Finanzkompetenz der Deutschen alarmierend gering

Im Vergleich zu 2014 ist das Finanzwissen der Deutschen gesunken. Über die Hälfte der Deutschen wissen nicht, was ein Aktienfonds ist. Vor allem junge Menschen sind in Finanzfragen schlecht gebildet. Eine Initiative in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt will das ändern.

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Die meisten Deutschen sind bei der Geldanlage überfordert.

Fast jeder zweite Deutsche hat keine Börsenkenntnisse und weiß nicht, was ein Fonds ist. Dies ergab eine im Dezember 2017 veröffentlichte Umfrage des Bankenverbandes. Ein Viertel der rund 1.000 Befragten (26 Prozent) verfügt zudem über kaum hinreichende und mehr als ein weiteres Drittel (37 Prozent) über schlechte Voraussetzungen für eigene Finanz- und Vorsorgeentscheidungen.

Alarmierendes Unwissen

Die Ergebnisse alarmieren: Sie zeigen die schwindende Finanzkompetenz der Deutschen, die laut dem Finanzplanungsindex seit dem Jahr 2014 noch weiter abgenommen hat.

Der Finanzplanungsindex wird an gleichbleibenden Fragen gemessen. 2017 hätten mehr als 60 Prozent der Befragten schlechte oder eher schlechte Finanzkenntnisse gehabt. 2014 habe dieser Wert noch bei 56 Prozent gelegen. Vor allem die unter 30-Jährigen würden deutlich weniger kompetent in Finanzfragen sein als ältere Befragte.

„Die Ergebnisse der Umfrage des Bankenverbands führen uns erneut vor Augen, wie schlecht es um die ökonomische Bildung der Bevölkerung bestellt ist“, sagt Uwe Diehl, Head of Client Group Germany bei Axa Investment Managers.

Wissenslücke durch Schulbildung schließen

Dies bestätige auch die Umfrage von Axa mit dem Themenfokus „Anlageverhalten der Deutschen 2017“ vom Oktober 2017: Bundesweit würden demnach vier von zehn Erwachsenen, an der Börse anlegen, ihnen fehle dazu aber das Wissen. Zudem dominiere das Gefühl, dass Geldanlage an der Börse nur etwas für Experten sei – davon seien sechs von zehn Befragten überzeugt.

„Wir glauben, dass die Wissenslücke in Sachen Finanzfragen schon in frühen Jahren durch eine angepasste Schulbildung geschlossen werden kann“, sagt Uwe Diehl. Nur dort gebe es genügend Zeit, um sich mit Finanzthemen auseinanderzusetzen.

Axa IM fördert das Forschungs- und Lehrprojekt PolECule (Politics, Economics and Culture), bei dem komplexe politische und wirtschaftliche Inhalte bilingual (deutsch und englisch) unterrichtet werden sollen. Die Frankfurter Goethe-Universität kooperiert dafür mit mehreren Frankfurter Schulen.

Politics, Economics & Culture könnte zum Standard werden

Diehl will, dass sich das Projekt über verschiedene Schulformen hinweg durchsetzt: „Wirtschaftliche Bildung darf nicht nur einer kleinen Elite vorbehalten sein. Es ist wichtig, dass nicht nur Schulen und Eltern, sondern auch Unternehmen und Wirtschaftsorganisationen damit beginnen, die Wissenslücke zu schließen“, sagt Diehl.

Mitte 2017 wurde ein Unterrichts-Themenheft mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Economic Globalization beim Wochenschau-Verlag veröffentlicht. Bis Juni 2018 will die Goethe-Universität ein Kerncurriculum für das Fach „Politics, Economics & Culture“ vorlegen. Nach der Bearbeitung und Genehmigung durch das Kultusministerium könnte es zum Standard für englisch-deutschen Fachunterricht werden. (kl)

Foto: Shutterstock

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