3. Oktober 2016, 08:45
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Staatsverschuldung: Wie endet die Party?

Laut Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben sich die weltweiten Schulden weiter aufgetürmt. Das Gesamtvolumen aller im Umlauf befindlichen Schuldtitel hat bereits 2014 die 100-Billion-Dollar-Grenze übersprungen.

Gastbeitrag von Tim Bröning, Fonds Finanz Maklerservice

Staatsverschuldung: Wie endet die Party?

“Die schnelle Herabsetzung der weltweiten Zinsen durch die Notenbanken und die damit einhergehende Entlastung der Staaten bei den jährlichen Zinszahlungen wurde nur dazu genutzt, neue Schulden aufzubauen.”

Betrachtet man ausschließlich die Staatsverschuldung gibt es weltweit kaum ein Land oder eine Wirtschaftsregion, die auf Schulden im Verhältnis zum BIP von weniger als 100 Prozent kommt. Nur Länder wie Russland oder Argentinien haben vergleichsweise geringe Verschuldungsquoten. Das liegt aber leider nur daran, dass diese Länder bereits um die Jahrtausendwende Pleite gegangen sind und wieder von einem niedrigeren Niveau gestartet sind.

USA mit größten Schuldenberg

Den mit Abstand größten Schuldenberg in absoluten Zahlen schieben die USA vor sich her. Während man für die erste Billion Dollar Verschuldung bis 1981 etwa 200 Jahre brauchte, verzehnfachten sich die Verbindlichkeiten danach bis 2008. Heute haben die US-Schulden bereits die 19-Billionen-Rekordmarke durchbrochen. Allein in der Amtszeit von Obama sind die Schulden damit um etwa 80 Prozent gestiegen.

Kaum einer Regierung ist es in den letzten Jahrzehnten gelungen, ihre Verbindlichkeiten wieder zu reduzieren. Schlimmer noch! Die schnelle Herabsetzung der weltweiten Zinsen durch die Notenbanken und die damit einhergehende Entlastung der Staaten bei den jährlichen Zinszahlungen wurde nur dazu genutzt, neue Schulden aufzubauen. Die notwendigen Reformen, die natürlich auch tiefe Einschnitte für die Bevölkerungen bedeutet hätten, wurden und werden nicht angegangen.

Neuverschuldung wird bei steigenden Zinsen teurer

Sobald die Zinsen wieder steigen, steigen damit auch die jährlichen Zinszahlungen für die Staaten, die Neuverschuldung wird teurer und die Zahlungsunfähigkeit vieler Länder ist vorprogrammiert. Das bringt die Notenbanken in eine in dieser Form noch nicht da gewesenen Zwickmühle: Auf der einen Seite könnte es ökonomisch betrachtet sinnvoll werden bei entsprechendem Wachstum und entsprechender Inflation die Leitzinsen anzuheben, auf der anderen Seite riskiert man dann den Staatsbankrott.

Die Notenbanken dieser Welt werden also gezwungen sein, noch sehr lange Geld zu drucken, den Zins extrem niedrig zu belassen und damit weitere Verschuldung zu forcieren. Selbst, wenn die USA – nur rein theoretisch – eine Zinserhöhung wirtschaftlich vertragen könnten, würden bei weiterhin expansiver Geldpolitik aller anderen Notenbanken, nicht wegzudiskutierende Nachteile für die Vereinigten Staaten entstehen. Der Dollar würde aufwerten, die Exporte würden sich verteuern, das Handelsdefizit würde sich ausweiten und die Verschuldung weiter steigen.

Ein Ende mit Schrecken für Sparer

Insofern sind jegliche Diskussionen über eine echte Zinswende in den USA witzlos. Wir werden solange weltweit mit günstigem Geld versorgt werden müssen, bis eine Inflation tatsächlich die Verschuldung prozentual zum BIP zurückführt – so wie es den USA nach dem zweiten Weltkrieg gelungen ist – oder bis das System kollabiert.

Für die Sparer bieten beide Szenarien ein Ende mit Schrecken. Aber bis dahin wird das günstige Geld dafür sorgen, dass Vermögenswerte weiter steigen und wir alle durch günstige Kredite über unseren Verhältnissen leben können. Dann haben wir auf alle Fälle vorher zumindest noch richtig gut gefeiert.

Tim Bröning ist seit 2009 in der Geschäftsleitung der Fonds Finanz Maklerservice GmbH und verantwortlich für den Bereich Unternehmensentwicklung und Finanzen sowie für die Sparte Investment.

Foto: Fonds Finanz

2 Kommentare

  1. Zutrefend Herr Bröning. Leider gibt es keine Lössungen.
    Eine Handlungsempfehlung für die FOFI-Berater wäre
    ja nicht schlecht gewesen: z. B. Sachwerte, Sachwerte, Sachwerte, Oder?

    Kommentar von Gün ther Maier — 7. Oktober 2016 @ 11:28

  2. Danke Ihnen Herr Bröning für den sehr sachlichen und doch treffenden Artikel.

    Kommentar von Moritz Heidler — 7. Oktober 2016 @ 07:19

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