12. April 2017, 06:27
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Smart-Beta-Produkte: Wer kauft schon billig an der Börse?

Wenn es nur so einfach wäre – billig kaufen und teuer verkaufen. Tatsache ist: Den meisten Investoren gelingt es nicht, diese einfache Börsenregel umzusetzen. Auch bei vielen Smart-Beta-Produkten tappen Investoren in diese Falle – doch man kann sie umgehen. Gastbeitrag von Dr. Sönke Siemßen, Nomura Asset Management Deutschland KAG mbH

ASoenke-Siem En-Kopie in Smart-Beta-Produkte: Wer kauft schon billig an der Börse?

Dr. Sönke Siemßen: “Im Smart-Beta-Raum finden sich gute und weniger gute Ansätze
sowie solche die an sich gut, aber vorübergehend überteuert sind.“

Investoren kaufen nicht billig – sie kaufen, was alle anderen gerade auch kaufen. Das ist vielfach nachgewiesen. Sie bevorzugen die aktuellen Gewinner unter den Aktien. Und sie meiden die Verlierer. Dasselbe gilt aber auch für Anlagestrategien – ob einfache Faktor-Strategien wie “Value” oder “Momentum“, oder auch komplexere Smart-Beta-Strategien wie “RAFI Fundamental Index”, die als Vorbild dieses Segment mitbegründeten. Was derzeit unter Investoren angesagt ist, das kann sich unvermittelt ändern – aber ihre Neigung für alles, was gerade angesagt ist, bleibt beständig. Antizyklisches Investieren? Fehlanzeige!

Viele Anbieter passiver Strategien legen Produkte auf, die genau diese Neigung bedienen: In dem Wissen, dass Investoren die aktuellen Gewinner bevorzugen, wählen sie für neue Produkte unter Tausenden verfügbarer Faktor-, Style- oder sonstiger Strategie-Indizes immer die aktuellen Outperformer aus – und damit die nahezu sicheren Verlierer der Zukunft. Dass rein “passive” Anbieter, bisher insbesondere auf traditionelle marktkapitalisierte Indizes fokussiert,  heute verstärkt in das Smart-Beta-Segment einsteigen, macht die Sache nicht unbedingt besser.

Antizyklisch zahlt sich aus

Denn auch hier bieten sie in der Regel Strategien an, die auf verlockenden Rückrechnungen beruhen. Solche Strategien zeigen in jüngerer Vergangenheit meist besonders starke Ergebnisse und weisen mit hoher Wahrschein­lichkeit deutlich höhere Bewertungskennzahlen aus als es ihrem historischen Durchschnitt entspricht. Damit jagen die Käufer dieser Produkte – einmal mehr – hinter einer zum großen Teil bereits gelaufenen Performance hinterher. Viel sinnvoller ist ein tatsächlich antizyklischer Ansatz, bei dem Faktoren oder Strategien im Vergleich zu ihrem historischen Durchschnitt aktuell günstig bewertet sind. Denn Smart-Beta-Strategien und -Faktoren, die mit einem Abschlag zu ihrem historischen Durchschnitt bewertet werden, haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, eine Outperformance abzuliefern.

Die RAFI Fundamental Index Strategie für Emerging Markets ist eine der Strategien, die nach Berechnungen von Research Affiliates, LLC. aktuell mit einem deutlichen Abschlag relativ zum historischen Durchschnitt der Bewertungskriterien gehandelt werden – Stand Ende 2016 – und dies trotz der zuletzt exzellenten Performance dieses Segments. Basierend auf einer Regressionsanalyse ergibt sich für den kommenden 5-Jahreszeitraum damit eine überdurchschnittliche erwartete Outperformance von 2,7 Prozent per annum im Vergleich zu dem marktkapitalisierten Vergleichsindex. Für Anleger mit Mut zum antizyklischen Handeln ist dies deshalb eine der attraktivsten Strategien. Aber selbst wem  Emerging Market Aktien zu volatil sind, kann mit RAFI für die Developed Markets in eine Strategie investieren, die auf beziehungsweise knapp unter den historischen Durchschnitten bewertet ist. Sie ist damit weder teuer noch billig. Basierend auf der gleichen Regressionsmethodik kann damit erwartet werden, dass das Konzept aber seine historisch gute Outperformance von 1,7 Prozent per annum in den kommenden fünf Jahren erzielt gegenüber dem marktkapitalisierungsgewichteten Pendant.

Seite zwei: Vom Marktpreis unabhängige Strategie

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Universa baut Fondspalette aus und bringt neue Kfz-Versicherung

Die Universa Versicherungen, Nürnberg, stockt die Fondspalette auf und bietet jetzt fünf iShare-ETFs von Blackrock Asset Management an. Neben einem weltweiten und deutschen Aktienindex werden somit nun auch ETFs angeboten, die einen Aktienindex in Europa und in Schwellenländern sowie einen Index aus Unternehmensanleihen in der Eurozone nachbilden.

mehr ...

Immobilien

Deutsche wollen smarter wohnen

Das Smart Home gilt seit einigen Jahren als der Standard von morgen. Eine Deloitte-Studie zeigt: Das Interesse an diesen Anwendungen ist groß, der Datenschutz bleibt jedoch ein wichtiges Thema. Immerhin 13 Prozent der Haushalte verfügen bereits über einen intelligenten Lautsprecher. Bei der Art der bevorzugten Smart-Home-Lösungen gibt es zudem Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

mehr ...

Investmentfonds

BaFin präzisiert Vorschriften der MiFID II

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Neufassung ihres Rundschreibens “MaComp” veröffentlicht und präzisiert darin unter anderem die Grundsätze zur “Zielmarktbestimmung” und diverse weitere neue Vorschriften. Zwei Punkte allerdings fehlen noch.

mehr ...

Berater

Neue Kooperationspartner der BCA AG

Der Oberurseler Maklerpool BCA präsentiert mit der xbAV Beratungssoftware GmbH sowie Honorar Konzept GmbH zwei Unternehmen, die ihre Services den BCA-Partnern zur Verfügung stellen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Umbau von Aktionärsstruktur und Aufsichtsrat abgeschlossen

Die Lloyd Fonds AG teilt mit, dass die im März angekündigten Änderungen in ihrer Aktionärsstruktur nun umgesetzt und die üblichen Vorbehalte aufgehoben wurden. Zudem wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich neu besetzt.

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...