22. Oktober 2019, 11:49
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Dilemmata beim Impact Investing

Victoria Leggett, Union Bancaire Privée (UBP), kommentiert das Dilemma von CO2 Reduzierung im Rahmen von Impact Investing und legt dar, warum ein differenzierter Investment-Ansatz unerlässlich ist.

LEGGETT-Victoria-Kopie in Dilemmata beim Impact Investing

Victoria Leggett, UBP

Das Pariser Abkommen setzt ehrgeizige Ziele für die Reduzierung der CO2-Emissionen auf globaler Ebene, sagt aber nicht viel darüber aus, wie diese Bemühungen zwischen den Nationen aufgeteilt werden sollen.

Reiche Länder müssen ihre Emissionen drastisch reduzieren

Sollte man vor diesem Hintergrund zu dem Schluss kommen, dass die Anstrengungen zur CO2-Reduktion nur auf Industrieländer entfallen? In der Tat kann viel erreicht werden, wenn die reichen Länder ihre Emissionen drastisch reduzieren. Im Gegensatz zu den Industrieländern weisen Schwellenländer jedoch typischerweise eine wachsende Bevölkerung (und Kohlenstoffemissionen) auf. Darüber hinaus besteht das Gefälle nicht nur zwischen Staaten mit hohem und niedrigem Einkommen, sondern auch zwischen und innerhalb der Schwellenländer selbst. Urbane Gebiete in einigen Emerging Markets haben ökologische Fußabdrücke, die mit den USA konkurrieren. Die Lösung für das CO2-Problem muss daher differenzierter sein, und Anleger müssen ihre Kriterien je nach den Umständen anpassen.

In den Schwellenländern kann nicht derselbe strenge Ansatz angewendet werden, da die Emissionen in einigen Ländern oder Gebieten mit zunehmender Entwicklung ansteigen werden. Und man sollte in einigen Sektoren den Bemühungen zur Senkung der Emissionen Vorrang vor einer vollständigen Reduzierung einräumen. Als kontrastierendes Beispiel kann man Investitionen in Unternehmen hinzuziehen, die Gemeinden mit geringem Zugang zu Krediten im ländlichen Indien zur Verfügung stehen. Einige dieser Kreditgeber bieten forderungsbesicherte Darlehen an, und das verpfändete Vermögen ist fast immer ein Fahrzeug mit fossilen Brennstoffen.

Die ökologischen Auswirkungen einer solchen Aktivität sind zweifellos negativ. Aber es unterstützt das Wirtschaftswachstum in Gemeinden, deren CO2-Fußabdruck einen Bruchteil des weltweiten Durchschnitts ausmacht. Wir schätzen, dass sie höchstens 20% der weltweiten durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen ausstoßen, und bei anderen Entwicklungszielen wie Armutsbekämpfung oder Abbau von Ungleichheiten sind in diesen Gemeinden noch viele Fortschritte zu verzeichnen. Alles in allem haben solche Unternehmen einen positiven Nettoeffekt.

Absolution von Verantwortung ist falscher Weg

Was für indische Bauern gilt, gilt aber nicht unbedingt für reichere Länder oder Bevölkerungsgruppen. Da sich Impact Investing weltweit entwickelt, werden wir sicherlich auf viele ähnliche Dilemmata stoßen, auf die verschiedene Institutionen unterschiedliche Antworten haben werden. Vorerst ist ein differenzierter Ansatz zum Thema CO2-Emissionen unerlässlich, wenn wir sowohl gesellschaftliche als auch ökologische Ziele erreichen wollen. Differenzierung bedeutet jedoch nicht die Absolution von Verantwortung. Investoren, Länder und Unternehmen müssen erkennen, dass der Übergang zu einem weniger CO2-intensiven Wachstumsmodell die Rentabilität überall beeinträchtigen wird. Diejenigen, die versuchen, ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen, sollten ihre Strategie jetzt anpassen.

Victoria Leggett ist Head of Impact Investing bei Union Bancaire Privée (UBP).

Foto: UBP

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