XL-Aufschwung: Bantleon-Volkswirt bremst Euphorie

Deutschland hat sich zur Konjunktur-Lokomotive Europas entwickelt. Der Wirtschaftsminister fabuliert vom XL-Aufschwung, der Optimismus scheint grenzenlos. Doch Dr. Harald Preißler, Chefvolkswirt des Anleihefonds-Spezialisten Bantleon, gießt Wasser in den Wein.

Harald Preißler
Harald Preißler

Die Performance Deutschlands in den vergangenen Quartalen sei zwar mehr als nur beeindruckend, erklärt der Ökonom.

Der Schwachpunkt bleibe allerdings die Zusammensetzung des Wirtschaftswachstums, das nach wie vor vom Export und von den Investitionen der Exporteure getragen werde – der private Konsum hingegen lege trotz der guten Arbeitsmarktentwicklung nur zaghaft zu.

„Insofern hängt das Wachstumstempo auf Gedeih und Verderb vom weltwirtschaftlichen Umfeld ab. Entgegen der landläufigen Meinung sind hier die Aussichten aber alles andere als rosig – vor allem mit Blick auf die chinesische Wirtschaft“, sagt Preißler.

Dort würde die geldpolitischen Bremsmanöver mittlerweile anfangen zu wirken. Die Auftragslage der Unternehmen habe sich in den vergangenen Monaten spürbar eingetrübt, auch die Produktion sei bereits deutlich gedrosselt worden. Erstmals seit zwei Jahren werde im Reich der Mitte sogar die Beschäftigung zurückgefahren.

„Mit der üblichen Verzögerung von zwei bis drei Monaten wird die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft in den asiatischen Nachbarländern sowie bei den großen Investitionsgüterexporteuren zu spüren sein“, gibt der Bantleon-Chefvolkswirt zu bedenken.

Der Optimismus der deutschen Unternehmen dürfe sich deshalb schon bald als vordergründige Trendfortschreibung erweisen. Bislang hätten sich die Finanzmärkte auf gute Nachrichten aus dem größten Mitgliedsstaat der Währungsunion verlassen können, was deutschen Standardwerten überproportionale Kursgewinne bescherte und die Zinsen in den vergangenen Monaten nach oben trieb.

Wenn die konjunkturelle Euphorie allerdings in Ernüchterung umschlägt – was nach Preißlers Überzeugung unvermeidlich ist – werden die Investoren Risiken abbauen. Als Folge dürfte auch dem deutschen Leitindex Dax die Puste ausgehen. (hb)

Foto: Bantleon

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