16. Januar 2020, 18:54
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Grünes Licht für Schwellenländeranleihen

Schwellenländeranleihen konnten 2019 zweistellig zulegen und damit den Abverkauf des vorangegangenen Jahres mehr als wettmachen. Die Renditen wurden dabei weitgehend von der Duration bestimmt, die vom günstigen inflationären Umfeld und der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken weltweit profitierte. Für Anleger stellt sich nun die Frage: Kann die Anlageklasse auch im neuen Jahr starke, risikoadjustierte Renditen liefern? Ja, sagt Denise Simon, Co-Head of Emerging Market Debt bei Lazard Asset Management.

Emerging-Markets-1 in Grünes Licht für Schwellenländeranleihen

Die Anleihenexpertin erwartet für das laufende Jahr weiterhin positive Renditen bei Schwellenländeranleihen, wenn auch auf einem gedämpften Niveau. „Anleger dürften 2020 Renditen erzielen können, die dem Carry auf die Anlageklasse entsprechen. Dieser ist sowohl für sich genommen als auch im Vergleich zu anderen Fixed Income-Märkten attraktiv“, so Simon. Gleich mehrere Faktoren stützen den konstruktiven Ausblick der Expertin. „Zum einen haben sich die globalen Wachstumsaussichten stabilisiert. Das Risiko einer drohenden Rezession in den USA hat sich verringert und die weltweite Lockerung der Geldpolitik dürfte die Abwärtsrisiken für das globale Wachstum im Jahr 2020 begrenzen“, erklärt Simon. „Zum anderen ist die Hürde für eine geldpolitische Straffung in den Kernmärkten hoch, so dass die globalen Liquiditätsbedingungen weiterhin günstig bleiben dürften.“

Auch die Fundamentaldaten sprechen für Schwellenländeranleihen. So dürften sich die Wachstumsunterschiede zwischen den Schwellen- und Industrieländern im laufenden Jahr zugunsten der Schwellenländer ausweiten. „Während sich die Industrieländer eindeutig in einer späten Phase des Konjunkturzyklus befinden, weisen viele Schwellenländer Merkmale einer frühen Zyklusphase auf“, sagt Simon. Aus ihrer Sicht haben führende Wirtschaftsindikatoren in den Schwellenländern begonnen, sich zu stabilisieren. Das gelte insbesondere für jene Länder, die in den letzten Jahren einige der größten Rückschläge erlitten hatten, wie Brasilien und die Türkei.

Die Ausfallraten bleiben niedrig

„Aus Bewertungssicht sind die Risikoaufschläge auf Fremdwährungs- und Unternehmensanleihen zwar weniger attraktiv als noch vor einem Jahr, sie sind jedoch nicht überzogen und bieten einen angemessenen Risikoausgleich“, argumentiert Simon. Die Ausfallraten dürften niedrig bleiben. Die Ausnahme bilden Länder wie Argentinien, Venezuela und der Libanon, die bereits in Verzug oder entsprechend bepreist seien. „Umstrukturierungen könnten in diesen Ländern erhebliche Chancen zur Generierung von Alpha bieten“, betont Simon. Die Bewertungen der Schwellenländerwährungen böten unterdessen einen gesunden Puffer. Sie wurden seit 2013 auf Spot-Basis um fast 40 Prozent abgewertet und bieten so mindestens attraktive Carry-Positionen. In einem stabilen bis schwächeren Umfeld für den US-Dollar könne das die Renditen deutlich steigern.

Nach Simons Ansicht sollte auch die technische Entwicklung weiterhin unterstützend wirken. „Das Nettoemissionsvolumen wird vermutlich verhalten bleiben. Zugleich dürfte die anhaltende Suche nach Ertrag in Kombination mit dem großen Universum negativ verzinster Anleihen in den globalen Anleiheindizes zu weiteren Zuflüssen von Investoren in die Schwellenländer führen“, prognostiziert die Expertin.

Herausforderungen bleiben bestehen

Trotz des konstruktiven Ausblicks gebe es jedoch auch einige Herausforderungen für die Anlageklasse. „Die größten Risiken sind eine potenzielle Gefährdung des globalen Wachstums sowie eine mögliche Zunahme der Unsicherheit. Der seit fast zwei Jahren andauernde Handelsstreit zwischen den USA und China belastet das Geschäftsklima und die Investitionen. Die jüngsten Entwicklungen waren zwar konstruktiver, aber es ist unwahrscheinlich, dass es in Kürze ein umfassendes Handelsabkommen geben wird“, so die Schwellenländerexpertin. Die Handelsspannungen dürften anhalten und eine Quelle der Besorgnis für Unternehmen und Investoren bleiben. Auch der Vorlauf zu den US-Wahlen im November könne die Unsicherheit verstärken. „Dennoch gehen wir davon aus, dass die Schwellenländer gut positioniert sind, um im kommenden Jahr attraktive risikobereinigte Renditen zu erzielen“, unterstreicht Simon.

Foto: Shutterstock

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