12. April 2017, 11:00
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Teuer ist nicht gleichbedeutend mit gut

Bei vielen Verbrauchern herrscht immer noch die Überzeugung vor, dass billige Produkte von schlechter Qualität sind. Bei Investmentfonds ist diese Logik aber in vielen Fällen ein teurer Irrtum.

Der Rademacher-Kommentar

 in Teuer ist nicht gleichbedeutend mit gut

Tim Rademacher sieht einen Zusammenhang zwischen niedrigen Fondsgebühren und einer guten Performance.

Beim Kauf von Fonds können für den Anleger viele Gebühren anfallen. So verdient beim Erwerb häufig der Vertrieb und die Gesellschaft über den Ausgabeaufschlag mit. Beim Kauf an der Börse verlangt der Broker aber auch der Makler seinen Anteil. Letzterer kann von der Differenz zwischen dem Ankaufs- und Verkaufspreis gut leben.

Aber damit nicht genug. Viel wichtiger sind die laufenden Kosten, die täglich in winzigen Schritten vom Wert eines Fonds abgezogen werden. Diese summieren sich für langfristige Anleger über die Jahre zu einer sehr wichtigen Größe.

Fondsanbieter senken Gebühren nur langsam

In den vergangenen drei Jahren hat der zunehmende Wettbewerb in Europa dazu geführt, dass die Verwaltungskosten bei Fonds tendenziell rückläufig waren. Bei den Aktienfonds fielen die Gebühren von 1,43 auf 1,27 Prozent per annum. Bei Rentenfonds reduzierte sich das Niveau von 0,89 Prozent auf 0,74 Prozent. Dennoch kommen für die Gesellschaften stattliche Summen zusammen, wenn Sie einen milliardenschweren Flaggschifffonds auf dem Markt platzieren konnten. Besonders lukrativ sind für die Anbieter hierbei die Multi-Asset-Fonds, wo sich die jährliche Vergütung im Bereich von 1,5 Prozent bewegt. Da hier der Absatz brummt, haben die Anbieter eine neue Goldader entdeckt.

Für den Endverbraucher stellen die hohen Kosten kein Problem dar, sofern das Fondsmanagement überdurchschnittliche Erträge bei einem entsprechenden Risiko erwirtschaftet. Entsprechend lassen sie sich insbesondere bei vielen Produkten durch hohe Kosten kaum beeindrucken. Allerdings sollte die Performance stimmen.

Experten widerlegen Vorurteile

Das Analysehaus Morningstar hat bereits im vergangenen Jahr in einer Studie bestätigt, dass üppige Kosten keineswegs ein Garant für hohe Kursgewinne sind. Bei der Untersuchung wurden die US-Aktienfonds gleichmäßig in fünf Kostengruppen unterteilt. Die Gruppe, die das Fünftel aller Fonds mit den niedrigsten Kosten umfasst, konnte zu 62 Prozent die jeweilige Benchmark schlagen. Im zweiten und dritten Fünftel schafften es nur noch 48 beziehungsweise 39 Prozent aller Strategien. Im vierten und letzten Fünftel waren lediglich 30 beziehungsweise 20 Prozent erfolgreich. Auch bei anderen Asset-Klassen ergab sich ein ähnliches Bild. Sparsamkeit beim Fondskauf kann sich also auszahlen.

Fondsmanager, die Produkte mit hohen Gebühren verwalten, schaffen es oftmals nicht, diese Kosten mit Kursgewinnen zu kompensieren. Oftmals entscheiden nur marginale Differenzen, ob ein Fonds die Benchmark schlägt oder nicht. Hingegen stellten die günstigen Fonds unter Beweis, dass sich aktives Management durchaus bezahlt macht. Dass 62 Prozent den Vergleichsindex schlagen konnten zeigt, dass solche Strategien gegenüber ETFs mehr als nur eine Berechtigung haben. Deshalb sollten Anleger sich gezielt nach den Kosten erkundigen und nicht nur nach der Wertentwicklung in den vergangenen Jahren.

Tim Rademacher ist leitender Redakteur im Bereich Investmentfonds bei Cash. und analysiert die Geschehnisse am Kapitalmarkt direkt vom Finanzplatz Frankfurt aus.

Foto: Dirk Beichert

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