US-Sanktionen verunsichern Russland-Anleger

Das Wachstum habe sich erholt – wenn auch weniger stark als erwartet angesichts der Bonitätskennzahlen – während die höheren Ölpreise der Handels- und Haushaltsbilanz zugutekamen.

Auch die Devisenreserven seien von 350 Milliarden US-Dollar Anfang 2015 auf 458 Milliarden US-Dollar gestiegen. Anders als in der Türkei seien der Staatshaushalt und die Zahlungsbilanz von Russland solide.

Unberechenbare US-Regierung

„Staatsanleihen sind nicht direkt von den Sanktionen betroffen“, hebt McNamara hervor. Schätzungen zufolge würden ausländische Anleger ein Drittel des russischen Anleihenmarktes halten. Dies entspreche einem Wert von 40 Milliarden US-Dollar.

„Aktuell sieht es so aus, als ob Anleger eher US-Dollar gegen Rubel kaufen, um das Währungsrisiko in Verbindung mit ihren Anleihepositionen zu neutralisieren, als zu versuchen, Anleihen unter angespannten Marktbedingungen zu verkaufen“, so McNamara. Dies erkläre auch, warum der Rubel weitaus stärker unter den Sanktionen gelitten hat als lokale Anleihen.

Anleger sähen sich derzeit mit dem folgenden Problem konfrontiert: Eine Ausweitung der Sanktionen hätte zweifelsohne weitere negative Konsequenzen für russische Vermögenswerte. Ohne sie wären die makroökonomischen Auswirkungen jedoch wahrscheinlich so minimal, dass die Bewertungen übermäßig günstig erschienen. Die Unberechenbarkeit der Trump-Regierung erschwere es Anlegern zudem, die Situation treffend einzuschätzen.

Politische Krise schwer einzuschätzen

Die russischen Behörden haben auf die US-Sanktionen nach Angaben von Gam reagiert, indem sie routinemäßigen US-Dollar-Käufe ausgesetzt und Liquidität an lokale Marktteilnehmer verpfändet haben. Im nächsten Schritt könnte die Zentralbank ihren Zinssenkungszyklus verkürzen.

„Allerdings rechnen wir nicht mit einer Intervention in den Devisenmarkt, solange der Rubel nicht erheblich vom derzeitigen Stand abgewertet wird“, so McNamara weiter.

Da die Krise politischer Natur sei, sei es nur schwer vorhersehbar, ob Käufe oder Verkäufe russischer Anlagen der richtige Weg wären und ob die technischen Risiken eine potenzielle Bewertungslücke ausgleichen könnten.

Foto: Jorge Silva/Pool Photo via AP

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