Sachwert contra Geldwert

Einschätzung von Dr. Bert Flossbach, Vorstand der Flossbach von Storch AG, Köln

„Einen schmerzlosen Weg aus der Staatsschuldenkrise gibt es nicht. Das marode Bankensystem muss stabilisiert werden, damit es die Realwirtschaft nicht mit nach unten zieht. An einer temporären (Teil-)Verstaatlichung der Großbanken und der Wiedereinführung des Trennbankensystems führt kein Weg vorbei. Nur so können die von den komplexen Instituten ausgehenden Risiken begrenzt werden. Der Moral Hazard muss eingedämmt werden und das Haftungsprinzip muss wieder gelten. Die Zentralbanken müssen ihre Politik des leichten Geldes wohl oder übel fortsetzen. Ein Abbau der Staatsschuldenquoten ist nur mit negativen Realzinsen möglich. Der Erkenntnisgewinn der Politiker läuft den Realitäten hinterher. Wichtige Anpassungen geschehen nur unter dem Druck der Märkte.

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Immerhin gibt es erste Anzeichen, dass die Politik erkennt, dass es so nicht weitergeht. Japan und USA, die mindestens ebenso tief im Schuldensumpf stecken wie Europa, haben den Vorteil, dass deren Währungen abgewertet werden können. Dies ist in der Eurozone nicht möglich, daher gehen wir davon aus, dass es zu einer Unterscheidung der Euroarten kommen muß. Gemeinsame Stabilitätskriterien allein reichen nicht; es muss neben einem Konsens über Strukturen und Reformen auch einen der Kulturen geben. Die Krise wird unserer Meinung nach in einen Kern-Euro münden, dem neben Deutschland, die Benelux-Länder, Finnland, Österreich, die Slowakei, Slowenien, Estland, mit hoher Wahrscheinlichkeit Irland sowie mit etwas Wohlwollen auch Frankreich angehören werden. Ferner dürften Dänemark und die Schweiz ihre Währungen an den Kern-Euro anbieten sowie Polen und Tschechien, vielleicht auch ein oder zwei skandinavische Länder neue Mitglieder werden. Die südeuropäischen Länder werden wieder nationale Währungen haben. Es ist für uns kaum vorstellbar, dass der Euro in der heutigen Form die nächsten fünf Jahre überlebt.

Wenn die Wirtschaft einbricht, werden die Schuldenquoten weiter explodieren. Das können Regierungen und Notenbanken nicht zulassen, sie werden die Konjunkturschwäche mit allen Mitteln bekämpfen – wie wir es derzeit bei EZB und Fed sehen. Die Notenbanken weiten die Geldmenge massiv aus. Die Menschen verlieren das Vertrauen ins Geld. Ich nenne das Vertrauensdeflation. Die Industrienationen werden knackige Preissteigerungen erleben. Es gibt vier Lösungsmöglichkeiten nach unserer Meinung: Sie können aus den Schulden rauswachsen – dazu fehlt das Potenzial. Sie können den Haushalt sanieren – unwahrscheinlich. Sie können die Pleite ausrufen – das geht vielleicht bei kleinen Staaten, aber wir reden heute über das große Ganze. Als letzte Möglichkeit bleibt nur Inflation. Wenn EZB und Fed sämtliche Anleihen, die keiner will, selbst aufkaufen, kommt es zwangsläufig zu Inflation. Alle anderen Optionen, das Problem einzudämmen haben die Regierungen vertan.“

Einschätzung von Dr. Ulrich Kaffarnik, Vorstand DJE Kapital AG

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