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14. April 2016, 09:28
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Indien ist auf dem richtigen Weg

In den letzten Monaten boten indische Aktien einen Lichtblick gegenüber ihren Pendants aus den anderen Schwellenländern – und auch den entwickelten Märkten. Gastkommentar von Avinash Vazirani, Jupiter Asset Management

Jupiter AM Avinash Vazirani-Kopie in Indien ist auf dem richtigen Weg

Avinash Vazirani, Fondsmanager des Jupiter India Select untersucht die Chancen in dem Land.

Die Anlegerstimmung bleibt indessen weiter nervös aufgrund von Sorgen um die globale Konjunktur. Wir sind in Bezug auf Indien jedoch davon überzeugt, dass die verbesserte wirtschaftliche und politische Situation ein äußerst günstiges Umfeld für die Entwicklung der Unternehmen geschaffen hat.

Neue Daten bestätigen, dass Indiens gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate weiter steigt. Gestützt wird dieses Wachstum durch die Reformen und Initiativen der Regierung von Premierminister Narendra Modi. Diese zielen darauf ab, den chronisch ineffizienten Unternehmenssektor des Landes zu modernisieren und dabei Hunderte Millionen von Menschen aus der Armut zu befreien. Die jüngsten Quartalsergebnisse erfüllten im Allgemeinen die Markterwartungen oder übertrafen diese sogar. Bei vielen Unternehmen beruhigten starke Gewinne zudem die Anleger und entfachten auf diese Weise ein Kursfeuerwerk. Ausländische Finanzinstitute sind dabei zuletzt als Verkäufer indischer Aktien aufgetreten. Ein Trend zu vermehrten Käufen durch inländische Banken in Indien konnte dies allerdings mehr als kompensieren.

Außerdem profitiert Indien als ölimportierendes Land vom derzeit niedrigen Ölpreis. Gegenüber dem jüngsten 12-Jahres-Tief von unter 30 US-Dollar würde aber auch eine Preiserholung, und sei es wieder bis auf 50 oder 60 US-Dollar, keinen großen Anlass zur Sorge geben. Denn aufgrund der variablen Benzin- und Dieselsteuer der Regierung sind trotz globaler Ölnotierungen von weniger als 60 US-Dollar die Kraftstoffkosten für Verbraucher in etwa gleich geblieben. Auch der Nutzen des billigen Öls aus Sicht des indischen Verbrauchersektors hält sich in Grenzen.

Nach 30 Jahren Koalition und Stillstand haben Modi und sein Gefolge, als Indiens erste Mehrheitsregierung, bisher schon viel erreichen können. Es läuft jedoch nicht immer alles glatt, wie die geplante Waren- und Dienstleistungssteuer zeigt. Der bahnbrechende Gesetzentwurf dazu, der zwecks Vergrößerung der Steuerbasis und Effizienzverbesserung eine Harmonisierung des bundesstaatlichen Steuerflickwerks vorsieht, schaffte es beim ersten Anlauf nicht, die parlamentarische Hürde zu nehmen – ganz so, wie es noch aus früheren Zeiten bekannt ist. Insgesamt sind die Nachrichten von der politischen Front aber zweifelsohne als gut zu bezeichnen. Immerhin hat sich die Regierung für Bestimmungen stark gemacht, durch die die Staatsbanken ihr Risikoprofil verbessern werden können. Ein kürzlich verabschiedetes Immobiliengesetz verspricht außerdem, Jahrzehnte der Untätigkeit und Frustration bei der Landerschließung wegzufegen. In ihrem jüngsten Budget konzentrierte sich die Regierung indes weiter darauf sicherzustellen, dass trotz flächendeckend höherer Staatsgehälter und Pensionen die Schuldenaufnahme nicht steigt. All dies sind starke Anhaltspunkte dafür, dass sich die Dinge weiter in die richtige Richtung entwickeln. Die Konsensmeinung geht derweil angesichts der Verfahrensregeln des politischen Prozesses dahin, dass das Waren- und Dienstleistungssteuergesetz trotz aktuellem Widerstand noch in diesem Jahr verabschiedet wird.

Die Inflation dürfte nun längerfristig niedrig bleiben – nicht bloß infolge der niedrigeren Ölpreise, sondern vielmehr auch wegen der geringeren Geschäftskosten in Indien. Angesichts dessen sowie der verbesserten Konjunkturlage stellt sich nur noch die Frage nach den Zinsplänen der indischen Notenbank. Diese hat Anfang April entschieden, ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 6,5 Prozent zu senken – ein Schritt, der zu begrüßen und das Ergebnis einer in den letzten Monaten unerwartet niedrigen Inflationsrate ist. Wir hatten bereits Mitte März nach Veröffentlichung des Haushaltsplans auf eine solche Zinssenkung gehofft. So oder so sollte sich aber durch den weiteren Rückgang der indischen Zinsen das operative Umfeld für Unternehmen verbessern und damit der positive Wandel gefestigt werden, von dem Indien nach wie vor profitiert.

Natürlich lässt sich nicht voraussagen, wie sich die Ereignisse auf den Weltmärkten entwickeln werden. Und auch nicht, inwieweit die globale Anlegerstimmung, ob positiv oder negativ, auf den indischen Aktienmarkt durchschlagen wird. Dass institutionelle Investoren aus dem Ausland inzwischen von geringerer Bedeutung für Indiens Märkte sind, sollte jedoch helfen, ihre Auswirkungen im Laufe der Zeit zu minimieren. Es wäre allerdings töricht anzunehmen, dass Indien als eines der größten Länder von der übrigen Welt isoliert ist. Aus Binnensicht erscheint es angesichts der anhaltenden Fortschritte indes nicht übertrieben zu sagen, dass die wirtschaftliche Entwicklung Indiens – und mit ihr das Investitionsumfeld – weiter auf dem richtigen Weg sind. (tr)

Foto: Jupiter Asset Management

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