„Halali auf Aktien“

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Cash.-Kolumnist, diskutiert im Interview die aktuelle Krisenintervention der Industriestaaten und die richtigen Schlüsse für Anleger.

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Robert Halver, Baader Bank

 

Cash.: Seit September schießt die EZB mit großem Kaliber auf steigende Zinsen in der südlichen Euro-Peripherie, indem sie unbegrenzte Anleihekäufe in Aussicht stellt. Was bedeutet das für Anleger?

Halver: Die EZB will Euro-renitenten Spekulanten mit dieser Maßnahme den Wind aus den Segeln nehmen. Die EZB spricht zwar von einer sogenannten Sterilisation, mit der sie inflationäre Effekte bekämpfen will, und Strukturreformen der Geberländer als Gegenleistung. Aber erstens kann sie den Finanzmärkten kaum ihr Liquiditäts-Spielzeug wegnehmen, ohne Kollateralschäden für die Rentenmärkte in Spanien & Co. zu riskieren und klare Sparaktivitäten würden die Rezession zunächst noch verstärken. Also werden die Märkte so oder so weiter massiv mit Geld geflutet. Geldpolitik ersetzt Marktwirtschaft und soll die Krise künstlich lösen. Zusammen mit einer entspannteren Risikosicht wird die Liquidität die Aktien treiben. Gleiches gilt im Trend auch für Edelmetalle.

Cash.: Kann die Politik des Gelddruckens allein dauerhaft erfolgreich sein?

Halver: Einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung wird es auf diese Weise nicht geben. Es geht erst einmal darum, die Wirtschaft geldpolitisch so stark wie möglich zu stimulieren. Danach müssen aber die Reformen kommen.

Cash.: Warum hat nur Bundesbank-Chef Jens Weidmann dagegen gestimmt?

Halver: Wegen der Zustimmung von EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen zeigt sich Deutschland nun gespalten. Diese Diskrepanz thematisieren insbesondere ausländische Journalisten. Ebenso schwer nachzuvollziehen ist, dass selbst die anderen stabilitätsorientierten Länder Finnland, die Niederlande und Österreich, nicht in der Opposition waren. Am Beschluss – der tatsächlich ohne Alternative ist – hätte es ohnehin nichts geändert, aber die Stabilitätsfahne hätte man hochgehalten. Jetzt weiß jeder: Wir sind im Sommerschlussverkauf der Stabilität.

Cash.: Hilft die Notenpresse akut gegen die dramatische Arbeitslosigkeit in der südlichen Euro-Zone?

Halver: Ja, Spanier und Italiener werden nun mehr und nicht weniger Schulden machen und damit ihrem Arbeitsmarkt unter die Arme greifen. Dass Sparen allein nicht funktioniert, um eine Finanz- und Wirtschaftskrise zu überwinden, hat inzwischen jeder eingesehen. Die Botschaft der EZB ist klar: ‚Verschuldet Euch! Konsequenzen in Form steigender Zinsen werden wir mit unseren Eingriffen am Sekundärmarkt unterbinden.‘

 

Lesen Sie auf der zweiten Seite, wie weit der Aktienmarkt in diesem Jahr noch steigen kann.

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