Führungskrise und Konjunkturrisiken

Die Welt ist aktuell Zeuge eines Mangels an Führungskraft, durch den sich das Risiko einer Wirtschaftskrise deutlich erhöht hat. Die USA und Großbritannien – zwei Länder, die viel für politische und wirtschaftliche Freiheit getan haben – werden derzeit von narzisstischen Clowns regiert, die es einzig auf die Beseitigung einer weltweiten bzw. europäischen Ordnung anlegen, die sie für die Wurzel allen Übels halten. Ein Kommentar von Bruno Cavalier, Chief Economist bei ODDO BHF Corporates & Markets.

Bruno Cavalier, Chief Economist bei ODDO BHF Corporates & Markets.

Auf der Strecke bleibt Vertrauen – ein zentrales Element für das gute Funktionieren einer Gesellschaft. Die wirtschaftliche Unsicherheit ist so groß wie seit langem nicht, was Investitionen und Wachstum weiter ausbremsen könnte.

Was bislang geschah

Die Weltwirtschaft erlebte diesen Sommer das 11. Jahr eines Aufschwungs, der auf die schlimmste Finanzkrise der neueren Geschichte folgte. Allerdings verlief diese Expansionsphase alles andere als gleichmäßig. Sowohl zwischen 2011 und 2012 (Eurokrise) als auch zwischen 2015 und 2016 (Ölkrise) verlangsamte sich das Wachstum sehr stark.

Aufgrund der Handelsspannungen ist das auch in den letzten 18 Monaten wieder der Fall. Während der ersten beiden Schwächephasen war das weltweite Wachstum auf rund 2,5% gefallen und damit nicht mehr weit entfernt von der Schwelle zu einer Rezession. Jedes Mal hat sich die Blatt aufgrund eines positiven Vertrauensschocks im letzten Augenblick gewendet.

Niedrigzinsphase hält weiter an

So konnte Mario Draghi 2012 unter Einsatz des gesamten politischen Kapitals der EZB das Vertrauen in die Integrität des Euros wiederherstellen. 2016 haben China und die USA durch entsprechende Maßnahmen ihre jeweiligen Volkswirtschaften gemeinsam wieder angekurbelt.

Aktuell beläuft sich das Wachstum auf etwas mehr als 3% p.a. Anfang 2018 waren es 4%. Noch liegt der Wert nicht im kritischen Bereich. Aber diesmal zeichnet sich ein negativer Vertrauensschock ab. In den letzten Monaten haben sich nämlich sämtliche Befürchtungen bestätigt, die man seit dem Amtsantritt von Donald Trump wegen der destabilisierenden Folgen seiner Wirtschaftspolitik für die USA haben konnte.

Geringes Maß an Leid unter den Folgen des Handelskriegs

Erst vergeudete Trump im letzten Jahr unvorsichtigerweise den haushaltspolitischen Spielraum, um jetzt mit allen Mitteln den Welthandel zu verteuern und nebenbei täglich die Glaubhaftigkeit der Fed zu untergraben, die ihrerseits alles in ihren Kräften stehende tut (durch Zinssenkungen), um den Schaden in Grenzen zu halten.

Im Konflikt mit China gibt es wohl kein Zurück mehr. Wir halten es für illusorisch weiter darauf zu hoffen, dass sich die beiden Länder auf ein Handelsabkommen einigen können. Da die US-Verbraucher derzeit von Lohn- und Stellenwachstum profitieren, bleiben ihre Ausgaben solide.

 

Seite 2: Wie sich China Luft verschafft

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