Österreich ist Vorbild bei Geschäftsöffnungen

Nachdem Österreich verkündet hat, nach Ostern den Corona-Shut-down zu beenden, mehren sich auch hierzulande Stimmen, die ein ähnliches Vorgehen von Berlin verlangen.

„Jeder Tag zählt, Immobilienverwalter und Handel sind auf Hygienemaßnahmen eingestellt, jetzt brauchen wir einen Plan für eine zeitnahe Eröffnung wie in Österreich, der allerdings möglichst viele Geschäftstypen erfasst“, so Iris Schöberl, Vorsitzende des ZIA-Ausschusses Handel. „Der Handel ist eine tragende Säule für unsere Städte und Rückgrat der wirtschaftlichen Entwicklung – und er leidet. Wenn dieser für eine so lange Zeit wegfällt, befürchten wir ein Händlersterben und enorme Probleme für die Immobilienbranche, was zum Teil ja bereits eingesetzt hat. Der Einzelhandel und insbesondere größere Ladengeschäfte sind dazu in der Lage, Hygienemaßnahmen einzuhalten – zahlreiche Versorger haben das in letzten Wochen gezeigt.“

Und auch das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln versteht die Ankündigung von Bundeskanzler Sebastian Kurz als guten Einstieg. Corona hat die Welt ausgebremst. Auch in Europa ist das öffentliche Leben auf ein Minimum reduziert, um Menschen zu schützen und die Gesundheitssysteme nicht zu überlasten. Der Lockdown zeigt auch in Deutschland erste Erfolge. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, wie stark er Existenzen bedroht und Unternehmen an den Rand des finanziellen Ruins bringt.

Es ein wichtiger Schritt der österreichischen Regierung, den Fahrplan aus dem Lockdown öffentlich zu machen, sagt IW-Direktor Hüther. Damit könne es der Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz gelingen, der Bevölkerung und den Unternehmen eine gewisse Planungssicherheit zu geben. Gleichzeitig mache Österreich so deutlich, dass der Exit vom Lockdown nur als sukzessiver Prozess funktionieren kann.

„Generell gilt: Die Politik muss jeden Schritt abwägen und darf nicht der Versuchung erliegen, in ein Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen“, warnt Hüther. Der Ökonom sieht zwingend für jedes Wiederhochfahren einer Volkswirtschaft nach Corona mehrere Phasen: erste Lockerungen, zusätzliche (wirtschaftliche) Impulse, ein weiteres Hochfahren und Stabilisieren von Gesellschaft sowie Wirtschaft. 

Keinesfalls, so Hüther weiter, dürfe in der öffentlichen Diskussion jetzt der Fehler gemacht werden, Gesundheit und Wirtschaft gegenüberzustellen. „Jeder Vergleich dieser Art führt in die Irre“, so Hüther. In diesem Sinne wäre auch die deutsche Politik gut beraten, bald jene Schritte zu benennen, mit denen sie die Öffnung gestalten will.

Foto: Shutterstock

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