinen zwingenden Grund, deshalb gab der Bundesfinanzhof dem Finanzamt Recht und der Kläger musste die Erbschaftsteuer für den Erwerb der Immobilie bezahlen (BFH Urteil vom 28.5.2019, II R 37/16, becklink 2013740).  

DVEV-Expertenrat

Jan Bittler, Fachanwalt für Erbrecht in Heidelberg und Geschäftsführer der DVEV, rät den Erben von Familienheimen, sich schnell darüber klar zu werden, ob sie das ererbte Haus selbst bewohnen wollen. Um die rechtlichen Folgen dieser Entscheidung zu überblicken, empfiehlt er bereits bei einer Testamentsgestaltung des Erblassers im Vorfeld rechtlichen Rat einzuholen. Fragen der Erbschaftsteuerbelastung der Kinder können bereits zu Lebzeiten geklärt werden. So lassen sich durch fachkundigen Rat viele Erbschaftsteuerprobleme vermeiden.

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Digitaler Antragsprozess: Diese Lebensversicherer haben es drauf

Die IT-Sparte des Analysehauses Franke und Bornberg unterstützt Versicherer auf ihrem Weg in digitale Antragsprozesse. Die größten Fortschritte verzeichnet Franke und Bornberg im Bereich Lebensversicherung. Jeder vierte Lebensversicherer setzt bereits auf digitale Antragsprozesse von Franke und Bornberg.

mehr ...

Immobilien

Immobilien als Anlage gegen den Minuszins

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen hält Investitionen in Immobilien für sehr wertstabil und für eine gute Maßnahme, sich vor einer Minderung des Geldwertes zu schützen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Online-Umfrage des Hamburger Fintechs Exporo zum Thema „Anlageverhalten in der Niedrigzinsphase”, zu der im November diesen Jahres 1.000 Bundesbürger befragt wurden.

mehr ...

Investmentfonds

Globaler Fonds für Nachranganleihen kommt von Bantleon

Der Asset Manager Bantleon hat den globalen Publikumsfonds Bantleon Select Corporate Hybrids aufgelegt, der primär in nachrangige Unternehmensanleihen von etablierten Investment-Grade-Schuldnern investiert. Den Hauptbestandteil des Fonds bilden in Euro denominierte Anleihen. Um die Renditechancen zu steigern, kann das Portfolio Management zudem in Anleihen anderer Währungen aus Industrieländern investieren. Das Fremdwährungsrisiko wird nahezu vollständig abgesichert. Die Fokussierung auf Nachranganleihen von Schuldnern mit guter bis mittlerer Bonität ermöglicht eine höhere Rendite als bei Portfolios, die ausschließlich aus erstrangigen Anleihen derselben Schuldner bestehen, ohne ein höheres Insolvenzrisiko einzugehen.

mehr ...

Berater

Verbrauchertipps zum Weihnachtsgeld   

Gibt es bei Kündigung anteiliges Weihnachtsgeld für das laufende Jahr? Haben alle Mitarbeiter den gleichen Anspruch? Und wie viel Geld steht dann Teilzeitkräften zu? ARAG klärt die wichtigsten Fragen zur betrieblichen Bescherung.

mehr ...

Sachwertanlagen

Marvest startet drittes Crowdinvesting-Projekt

Die auf den maritimen Sektor spezialisierte Online-Plattform Marvest hat ihr drittes Projekt für Investoren veröffentlicht. Die Anleger können über eine “Schwarmfinanzierung” in ein Darlehen für einen Mehrzweckfrachter investieren. 

mehr ...

Recht

Betriebskostenabrechnung: 5 Tipps für Vermieter

Heizung, Wasser, Abwasser, Müllentsorgung, Versicherungen, Gebäudereinigung, Verwaltungskosten, Leerstand und mehr: Was ist umlagefähig, was nicht? Vor dieser Frage stehen Eigentümer von Mietimmobilien spätestens dann, wenn sie die jährliche Betriebskostenabrechnung erstellen und bestimmte Mindestanforderungen beachten müssen. Gerade Vermieter von kleineren Immobilien, die diese selbst verwalten, werden dabei vor einige Herausforderungen gestellt. Der Full-Service Immobiliendienstleister McMakler fasst daher zusammen, was zu einer rechtssicheren und ordnungsgemäßen Betriebskostenabrechnung gehört.

mehr ...