Gold erreicht Rekordhoch, Silber zieht an – wie es bei Edelmetallen weitergeht

Der Goldpreis steigt und steigt, aber auch andere Edelmetalle werden mitgezogen. Christian Brenner, Geschäftsführer der philoro Edelmetalle GmbH in Deutschland, mit seiner Einschätzung zur aktuellen Marktsituation, zum Goldpreis sowie zu Besonderheiten und aktuellen Geschehnissen am Edelmetallmarkt.

Der Goldpreis steigt und steigt, aber auch andere Edelmetalle werden mitgezogen. Christian Brenner, Geschäftsführer der philoro Edelmetalle GmbH in Deutschland, mit seiner Einschätzung zur aktuellen Marktsituation, zum Goldpreis sowie zu Besonderheiten und aktuellen Geschehnissen am Edelmetallmarkt.

Marktsituation: Wo kommen wir her?

Aus dem Corona-bedingten Hochpreisumfeld steuern wir nicht nur auf eine Rezession hin, wir sind bereits mittendrin. Die Weltwirtschaft erlebt in diesem Jahr einen Einbruch sondergleichen – wie zuletzt in Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Regierungen wie Notenbanken schnüren wirtschaftliche Hilfspakete in Billionenhöhe: Mit 1,8 Billionen beschließt die EU jüngst das größte Finanz- und Haushaltspaket der Geschichte und nimmt erstmalig gemeinsam Schulden auf. Aufgrund der vielen Finanzspritzen sind wir noch sediert, doch wenn die Dosis des Schmerzmittels nachlässt, werden wir die vollen Auswirkungen der monetären Eingriffe zu spüren bekommen. Und die Medizin schmeckt bitter. Jemand wird für die Schulden aufkommen müssen, wodurch eine Inflation und weitere Sekundäreffekte, die Einfluss auf Arbeits- wie Aktienmärkte haben, geradezu vorprogrammiert scheinen.

Für den Goldmarkt heißt dies: Die Rahmenbedingungen sind unverändert zu den letzten Monaten; Gold als wertbeständigste und krisensichere Anlageform erlebt eine ungebrochen starke Dynamik. Die zu erwartende Rezession und Inflation werden weiterhin als Preistreiber für Gold wirken.

Ausblick: Welche Entwicklungen erwarten wir?

Mit 1944 Dollar pro Feinunze hat Gold am 27. Juli ein neues Allzeithoch erreicht und ist so teuer wie noch nie. Nach dem letzten Rekordhoch 2011 ging der Preis erstmal auf Talfahrt. Vieles spricht dafür, dass sich diese Entwicklung nicht wiederholt, sondern dass das neue Hoch erst der Auftakt einer anhaltenden Rally ist. Das geopolitische Umfeld, das niedrige bis negative Zinsniveau, der schwächelnde Dollar sowie die generelle Unsicherheit an den Märkten treiben Nachfrage wie Preis. Im Handel verzeichnen wir einen deutlichen Kaufanstieg seitens privater Anleger. Angesichts der für die nächsten Monate zu erwartenden wirtschaftlichen Turbulenzen ist klar, dass die Hausse für Gold noch längere Zeit wirksam sein wird. Mit Blick auf die nächsten sechs bis zwölf Monate sehen wir deutlich höhere Preise. Das heißt, es ist auch jetzt noch empfehlenswert, in Gold zu investieren.

Was sind Faktoren und Einflüsse auf den Markt? Gibt es aktuelle Besonderheiten?

Wie Gold ist auch Silber aufgrund der coronabedingten Unsicherheiten aktuell bei Anlegern sehr beliebt. Der Preis hat seinen höchsten Stand seit Herbst 2016 erreicht und am Terminmarkt bei einigen Kontrakten bereits die 20-Dollar-Marke überschritten. Dennoch ist das Gold-Silber-Ratio noch immer hoch – mithin gilt Silber im Vergleich zu Gold als günstig – weshalb wir Potenzial für ein neuerliches Anziehen des Silberpreises sehen. Wenn weitere Investoren in den Silbermarkt einsteigen und die Industrie, die normalerweise etwa die Hälfte der Nachfrage ausmacht, auch noch mitzieht, dann kann der Silber-Zug Fahrt aufnehmen.

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