Trump ist Belastungsfaktor für die Börsen

Auf die Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident haben die Wall Street und die weltweiten Fondsmanager relativ gelassen reagiert. Allerdings dürfte die Ruhe an den Märkten bald vorbei sein. Der Rademacher-Kommentar

Tim Rademacher sieht derzeit politische Risiken aus den USA für die Börsen.
Tim Rademacher sieht derzeit politische Risiken aus den USA für die Börsen.

Bislang wurde unter vielen Politikexperten und Investoren heftig diskutiert, ob Donald Trump sämtliche im Wahlkampf getätigten Äußerungen ernst meint. Anleger hatten die Hoffnung, dass seine tatsächliche Politik deutlich gemäßigter ausfällt als zuvor angekündigt. Nach der Ernennung des Politikers deutet sich nun an, dass Trump tatsächlich an fast allen Punkten seines Programms festhalten will. Deshalb gibt es für die internationalen Aktienmärkte, aber auch für die US-Börsen viele unkalkulierbare Risiken.

Während der ersten, mit Spannung erwarteten, Rede von Donald Trump war der New Yorker Börsenhandel geöffnet. Der Dow Jones zeigte zwar einen geringen Abgabedruck, allerdings waren die Märkte erstaunlich ruhig. Selbst bei den Reden von Janet Yellen schwankten die Märkte in der jüngeren Vergangenheit deutlich stärker. Nach dem ersten Wochenende des neuen Staatschefs wurde indes deutlich, dass es massive Spannung mit weiten Teilen der Bevölkerung und zahlreichen Medien gibt. Die zunächst relative Gelassenheit unter den Investoren liegt vor allem an der Erwartung, dass Trump mit fiskalpolitischen Maßnahmen die heimische Konjunktur und somit die Unternehmensgewinne ankurbelt. Allerdings sollten bei genauerer Analyse jedem Anleger massive Zweifel kommen, ob die Strategie von Trump zum Erfolg führt.

Protektionismus schadet der US-Wirtschaft

Eine wesentliche Kernbotschaft des neuen Präsidenten lautet, US-Arbeitsplätze und US-Produkte sind zu bevorzugen. Dies beinhaltet, dass massive Zölle für mexikanische, aber insbesondere auch chinesische Produkte eingeführt werden könnten. Selbst deutschen Autobauern drohte er mit einer Einfuhrabgabe von 35 Prozent. Kurzsichtig gedacht könnte Trump mit solchen Maßnahmen die amerikanische Wirtschaft ankurbeln. Allerdings sollte die US-Politik berücksichtigen, dass die Handelspartner der Vereinigten Staaten sicherlich nicht tatenlos auf solche Eingriffe reagieren werden. Sie könnten ebenfalls Zölle auf US-Waren und Dienstleistungen erheben, Ausfuhrsteuern für US-Exporte einführen oder auch US-Finanzdienstleister meiden. Zudem sind die USA extrem hoch bei Ländern wie China verschuldet. Fallen diese Staaten als Investoren aus, hätten die USA mit steigenden Zinsen ebenfalls ein Problem.

Seit dem Fall der Berliner Mauer haben sich zudem die wirtschaftlichen und politischen Grundgegebenheiten auf dem Erdball massiv verändert. So hat sich Asien zu einer wirtschaftlichen Großmachts-Region entwickelt und ist in vielen Branchen zur Werkbank für die gesamte Welt geworden. Insbesondere in der Elektronik-Industrie baute sich die Region nahezu ein Monopol auf und verwies den Konkurrenten USA eindeutig auf das Abstellgleis. Darauf zu setzen, dass die Vereinigten Staaten in Branchen wie dieser, wieder selbst den eigenen Bedarf produzieren könnten oder sogar zur Weltmacht aufsteigen, ist utopisch. So sind die USA in der Hardware-Produktion mittlerweile viel zu teuer und haben gegen Südkorea und China mittlerweile auch nicht immer das umfangreichste Know-how.

Trump lebt in der Vergangenheit

Im Poker für Amerika setzt Trump stark auf die eigene Kraft des Landes. Allerdings sind die USA in vielen Bereichen nicht mehr die einzige Supermacht wie noch vor einem Vierteljahrhundert, weshalb sich Trump verzocken könnte. Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Asien und Europa enger zusammenrücken und die USA auf der Strecke bleiben. Für Aktien sind diese Aussichten keinesfalls positiv, selbst wenn ein Konjunkturprogramm winkt. Trump muss daher seinen Politikstil anpassen oder an den Märkten folgt ein böses Erwachen.

Tim Rademacher ist leitender Redakteur im Bereich Investmentfonds bei Cash. und analysiert die Geschehnisse am Kapitalmarkt direkt vom Finanzplatz Frankfurt aus.

Foto: Dirk Beichert

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