28. April 2017, 08:31
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

An den Kreditmärkten ist die Blase zurück

Vor rund zehn Jahn kam es zu einer weltweiten Blase an den Kreditmärkten. Zahlreiche Gesellschaften wie Lehman Brothers wurden in die Knie gezwungen. Mittlerweile gibt es wieder viele Parallelen zu der damaligen Situation.

Gewitter in An den Kreditmärkten ist die Blase zurück

An den internationalen Rentenmärkten droht ein kräftiges Unwetter.

2006 war ein von weltweiter Zinsstraffung geprägtes Jahr. Schon 2004 hatte die US-Notenbank als Reaktion auf das solide Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und eine leicht beschleunigte Inflation damit begonnen, die Zinsen zu straffen. Weltweit wuchs das BIP mit einer Rate von im Schnitt fünf Prozent pro Jahr, gemessen in den drei Jahren bis Ende 2006.

Kursschwankungen wieder gering

Nicht nur an den Anleihe- auch an den Aktienmärkten war die Volatilität so niedrig wie selten, was auch für die Risikoaufschläge (Spreads) von Unternehmensanleihen galt. Aktien tendierten fest. Hochzinsanleihen waren mit einem Ertrag von rund zehn Prozent wenig überraschend die festverzinsliche Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung – ungeachtet unübersehbarer Anzeichen einer Verschlechterung ihrer Kreditqualität und Sorgen über hohe Aktienrückkäufe und Event-Risiken.

Wo lauern diesmal die Gefahren?

Erstens ist das weltweite BIP-Wachstum mit rund 3,0 Prozent deutlich niedriger. Darüber hinaus, und das scheint noch wichtiger zu sein, setzt das Nominalwachstum seinen Abwärtstrend fort und bewegt sich auf den tiefsten Stand seit den 1930er Jahren zu – all den Billionen an quantitativen Lockerungsmaßnahmen und den ultraniedrigen Zinsen zum Trotz.

Zweitens haben sich die strukturellen Faktoren verstärkt, die damals die Kreditklemme nach sich zogen: allen voran die im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt weltweit hohe Verschuldung, die Alterung der Bevölkerung und die Vermögensungleichheit. Tatsächlich hat das Verhältnis von Verschuldung zu BIP weltweit wieder den hohen Stand von 2006 erklommen. Damit ist die Schuldenblase zurück. Lediglich ihre Zusammensetzung ist anders als vor der großen Finanzkrise.

Drittens sind zwar die realisierte wie implizite Volatilität derzeit extrem niedrig. Im Gegensatz zu 2006/07 haben wir es gegenwärtig aber mit weltweit hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheiten zu tun, mit denen die erhebliche Gefahr politischer Fehlentscheidungen einhergeht.

Euphorie nicht gerechtfertigt

So könnte der Optimismus rund um die von Trump geschürte Reflation fehl am Platz sein, denn inzwischen ziehen bereits die Kreditkonditionen und auch die Zinsen, Hypothekenzinsen eingeschlossen, in den USA wieder an. Zugleich legt der Dollar zu, und die quantitativen Lockerungsprogramme werden gedrosselt.

Zweifellos nehmen die systemischen Risiken wieder zu, und zumindest an den Staatsanleihemärkten scheinen Anleger die Wachstumsrisiken wahrzunehmen. Das jedenfalls lassen die auf der Stelle tretenden bzw. seit Jahresbeginn fallenden und nach wie vor extrem niedrigen Renditen vermuten.

High-Yield-Anleihen wurden reduziert

Bei unseren strategischen und flexiblen Rentenfonds steht Sicherheit an erster Stelle. Deshalb haben wir das Engagement in Hochzinsanleihen reduziert und konzentrieren uns auf Investment-Grade-Anleihen. Dem haben wir ein Engagement in Staatsanleihen, inflationsgeschützte Anleihen und Schwellenländeranleihen beigemischt.

Anleger sollten die Risiken an den Märkten zur Kenntnis zu nehmen und ihre Portfolios breiter aufzustellen, statt ausschließlich auf die Rendite zu schauen. Auch wenn es noch eine Weile dauern könnte, bis die Blase platzt, ist Vorsicht immer noch besser als Nachsicht.

Ian Spreadbury ist Rentenfondsmanager bei Fidelity International, London

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Denkmalobjekte – Betriebsrente – Digital Day 2019

Ab dem 24. Januar im Handel.

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Versicherungen

Swiss Re: Naturkatastrophen auch für den Gewinn desaströs

Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re hat 2018 wegen Naturkatastrophen erneut einen Milliardengewinn verfehlt. Trotzdem können sich die Aktionäre über eine deutlich höhere Dividende freuen.

mehr ...

Immobilien

Bausparen: “Trend zur Zinssicherung verstärkt sich”

Bausparen liegt wieder voll im Trend. Dr. Jörg Koschate, Mitglied des Vorstands der BHW Bausparkasse, sprach mit Cash. über die Folgen eines Endes der Niedrigzinsphase und die Gründe für das Bausparen sowie die Trends in den kommenden Monaten.

mehr ...

Investmentfonds

Bringt Apple 2019 eine Kreditkarte?

In 2018 gab es erste Diskussionen über eine Kreditkarte, die Apple gemeinsam mit der Investmentbank Goldman Sachs an den Markt bringen könnte. Nun verdichten sich Meldungen, wonach eine erste Testphase für eine solche Kreditkarte kurz bevorstehe.

mehr ...

Berater

Shit happens: Verbraucherzentrale Bremen meldet Insolvenz an

Die Verbraucherzentrale Bremen hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung eingereicht. So will sich der gemeinnützige Verein wirtschaftlich neu aufstellen, nachdem zu wenig Geld für Betriebsrenten zurückgelegt wurde.

mehr ...

Sachwertanlagen

Vier RWB-Fonds kündigen weitere Auszahlungen an

In den kommenden Monaten schütten erneut vier Private-Equity-Dachfonds der RWB PrivateCapital Emissionshaus AG Geld an ihre Investoren aus. Auch die Summe der Auszahlungen der RWB-Fonds im Jahr 2018 ist beachtlich.

mehr ...

Recht

Urteil: Nicht angeleinte Hunde können für Halter teuer werden

Hundehalter müssen nicht nur Schäden ersetzen, die ihr nicht angeleinter Hund anrichtet. Zu diesem Thema weist die Württembergische Versicherung nun auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz (1 U 599/18) hin.

mehr ...