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8. Juli 2010, 12:05
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Blaue Pillen für die Inflation!

Es ist die Gretchenfrage: Steuern wir auf Inflation oder Deflation zu? Für die Zinsmärkte ist es eindeutig Deflation: Die inflationsbereinigte deutsche Umlaufrendite beträgt gerade einmal ein Prozent. Grundsätzlich ist aber Deflation als das Grundübel einer Volkswirtschaft mit aller Kraft zu verhindern. Denn heute nicht zu kaufen, weil es morgen billiger wird, kann übermorgen zu sozialen Problemen führen.

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Cash.-Kolumnist Robert Halver

Nun, wie sehen die Chancen für Inflation aus? Für eine konjunkturelle Inflationierung muss der gestartete Aufschwung Steherqualitäten zeigen. Deflationspotenziale wie Überkapazitäten der Industrie sind allerdings nicht zu verleugnen.

Jedoch wird Vater Staat zur Verhinderung eines „double dip“ weiter als konjunkturelle Sorgenpause fungieren. Aus den großen Fehlern der 30er-Jahre in den USA und Europa und den 90er-Jahren in Japan hat jeder, der fehlerfrei bis drei zählen kann, gelernt.

Der Königsweg für Geldentwertung wird jedoch von den Notenbanken beschritten. Blaupause hierfür sind die USA, wo man Deflation als Gefahr für das Sozialgefüge scheut wie der Teufel das Weihwasser. Auf die Diagnose Wirtschaftskrise hat die US-Notenbank regelmäßig mit ihrer blaupilligen Therapie einer zu billigen und zu freizügigen Geldversorgung sowie einem zu späten Ausstieg aus dieser stabilitätsfeindlichen Happy Hour reagiert.

Auch im aktuellen Szenario wird die Druckbetankung erst dann eingeschränkt, wenn der letzte Konjunkturpessimist in Liquidität ersäuft wurde. Neben der massiven Wirtschaftsstimulierung sind gerade auch die geldpolitischen Aufblähungen von Vermögenswerten willkommene Instrumente der Inflationierung, mit der man in einem Aufwasch auch noch die hässliche Fratze der Staatsverschuldung aufhübscht.

Auch der EZB ist bewusst, dass Euroland ohne eine üppige Liquiditätsversorgung weder aus einem Deflationsumfeld noch aus dem Schuldendebakel entkommt. Bis die EZB eine klare Ausstiegsstrategie durchführt, werden die Bäume mindestens noch einmal ihre Blätter verlieren und auch noch einmal grün. Es wird zwar offiziell die Stabilitätstugend gepredigt, jedoch inoffiziell der Laissez-faire-Stil gelebt. Inflationierung wird nicht nur geduldet, sie wird als Problemlösung gewünscht. So ist z.B. bei zukünftigen Absatzproblemen von Staatsanleihen der Knoblauchzone das Motto klar: Kommet zu mir, die ihr beladen seid. Alle Probleme werden mit der Liquiditätskeule erschlagen.

Machen wir uns nichts vor: Wir brauchen jetzt Inflation! Stabilität, so sehr sich auch unsere deutsche Volksseele danach sehnt, ist ein Luxusprodukt, das wir uns zur Zeit einfach nicht leisten können.

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

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Foto: Baader Bank

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