Anzeige
14. September 2018, 17:19
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schwellenländer am Scheideweg

Die Währungen vieler Schwellenländer werten massiv ab, die Inflation steigt rasant. Neben länderspezifischen Problemen belasten auch übergeordnete Themen wie die US-Dollar-Stärke. Eine gefährliche Mischung. Ein Kommentar von Dr. Mauricio Vargas, Union Investment

Vargas IMG 8108 Gro -Kopie in Schwellenländer am Scheideweg

Mauricio Vargas, Union Investment, sieht derzeit keine breit angelegte Emerging-Markets-Krise.

Eigentlich sah es zu Beginn des Jahres gut aus für die Schwellenländer. Neben der robusten weltwirtschaftlichen Lage sprachen auch eine relativ günstige Bewertung und steigende Rohstoffpreise für die aufstrebenden Volkswirtschaften. Getrübt wurde das Bild dagegen von der restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der “America first”-Politik des US-Präsidenten Donald Trump. In Summe überwogen aber zum Jahresstart die Chancen für die Schwellenländer.

Hohe Wellen an den Finanzmärkten

Ein Dreivierteljahr später zeigt sich eine andere Situation: Besonders hart traf es die Währungen, allen voran den Argentinischen Peso und die Türkische Lira. Im bisherigen Jahresverlauf büßte die Lira gegenüber dem US-Dollar rund 40 Prozent ein. Der Peso hat trotz Notfallmaßnahmen der Notenbank alleine im August knapp 40 Prozent auf die US-Valuta verloren. Auch der Brasilianische Real, der Südafrikanische Rand und der Russische Rubel haben zweistellig eingebüßt. Daneben stehen die Währungen von Indien und Indonesien unter erheblichem Druck. An den Kapitalmärkten mehren sich die Fragezeichen hinsichtlich der Stabilität der Schwellenländer.

Geldpolitik, Protektionismus, Steuerreform – ein toxisches Gemisch

Es sind zum einen übergeordnete, strukturelle Themen, die den Emerging Markets in der Breite zusetzen: Nach einer Phase der Liquiditätsschwemme führt die US-Notenbank Fed ihr Wertpapierportfolio zurück und erhöht kontinuierlich die Zinsen. Damit nimmt die relative Attraktivität des US-Rentenmarkts zu, was wiederum Schwellenländer-Anleihen unter Druck setzt. Die höheren Renditen in den USA erhöhen die Zinsausgaben und der infolge der US-Leitzinserhöhungen zumeist teurere US-Dollar erhöht die in US-Dollar gehaltene Auslandsverschuldung aus Lokalwährungssicht. Nun ist die Straffung der Geldpolitik in der USA eigentlich nichts Neues, die Zinsen steigen schon länger. Allerdings wurde mittlerweile ein Niveau erreicht, – die Zinsen auf das Tagesgeld gehen in den USA Richtung 2,5 Prozent – bei dem es für internationale Anleger immer attraktiver wird, ihr Geld in den USA anzulegen. Hinzu kommt, dass die amerikanische Notenbank ihr Wertpapierportfolio seit Juli 2018 mit maximaler Geschwindigkeit, konkret um 50 Milliarden US-Dollar pro Monat reduziert und damit die globalen Refinanzierungsbedingungen zusätzlich verschärft. Daher sinkt die Bereitschaft der Investoren, in riskantere Anlagen zu investieren.

Seite zwei: Trumps Steuerreform verleiht Rückenwind

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Megatrend Demografie – Indizes – Naturgefahren – Maklerpools

Ab dem 16. Oktober im Handel.

Cash.Special 3/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Riester-Rente – bAV – PKV – Bedarfsanalyse

Ab dem 22. Oktober im Handel.

Versicherungen

Axa strukturiert Vorstand um – Dahmen geht

Die Axa gibt ihrem Konzern in Deutschland zum 1. Januar eine neue Struktur. Dazu wird der Versicherer die Vorstandsressorts bündeln, um damit gezielt für weiteres Kundenwachstum aufgestellt zu sein.

mehr ...

Immobilien

Gebrauchtimmobilie: Gekauft wie gesehen?

Beim Kauf einer gebrauchten Immobilie sollte nicht gleich der erste Eindruck entscheiden. Wer genauer hinschaut, kann teure Überraschungen vermeiden. Ist der Vertrag erst unterschrieben, wird es schwierig, Baumängel geltend zu machen.

mehr ...

Investmentfonds

Der Weg zur Planwirtschaft

Die expansive Geldpolitik lähmt Innovationen und lässt Blasen entstehen, die platzen werden. Die größte Gefahr ist, dass gescheiterte Unternehmen verstaatlicht werden. Davor warnte gestern auf dem Faros Institutional Investors Forum Professor Gunther Schnabl. Gibt es einen Ausweg aus diesem Szenario?

mehr ...

Berater

EZB-Präsident und Deutsche-Bank-Chef fordern Kapitalmarktunion

EZB-Präsident Mario Draghi und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing haben einmal mehr einheitliche Regeln für Banken und die Kapitalmärkte in Europa gefordert. Das sei die einzige Antwort auf die Bedrohungen denen sich die Währungsunion ausgesetzt sehe.

mehr ...

Sachwertanlagen

Noch immer Prozesse rund um die Göttinger Gruppe anhängig

Die Pleite der Securenta/Göttinger Gruppe im Jahr 2007 beschäftigt noch immer die Gerichte. Das belegt ein aktueller Beschluss des BGH: Er hatte in Zusammenhang mit einer überlangen Verfahrensdauer eines der Prozesse zu entscheiden. 

mehr ...

Recht

Kampf ums “Bayerische”: Watschn vom Richter

Nach langwierigem Prozess über zwei Instanzen wird ein Hahnenkampf zweier Versicherungen ums “Bayerische” aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Offensichtlichen enden: Ein bayerisches Unternehmen darf sich auch bayerisch nennen.

mehr ...