2. Februar 2017, 08:34
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Stockpicking in unruhigen Zeiten

Die internationalen Aktienmärkte werden derzeit von fünf Risiken überschattet: Überbewertung, Überschuldung, Illiquidität, strukturelle Veränderungen und wachsende politische Risiken. Gastkommentar von Ben Leyland, J O Hambro

Ben-Leyland-Kopie in Stockpicking in unruhigen Zeiten

Ben Leyland erwirtschaft mit seinem Fonds stattliche Renditen bei überschaubarer Volatilität.

Wir beurteilen die zukünftigen Erträge an den Aktienmärkten vor diesem Hintergrund sehr nüchtern. Für Stockpicker besteht die Hauptaufgabe in einem solchen Umfeld darin, „Kapitalvernichter“ wie Überbewertung und Überschuldung zu meiden und darauf zu warten, dass sich echte Chancen eröffnen.

Wie ist es eigentlich zu der gegenwärtigen Situation gekommen? Das Fundament für eine „Hausse der Sorglosigkeit“ wurde 2012 gelegt, als zur Ausweitung der expansiven Geldpolitik noch hinzukam, dass politische Risiken aus dem Spiel genommen wurden. Mario Draghi erklärte in dem Jahr, er werde „alles Notwendige tun“, um den Euro zu retten, und in Japan initiierte Shinzo Abe gleich nach seiner Wahl zum Regierungschef das Programm der „drei Pfeile“, mit dem Inflation und Wachstum in Gang gesetzt werden sollten. Zur gleichen Zeit wurde Barack Obama als US-Präsident für vier weitere Jahre im Amt bestätigt, und die Federal Reserve (Fed) startete eine dritte Runde der quantitativen Lockerung („QE3“).

Niedrige Zinsen lösten Sturm auf Aktien aus

Die Auswirkungen der augenscheinlichen Stabilität nach fünf Jahren des Chaos, erst im amerikanischen “Subprime“-Sektor und später bei Staatsanleihen aus EU-Staaten, waren gewaltig. Durch das verringerte Risiko und den Rückgang der Anleiherenditen auf Allzeittiefs (10-jährige US-Staatsanleihen rentierten mit unter 2,0 Prozent, 30-jährige mit unter 3,0 Prozent), waren die Weichen für einen Run auf Aktien gestellt. Mittelzuflüsse an die Börsen, die seit 2009 vor allem die Anleihemärkte verbucht hatten, wechselten prompt die Richtung und kamen nun Aktien zugute. Die Schwankungen an den Aktienmärkten gingen schlagartig zurück, und der Volatilitätsindex VIX fiel auf etwa 13 – das war der niedrigste Stand seit dem ersten Halbjahr 2007.

Tapering bremste Börse nicht

Immer öfter war nun von einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung die Rede, angeführt von den USA. Das viele Geld der Notenbanken musste doch schließlich Resultate zeitigen, und bewiesen nicht steigende Aktienkurse, dass eine Erholung bereits im Gange war? So oder so ähnlich lautete die Argumentation. In der ersten Jahreshälfte 2013 zogen die Renditen von US-Anleihen erstmals wieder an. Sie kletterten im 10-jährigen Bereich auf über 2,5 Prozent, im 30-jährigen Bereich auf über 3,5 Prozent – und die Fed fing an über ein Ende der quantitativen Lockerung zu reden. Die US-Währung begann aufzuwerten, was einige dollarabhängige Schwellenländer (besonders solche mit Leistungsbilanzdefiziten und Dollarschulden) in Bedrängnis brachte. Doch die Beendigung der monetären Stützungsmaßnahmen führte keineswegs dazu, dass der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten spürbar gebremst wurde.

Das sogenannte „Taper Tantrum“ im zweiten Quartal 2013 (damals sprach der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke erstmals über die Möglichkeit eines Auslaufens der quantitativen Lockerung) war von kurzer Dauer und im dritten Quartal schon wieder vergessen. Bis zum Oktober hatte der MSCI Emerging Markets Index die im Mai und Juni erlittenen Verluste vollständig wettgemacht (auf Dollarbasis). Die Anleger fassten genügend Zuversicht, um Schulden in Rekordhöhe aufzunehmen: An der New Yorker Börse lag der Anteil kreditfinanzierter Käufe über dem Stand vom November 2013, als die TMT-Blase auf dem Höhepunkt war.

Seite zwei: Kapitalzuflüsse aus Mangel an Alternativen

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