Dirk Müller: „Größere Gefahr als in den Jahren 2007 und 2008“

Cash.Online sprach mit dem bekannten Börsenexperten Dirk Müller über die aktuelle Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten und die Performance seines Aktienfonds „Dirk Müller Premium Aktien Fonds“.

Dirk Müller
Der Börsenexperte Dirk Miller ist bei Aktien voll investiert.

Cash.Online: Der Jahresauftakt 2016 fiel auf dem Frankfurter Börsenparkett äußerst schwach aus. Welche Gründe sehen Sie für die Baisse?

Müller: Die Gründe für die Baisse sind mannigfaltig. Wir haben aus meiner Sicht eine größere Gefahr als in den Jahren 2007 und 2008. Damals hatten wir nur eine Immobilienkrise in den USA. Jetzt haben wir die Zutaten, die einen perfekten Sturm ergeben könnten. China steht vor einer harten Landung mit einem dramatischen Kapitalabfluss. Anders kann man dies nicht bezeichnen, als das was momentan passiert. Es gab 20 Jahre Investitionen in Städte in denen keiner wohnt oder in Betriebe, die unrentabel sind. In dem Moment, in dem das Kapital abfließt, brechen die unrentablen Unternehmungen, die über 20 Jahre aufgebaut wurden zusammen mit  sehr große Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die offiziellen Wirtschaftsdaten stimmen hinten und vorne nicht, wir können froh sein, wenn sich das Reich der Mitte noch nicht tatsächlich in einer Rezession befindet.

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Einige Experten befürchten eine erneute europäische Bankenkrise wie in den Jahren 2008 und 2009. Die Kurse von vielen Instituten sind ja bereits deutlich gefallen. Wie sehen Sie hier das Risiko?

Müller: Die Gefahr ist durchaus gegeben. Dies betrifft nicht nur die europäischen Banken, sondern wir haben ein internationales Problem. Die niedrigen Zinsen sind durchaus ein riesiges Thema. Zum einen verdienen die Institute mit den niedrigen Zinsen weniger. Zum anderen ist der Zins ein Instrument, mit dem die Investoren das Risiko abschätzen können. Dadurch, dass der Anleihemarkt die Renditen aushandelt, kann taxiert werden, wie riskant eine Investition ist. Wenn jetzt der Zinssatz nahe bei null Prozent ist, dann gibt es keine Möglichkeit mehr, Risiken abzuschätzen. Kaum jemand hat die Möglichkeit, auch die großen Finanzhäuser nicht, die Bonität sämtlicher Schuldner selbst bestimmen zu können. Dies geht nur in der Gesamtheit des Weltmarktes. Die Investoren laden sich seit mehren Jahren Risiken in die Bücher, von denen sie nicht wirklich einschätzen können wie hoch sie sind, weil der Zins fehlt. Diesen Risiken steht kein adäquater Ertrag gegenüber, der notwendig wäre um faule Pakete, die in die Insolvenz gehen, abzufedern. Sobald es nur etwas erhöhte Kreditausfälle gibt, China hat bei den Unternehmen die größten Ausfälle seit zehn Jahren, dann kommt es zu solch verhängnisvollen Entwicklungen, wie wir sie bei Lehman Brothers gesehen haben. Damals wusste keiner, welche anderen Leichen der Geschäftspartner noch im Keller hat, weshalb eine Kreditklemme entstanden ist.

Seite zwei: „Wir haben den Boden noch nicht erreicht“

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