5. Februar 2018, 15:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Erst einmal Widersprüche und Fehler in der Regulierung beseitigen”

Der deutsche Fondsverband BVI warnt Behörden und Politik angesichts anhaltend niedriger Zinsen, Überregulierung und der Verselbstständigung der europäischen Aufsichtsbehörden vor Belastungen für Fondsbranche und Sparer.

Regulierung-regeln-gesetz-shutt 405027403 in Erst einmal Widersprüche und Fehler in der Regulierung beseitigen

Für den BVI ist in Sachen Regulierung der Bogen mittlerweile überspannt.

„2017 hat die Branche mehr gesetzliche Vorgaben umgesetzt als je zuvor”, sagt BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter auf der Jahrespressekonferenz. Eine große deutsche Fondsgesellschaft musste wegen MiFID II, PRIIPs und der Investmentsteuerreform insgesamt 560 Tonnen Post an ihre Kunden schicken – das entspricht dem Gewicht eines vollbeladenen und vollgetankten Airbus 380. “Die Branche ist inzwischen überreguliert. Statt immer weitere Regeln zu erlassen, sollten jetzt erst einmal die Wirkung der existierenden Vorschriften bewertet sowie Widersprüche und Fehler beseitigt werden”, so Richter.

Kostenausweis: schon heute überreguliert

Seit Jahresbeginn müssen die Vertriebsstellen wegen MiFID II mehr Kostenbestandteile von Fonds offen legen, vor allem die Vertriebskosten. In Deutschland aufgelegte Aktienfonds liegen im EU-Vergleich mit laufenden Kosten von 1,57 Prozent bereits heute unter dem Durchschnitt. Mit der zusätzlichen MiFID-Transparenz dürfte der Druck auf die Gebühren weiter steigen. Dennoch hat die europäische Wertpapieraufsicht ESMA bereits angekündigt, die Fondskosten künftig regelmäßig zu untersuchen.

“Wir sehen nicht, was bei den Kosten noch reguliert werden könnte”, so Richter. “Mehr Kostentransparenz bei Fonds geht nicht. Im Gegenteil: Inzwischen entstehen durch die vielen unterschiedlichen Kostenausweise allenfalls Scheintransparenz und Verwirrung bei den Anlegern.”

Vergleich unterschiedlicher Kostenausweise führt zu absurden Ergebnissen

Fondsgesellschaften und Berater informieren Privatanleger mit den “wesentlichen Anlegerinformationen” schon seit Jahren über die Fondskosten. Zu Riester-Fonds erhält der Anleger zusätzlich ein Produktinformationsblatt (PIB); zum Jahresbeginn kamen noch die MiFID-II-Informationen dazu und bei Fondspolicen das PRIIPs-KID. Ein Vergleich dieser Kostenausweise führt mitunter zu absurden Ergebnissen:

  • Nach MiFID II und PRIIPs sind die Produktkosten jeweils in Euro und Cent offenzulegen, werden aber unterschiedlich berechnet. Diese Angaben stimmen wiederum nicht mit den wesentlichen Anlegerinformationen und dem Riester-PIB überein.
  • Das PRIIPs-KID definiert Transaktionskosten nicht als Drittkosten für die Ausführung von Wertpapiergeschäften, sondern als Differenz zwischen dem tatsächlichen Kauf- oder Verkaufspreis eines Wertpapiers und einem Referenzpreis. Die Folge: Bei Anlagen in weniger liquiden Märkten, beispielsweise Anleihen, werden regelmäßig falsche oder sogar negative Transaktionskosten ausgewiesen.
  • Für Sachwertefonds ist unter MiFID II/ PRIIPs unklar, ob die Kosten für die Bewirtschaftung von Immobilien und für Kreditzinsen als Produktkosten auszuweisen sind. Sie entstehen schließlich schon bei einer Direktanlage in Immobilien und nicht erst durch die Verwaltung innerhalb eines Fonds. Je nach Interpretation berechnen die Fondsgesellschaften die Kosten unterschiedlich, sie sind also derzeit nicht vergleichbar. (fm)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Thomas-Cook-Kunden sollen Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden

Das Justizministerium hat Pauschalreise-Kunden der insolventen Thomas Cook aufgefordert, ihre Ansprüche nicht nur bei der Versicherung, sondern auch beim Insolvenzverwalter anzumelden. Das sei Voraussetzung dafür, das versprochene Geld vom Bund zu erhalten, teilte das Ministerium am Freitag mit.

mehr ...

Immobilien

Neues Finanzierungskonzept: Sorgenfrei im Alter

Viele Menschen möchten sich im Rentenalter Wünsche und Träume erfüllen. Die notwendigen Geldmittel stecken dabei oftmals im Eigenheim fest. Um sich mithilfe der Immobilie den Lebensabend zu finanzieren, gibt es gleich mehrere Möglichkeiten. Welche das sind und welche Vor- und Nachteile sie bieten, zeigt der Vergleich der Immobilienverkaufsmodelle.

mehr ...

Investmentfonds

Blockchain: Welche neuen Investment-Chancen die Technologie bietet

Die meisten Anleger verbinden mit „Blockchain“ Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. Tatsächlich hat die Blockchain-Technologie als dezentrales, nichtmanipulierbares digitales Datenregister das Potenzial, die gesamte Geschäftswelt umzuwälzen. Welche Vorteile, aber auch Risiken bietet die Blockchain, in welche Unternehmenstypen sollte man investieren? Thilo Wolf von BNY Mellon Investment Management, kennt die Antworten.

mehr ...

Sachwertanlagen

Habona erreicht Vollinvestition des Einzelhandelsfonds 06

Der Frankfurter Fondsinitiator und Asset Manager Habona Invest hat für seinen Einzelhandelsfonds 06 zum Jahresende 2019 sechs weitere Nahversorgungsimmobilien mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 44 Millionen Euro und einer Gesamtmietfläche von circa 19.500 Quadratmetern erworben.

 

mehr ...

Recht

Datenkrake Schufa: Was weiß die Schufa?

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, hat 360 Millionen Daten von 60 Millionen Deutschen erfasst. Wer einen Handyvertrag abschließt, Miet-, Kauf- oder Leasingverträge unterzeichnet oder einen Kredit aufnimmt, kann von der Schufa erfasst werden. Verbraucher haben nach Artikel 15 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einen Anspruch darauf, zu erfahren, welche personenbezogenen Daten gespeichert werden. Was die Schufa weiß und darf.

mehr ...