Aktienblase: Es ist einmal geschehen, es wird wieder geschehen

Der deutsche, der britische, der brasilianische, der südkoreanische und erst recht der amerikanische Aktienmarkt – eine Vielzahl der weltweiten Indizes notieren auf oder in Schlagweite ihrer historischen Hochs. Aber muss man deswegen schon von einer Blase an den Märkten sprechen oder ist dieses Mal wirklich alles ganz anders? Die Bröning-Kolumne

Tim Bröning, Fonds Finanz
„Für Anleger ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein – weltweit und über verschiedene Anlageklassen – und gleichzeitig historisch teure Segmente zu reduzieren. „

Es gibt unzählige – seriöse und unseriöse – Hinweise, dass wir uns inmitten einer Blasenbildung befinden. Zu den seriösen Hinweisen gehört der Umstand, dass sich zum Beispiel US-Aktien, die bekanntermaßen den größten Anteil am globalen Aktienmarkt ausmachen, mit einer Dauer von nunmehr 445 Wochen in der längsten Aktienrallye seit 1930 befinden.

Interessant dabei ist, dass es eine immer stärker abnehmende Marktbreite bei der Aufwärtsbewegung gibt, was in der Vergangenheit oft ein Warnsignal darstellte. Besonders in diesem Jahr wurde die Performance in vielen Märkte von wenigen sehr großen Firmen bestimmt.

Shiller warnt vor Überbewertung

Darüber hinaus deuten die für die Aktienbewertung einschlägig genutzten fundamentalen Messgrößen wie Kurs-Buchwert-, Kurs-Umsatz-, Kurs-Cash-Flow- oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis eine starke Überbewertung an.

Davor warnt selbst der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller und verweist dabei auf sein „Shiller-KGV“, welches in den USA nur ein einziges Mal in den letzten 100 Jahren höher war als heute, nämlich im Jahr 2000. Die Bewertungen an den Börsen sind gemäß seinen Berechnungen aktuell sogar höher als vor der großen Weltwirtschaftskrise von 1929 oder auch vor der Finanzkrise 2008.

Sorglosigkeit an den Märkten

In der Vergangenheit hat sich vor großen Krisen an den Märkten zudem immer eine gewisse Sorglosigkeit oder Euphorie gezeigt. Von Euphorie kann man derzeit sicherlich nicht sprechen, von Sorglosigkeit schon eher. Denn fast jede Entwicklung wird derzeit als „bullish“ interpretiert.

Werden beispielsweise baldige US-Zinserhöhungen in den Raum gestellt, sehen Börsianer dies als Zeichen einer sich belebenden Wirtschaft. Bei sich abzeichnenden späteren US-Zinserhöhungen freut man sich an der Börse hingegen über länger anhaltendes billiges Geld – den Treibstoff für steigende Kurse.

In Mode gekommen sind auch Verlaufsvergleiche mit dem Aktiencrash von 1987. Legt man die Charts übereinander, stünde bis Ende Oktober ein heftiger Einbruch bevor. Chartgläubige kommen zu demselben Ergebnis bei einem Blick auf den Durchschnitt der letzten „7“-er Jahre (1977, 1987, 1997, 2007).

Seite zwei: Anleger sollten breit aufgestellt sein

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