Bank of England sendet düstere Signale

Nach über zehn Jahren hat die Bank of England erstmals den Leitzins leicht angehoben. Die Mehrheit der Assetmanager begrüßt diesen Schritt, doch es gibt auch Kritiker. Cash. hat Statements der Investmentfonds-Branche zusammengefasst.

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Gebäude der Bank of England in London.

Die Bank of England hat am Donnerstag die Zinsen erstmals seit zehn Jahren erhöht, um 0,5 Prozent. Damit wurde die Zinssenkung im August 2016 aufgewogen. Die Folgen für die Haushalte dürften nach Einschätzung von Columbia Threadneedle Investments gering sein.

„Der Markt hatte die Zinserhöhung, für die die Bank of England mit sieben zu zwei Stimmen votierte, nahezu vollständig eingepreist. Das würde normalerweise geringe Reaktionen bedeuten“,sagt Toby Nangle, Leiter des Bereiches Multi Asset in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) bei Columbia Threadneedle Investments.

Kursentwicklung spiegelt Wechselkursschwankungen

„Jedoch ist das Britische Pfund unmittelbar nach der Verkündung gegenüber allen großen Währungen um mehr als ein Prozent gefallen, und auch die Anleihenrenditen haben deutlich nachgegeben.“

Die Kurse britischer Aktien hätten zwar zugelegt, doch das dürfte fast ausschließlich die Währungsentwicklung wiederspiegeln: Währungsbereinigt hätten sie sich im Vergleich zu anderen Aktienmärkten nämlich schlechter entwickelt.

„Der Grund dafür war, dass die Bank eine Passage aus ihrem Statement entfernt hat. Diese besagte, dass die Zinsen womöglich stärker steigen müssten, als der Markt es erwartet. Der Markt hat diesen Schritt so interpretiert, dass das Risiko vieler weiterer Zinsanstiege gesunken ist“, so Nangle.

„Düstere Nachricht an den Markt“

„Zudem hat die Bank darauf hingewiesen, dass die britische Wirtschaft trotz gedämpfter Konjunktur schneller als gewünscht gewachsen ist. Damit hat sie mit Blick auf ihre Erwartungen an das britische Potenzialwachstum eine düstere Nachricht an den Markt gesendet.“

Paul Hatfield, Global Chief Investment Officer bei Alcentra, die zu BNY Mellon IM gehören, hebt in seinem Kommentar ebenfalls die verhaltene Reaktion des Marktes hervor. „Wie auch die Chefs der europäischen und amerikanischen Notenbanken, beherrscht Mark Carney die Kunst, seine zukünftigen Schritte anzukündigen. Wir warten also immer noch auf ein Ereignis, das zu mehr Volatilität führt.“

Zu hohe Inflation wird nicht toleriert

Howard Cunningham, Fixed Income Portfolio Manager bei Newton Investment Management (BNY Mellon IM) stimmt ebenfalls zu, dass der Zinsschritt die Volatilität an den Märkten kaum beeinflusst hat.

Dennoch sei dieser Schritt richtig gewesen: „Es ist angemessen, die Zinssenkung vom August 2016 rückgängig zu machen. Das sendet gleichzeitig das Signal, dass die Zinsen doch steigen können, und dass eine zu hohe Inflation nicht toleriert wird.“

„Ich bin allerdings nicht überzeugt, dass eine weitere Straffung der Geldpolitik bevorsteht und erwarte, dass die Inflation zurückgehen wird, mit der Möglichkeit, dass die durch den Brexit ausgelöste Unsicherheit die Wirtschaft belastet“, ergänzt Cunningham.

Geldpolitisches Oxymoron

Seit dem Brexit haben externe Faktoren die Wirtschaft mehr getrieben, als interne. „Besonders das europäische Wachstum hat uns positiv überrascht. Diese Treiber schwächen sich ab“, sagt Iain Lindsay, Co-Leiter des globalen Portfolio Mangements für festverzinsliche Anlagen bei Goldman Sachs Asset Management.

„Geringere Unternehmeninvestitionen und abnehmende Immigration werden Wachstum und Inflation belasten. Die Anhebung der Zinsrate könnte als geldpolitisches Oxymoron  –ein Widerspruch in sich selbst– betrachtet werden.“ (kl)

Foto: Shutterstock

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