Galoppierende Inflation: Die Hälfte der Unternehmen bietet freiwillige Ausgleichsprämie an

eine Holzwaage auf der einen Seite drei stapel mit Geldmünzen auf der anderen Seite hält ein Finger die Waage
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Aufgrund der anhaltenden Inflation steigen die Lebenserhaltungskosten in vielen Bereichen. Mit einer steuerfreien freiwilligen Inflationsausgleichsprämie in Höhe von maximal 3.000 Euro sollen Arbeitnehmende entlastet werden. Die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) planen, solch eine Prämie auszuzahlen. 45 Prozent sind noch unentschlossen und vier Prozent lehnen eine Auszahlung ab. Zu diesen Ergebnissen kommt eine von WTW durchgeführte Umfrage unter 142 deutschen Unternehmen.

„Viele Unternehmen haben zwar vor, die Prämie auszuzahlen, der konkrete Zeitpunkt und die Höhe werden aber von der individuellen wirtschaftlichen Situation der Unternehmen abhängen. Denn die Prämie soll ja zusätzlich zur normalen Vergütung gezahlt werden – und das müssen sich Unternehmen erst einmal leisten können. Gerade für Unternehmen in energieintensiven Sektoren ist das sicher nicht leicht“, sagt Florian Frank, Head of Talent & Rewards bei WTW.

Er ergänzt: „Insgesamt gilt: Beide Seiten – Mitarbeitende und Unternehmen – müssen gut durch die Inflation kommen. Der finanzielle Spielraum der Unternehmen sollte mit Mitarbeitenden und Betriebsrat faktenbasiert angesprochen werden, um eine gute Lösung zu finden.“

Dass so viele Unternehmen noch unentschlossen sind, überrascht den Vergütungsexperten nicht. „Viele Unternehmen sind ja an Tarifverträge gebunden oder Tarifverhandlungen stehen noch aus. Unternehmen warten diese noch ab, bevor sie eine Entscheidung treffen“, so Florian Frank.

Ein Drittel der Unternehmen will 3.000 Euro je Mitarbeitenden zahlen

An der WTW-Umfrage haben in erster Linie mittlere bis große Unternehmen über alle Branchen hinweg teilgenommen. Etwa die Hälfte (51 Prozent) der befragten Unternehmen planen, eine Inflationsausgleichsprämie an ihre Mitarbeitenden auszuzahlen. 45 Prozent haben noch nicht darüber entschieden und vier Prozent lehnen eine solche Prämie ab.

Wenn es um den konkreten Zeitpunkt der Auszahlung geht, gehen die Meinungen auseinander: 17 Prozent möchten die Prämie noch dieses Jahr an ihre Mitarbeitenden geben, 35 Prozent planen damit im Jahr 2023. 14 Prozent möchten sie auf die Jahre 2022 und 2023 aufteilen und ein Drittel (33 Prozent) ist noch unentschieden.

Bei der Höhe der Prämie zeigt sich ein deutlicheres Bild: Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Unternehmen plant, die volle Prämienhöhe von 3.000 Euro zu nutzen und an ihre Mitarbeitenden auszuzahlen. Zudem sehen die meisten Unternehmen (67 Prozent) keine Differenzierung der Prämienhöhe nach Gehaltsgruppen vor. 

Als Alternative zur klassischen Gehaltserhöhung – die im Zweifel nicht rückgängig gemacht werden kann – lässt sich eine Einmalzahlung als Inflationsausgleich zügig auf den Weg bringen. Florian Frank sagt: „Die Prämie zum Inflationsausgleich ist sicherlich ein gutes kurzfristiges Mittel, um Mitarbeitende zu unterstützen. Für Mitarbeitende, die eher wenig verdienen, können die Unternehmen dabei auch etwas mehr tun.“

Frank betont jedoch, dass Unternehmen ihre Vergütung insgesamt strategisch planen sollten, gerade weil die Mehrheit über Schwierigkeiten bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung klagt. Er sagt: „Unternehmen sollten sich darüber klar werden, welche Mitarbeitergruppen sie mit welchen Vergütungsinstrumenten und Nebenleistungen ansprechen möchten, um als Arbeitgeber zu punkten. Studien zeigten klar, dass ein differenziertes Benefitsangebot erfolgsentscheidend für Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden ist.“

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