21. Dezember 2011, 10:23
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Aktienfonds: Aufbruch in Osteuropa

Die Aktienmärkte in Schwellenländern wie Polen, Ungarn und Co. sind so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Für ein aussichtsreiches Investment kommt es aber auf den Anlageprozess und die richtige Aktienauswahl an.

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Text: Peter Reichel, Berenberg Bank

Die Wachstumsraten Osteuropas sollten in den nächsten Jahren höher ausfallen als in westeuropäischen Volkswirtschaften – davon können Anleger profitieren. Der globale Abschwung und die Nachwirkungen auf die Verschuldungskrise der EU-Peripherie haben zuletzt an den Aktienmärkten zu deutlich fallenden Kursen geführt.

Auch die prekäre Verschuldungssituation der USA und die jüngste Sorge vor einer Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums lasteten auf der Stimmung der Investoren. Aufgrund der weltweiten politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen verwundert es nicht, wenn Anleger zunächst an der Seitenlinie stehen und abwarten. Jedoch zeigt die Vergangenheit, dass große Probleme nur sukzessive gelöst werden und das Vertrauen der Investoren in die Kapitalmärkte nur schrittweise wiederkehrt.

Sichtbarer Aufschwung

Nach den intensiven Rettungsmaßnahmen und Stimulierungen durch die Notenbanken, den IWF, die Weltbank, die Europäische Union und einzelne Regierungen während der Finanzkrise der Jahre 2008/2009 wurden die Erfolge in Osteuropa insbesondere in 2010 vermehrt sichtbar. Drastische Haushaltskonsolidierungen und rasche Rückgänge der Leistungsbilanzdefizite führten zu einer zügigen Stabilisierung der meisten Volkswirtschaften. Dabei waren die Anstrengungen enorm: So wurden zum Beispiel in Estland die Gehälter im öffentlichen Dienst um bis zu 15 Prozent ohne größere Proteste gekürzt.

In Rumänien wurden selbige sogar um ein Viertel herabgesetzt und die Mehrwertsteuer um fünf Prozentpunkte angehoben. Dennoch hat die rumänische Regierung zwei Misstrauensvoten im Parlament überstanden. Bei den Wahlen in Litauen wurde die Regierung trotz rigoroser Sparmaßnahmen im Amt bestätigt. Die Erfolge können sich nunmehr sehen lassen. Nicht nur bei der Staatsverschuldung, sondern auch beim Haushaltsdefizit steht die Region deutlich besser da als Westeuropa.

Parallel erholten sich die Börsen Osteuropas von Mitte März 2009 bis zum Juli 2011 bilderbuchmäßig. Nach dem starken Kursverfall der letzten drei Monate ist auch die Risikoaversion internationaler Investoren im Vergleich zu Südeuropa deutlich niedriger. So weisen die Credit Default Swaps, eine Absicherung gegen Kreditausfallrisiken, Ende Oktober für Polen, Tschechien, Ungarn, Türkei, das Baltikum und Teile des Balkans einen mittleren Wert von 280 Punkten auf, während sie für Portugal, Irland, Spanien, Italien und Belgien im Schnitt bei über 600 Punkten liegen.

Aktuell befinden sich die osteuropäischen Aktien wieder auf den Niveaus wie vor drei Jahren. Die Bewertungen sind attraktiv, die Leitindizes weisen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) von 8,2 (polnischer Wig 20), 7,5 (ungarischer Bux) und 11,1 (türkischer Xu 100) aus. Der Dax handelt derzeit bei 9,6 und der Eurostoxx 50 wird mit einem KGV von 9,3 bewertet. Im Vergleich zu der Finanzkrise vor drei Jahren erscheinen die einzelnen osteuropäischen Länder im Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich gefestigter.

Lesen Sie auf Seite 2, wo die Wirtschaft richtig brummt.

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