Langsames Ende der Geldflut

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält am allmählichen Ende ihres Anleiheankaufprogrammes fest. Die Zinsen werden allerdings erst frühestens in einem Jahr steigen, verkündete der Präsident der EZB, Mario Draghi, auf der heutigen Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Sitzung.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht am 10.03.2016 während der EZB-Pressekonferenz in Frankfurt am Main (Hessen). Foto: Arne Dedert/dpa
Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat sich dafür entschieden, den geldpolitischen Kurs zunächst nicht zu ändern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält angesichts der robusten Konjunkturentwicklung im Euroraum an ihrem allmählichen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik fest.

Die Währungshüter peilen nach Jahren im Krisenmodus weiterhin ein Ende ihrer milliardenschweren Anleihekäufe zum Jahresende 2018 an, wie die EZB im Anschluss an eine Ratssitzung in Frankfurt mitteilte. Mit einer Zinswende hat es die Notenbank zunächst aber nicht eilig.

Leitzins bleibt bei null Prozent

Den Leitzins im Euroraum beließen die Währungshüter bei ihrem turnusmäßigen Treffen auf dem Rekordtief von null Prozent. Geschäftsbanken müssen weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Im Juni hatten die Währungshüter unter ihrem Präsidenten Mario Draghi in Aussicht gestellt, das Volumen ihrer Anleihekäufe ab September von bisher 30 Milliarden Euro pro Monat zunächst auf 15 Milliarden zu senken, bevor das Programm Ende des Jahres komplett eingestellt wird. Dieses Vorhaben bekräftigte Draghi nun.

Die Leitzinsen sollen aber mindestens bis „über den Sommer 2019“ auf dem aktuell niedrigen Niveau bleiben. Konkretere Angaben zum Zeitpunkt machte Draghi nicht.

Beobachter erwarten, dass die EZB zunächst die Strafzinsen für Kreditinstitute verringern dürfte. Bis die erste Zinserhöhung auf dem Sparkonto ankommt, könnte nach Einschätzung einiger Ökonomen noch einmal ein Jahr vergehen.

Gute Wirtschaftsdaten und Sorge um Handelsstreit

Seit Beginn des vor allem in Deutschland umstrittenen Kaufprogramms im März 2015 hat die Notenbank Staats- und Unternehmensanleihen im Gesamtwert von 2,46 Billionen Euro (Stand: Juni) erworben. Auch nach einem Ende der Käufe wird die EZB noch eine Weile ein großer Spieler am Anleihemarkt sein: Gelder aus auslaufenden Papieren werden wieder investiert.

Im Juni stieg die Jahresinflationsrate im Euroraum nach Angaben des Statistikamtes Eurostat vor allem wegen höherer Energiepreise auf zwei Prozent. Die Wirtschaft wachse nach der Delle zum Jahresbeginn robust, das zeigten aktuelle Daten, sagte Draghi.

Sorgen bereiten den Währungshütern allerdings die vor allem von den USA angeheizten internationalen Handelskonflikte. Die jüngste Annäherung im Streit zwischen den USA und der EU bezeichnete Draghi als „ein gutes Zeichen“. Die Verständigung zeige, dass es eine Bereitschaft gebe, Handelsfragen auf multilateralem Weg zu diskutieren. (dpa-AFX)

Foto: Arne Dedert/dpa

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