Threadneedle: „Griechenland wird die Eurozone verlassen“

Trotz Rettungsschirm hat sich die Lage im hochverschuldeten Griechenland zuletzt weiter zugespitzt. Die britische Fondsgesellschaft Threadneedle hält einen Austritt aus der Eurozone für immer wahrscheinlicher.

Mark Burgess
Mark Burgess

Gastkommentar: Mark Burgess, CIO Threadneedle

Wie wir wiederholt gesagt haben, befindet sich Europa in einer Krise. Es stellt sich mehr und mehr die Frage, welcher Ausgang der Krise der am wenigsten schlechte ist.

Die europäischen Peripherie-Staaten, insbesondere Griechenland, sind hoch verschuldet, befinden sich in einer Rezession und haben einen Wechselkurs, der nicht wettbewerbsfähig ist. Sie sind deshalb mit einer Reihe extrem unattraktiver Folgen konfrontiert.

Selbst wenn die deutsche Bevölkerung davon überzeugt werden könnte, einen großen Scheck (und der Scheck müsste wirklich sehr groß sein) für Griechenland auszustellen, steht nicht fest, ob Griechenland davon überzeugt werden kann, dieses Geld anzunehmen und im Gegenzug als ökonomische Folge fiskalische Auflagen in Kauf zu nehmen.

Darüber hinaus würde eine solche Lösung die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands nicht steigern. Diese könnte nur durch eine sehr signifikante Reduktion des Lebensstands der Griechen gestärkt werden. Also durch eine Verlängerung der griechischen Rezession/Depression.

Aus diesen Gründen wächst bei uns die Überzeugung, dass Griechenland die Eurozone verlassen wird. Dies wäre ein extrem schmerzhaftes Ereignis, vergleichbar mit einem Herzinfarkt des europäischen Finanzsystems. Die Frage ist, ob dieses Ereignis in einer geordneten Weise ablaufen würde: Begleitet von einer staatlichen Rekapitalisierung des Bankensystems, Zinssenkungen und massiven Liquiditätsspritzen.

Oder würde keine Koordination stattfinden? Im Falle einer Koordination könnte des Ergebnis positiv sein und die Märkte könnten endlich wieder nach vorne blicken. Zudem würden Spanien und Italien gezwungen, ihre Defizite ernsthaft zu bekämpfen. Für Griechenland wäre der Austritt allerdings ein extrem schmerzhaftes und traumatisches Ereignis. Aber bei guter Planung würde der Austritt aus der Eurozone Griechenland zumindest die Möglichkeit geben, wieder Fortschritte zu machen.

Der Gastkommentator ist Chief Investment Officer (CIO) der Fondsgesellschaft Threadneedle

Foto: Threadneedle

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