14. Februar 2017, 14:48
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Griechenland könnte neue Euro-Krise auslösen

Zwischen der griechischen Regierung, dem IWF und den europäischen Geldgebern ist abermals Streit ausgebrochen. Insgesamt könnte dies die Stabilität in der Eurozone bedrohen. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin AG

JuniusSarasin in Griechenland könnte neue Euro-Krise auslösen

Karsten Junius befürcht wieder eine Zuspitzung in der Griechenland-Thematik.

Der 25. Geburtstag des Maastricht-Vertrages in der vergangenen Woche wird den meisten Europäern wohl kaum als eine besonders ausgefallene Feier in Erinnerung bleiben. Zu groß sind dafür auch die aktuellen Sorgen um Europa, die sich wie so häufig an den Zinsaufschlägen für Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie ablesen lassen. Allen voran denen für Griechenland, bei dem die Renditen zweijähriger Anleihen erneut über 10 Prozent aufweisen; ein Niveau, das ganz sicherlich keine nachhaltige Schuldenfinanzierung erlaubt. Die aktuell dringendste Aufgabe ist es, eine Refinanzierung für die im Juli 2017 fällig werdenden Anleihen im Volumen von 7 Milliarden Euro zu finden. Allein den europäischen Zentralbanken müssen 5 Milliarden Euro gezahlt werden – ein Ausfall würde die Mitgliedschaft in der Währungsunion riskieren.

Uneinigkeit über Konditionen

Uneins sind sich die Gläubiger über die Konditionen eines neuen Hilfsprogramms. Statt 3,5 Prozent scheinen Teile des IWF nur einen griechischen Haushaltsüberschuss von 1,5 Prozent ohne Schuldendienst für nachhaltig zu erachten. Zudem empfiehlt der IWF schon länger einen Schuldenverzicht, da er die aktuelle Staatsverschuldung von 180 Prozent des BIP als nicht nachhaltig erachtet. Einige europäische Regierungen widersprechen dem und fordern vor allem erst einmal Reformen, die die Wirtschafts- und Finanzpolitik nachhaltig machen. Ihrer Einschätzung nach sei ein Forderungsverzicht sinnlos sein, wenn das Land nicht so stark reformiert würde, dass zukünftige Krisen unwahrscheinlich werden. In dem für einige Länder wichtigen Wahljahr werden sie weniger Kompromisse machen wollen.

Griechenland wie Wahlversprechen einhalten

Die griechische Regierung wiederum argumentiert, dass zu massive Reformen sozial nicht nachhaltig seien. Vermutlich macht sie sich aber auch vor allem über die Nachhaltigkeit ihrer Regierungskoalition Sorgen. Diese wäre massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt, wenn sie entgegen ihrer Wahlversprechen die von Gläubigerseite geforderten Rentenreformen durchsetzt. Die EZB ist vor allem daran interessiert, ihr Mandat zu erfüllen und möchte daher die Inflation wieder auf einen nachhaltigen Pfad hin zu dem von ihr angestrebten Inflationsniveau bringen.

Eine erneute Eurokrise, bei der die Finanzierungskosten in der Peripherie stark ansteigen und eine nachhaltige Wirtschaftserholung gefährden, wäre dabei schädlich. Schließlich spielt die EU-Kommission als Hüterin der Währungsunion eine wichtige Rolle. Sie zeigt sich häufig pragmatisch und kompromissbereit. schließlich ist ihr Ziel, die Nachhaltigkeit der Währungsunion zu sichern.

Nachhaltige Lösung kaum in Sicht

Allen Beteiligten in dem griechischen Drama gemein ist, dass sie an einer langfristigen Lösung interessiert sind. Die politischen Kosten der von ihnen bevorzugten Maßnahmen haben in der Regel andere Mitspieler zu tragen. Das führt ein ums andere Mal dazu, dass eine wirklich nachhaltige Lösung vertagt wird. Dazu müssten alle auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Genau das wäre notwendig, damit der 30., 40. und 50. Geburtstag des Maastricht-Vertrages überhaupt gefeiert werden kann.

Karsten Junius ist Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG, Schweiz

Foto: Bank J. Safra Sarasin

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Der stationäre Versicherungs-Vertrieb auf dem Abstellgleis?

Digitalisierung, Self-Services, Kunden-Portale, künstliche Intelligenz: Schlagworte, die uns suggerieren möchten, dass der Mensch in vielen Berufsbildern nach und nach durch moderne Technologien ersetzt werden kann. Aber trifft das auch auf den stationären Vertrieb in der Versicherungsbranche zu?

mehr ...

Immobilien

Erstes Hotelprojekt von Novum Hospitality bei Barcelona gesichert

Mit der Unterzeichnung des Franchise- und Mietvertrags mit der InterContinental Hotels Group und dem Hamburger Projektentwickler Europa-Center sichert sich Novum Hospitality das erste Hotelprojekt in Spanien.

mehr ...

Investmentfonds

BlackRock Managed Index Portfolios von WWK IntelliProtect

Die WWK Lebensversicherung bietet bei ihren Fondsrenten mit Garantie in allen Schichten ab sofort auch vier ETF-basierte BlackRock Managed Index Portfolios an.

mehr ...

Berater

Nur wenige Banken erhöhen die Gebühren

Trotz schwächelnder Gewinne setzt im Augenblick nur eine Minderheit der Kreditinstitute in Deutschland auf Gebührenerhöhungen. Bei einer Umfrage unter 120 Geldhäusern gaben 16 Prozent an, in diesem Jahr an der Gebührenschraube zu drehen. Das geht aus einer Untersuchung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Karin Doppelbauer wird Development Managerin für Logistikprojekte bei AEW

Der Asset Manager AEW gibt die Ernennung von Karin Doppelbauer zur Technical Development Managerin für die technischen Entwicklungen der großen Logistikprojekte von AEW bekannt. Sie wird speziell für logistische Entwicklungen in den deutschen und niederländischen Märkten verantwortlich sein.

mehr ...

Recht

Schimmelbildung und Streit mit dem Vermieter vermeiden

Schimmel in Innenräumen ist ein häufiger Streitgegenstand in Mietrechtsangelegenheiten, und auch in Bauschadengutachten nimmt der Schimmelpilzbefall eine immer größere Bedeutung ein. Wie sich das verhindern lässt.

mehr ...