Volkswirt: Kurze Rezession und Erholung ab Sommer

„Die bevorstehende Rezession ist anders als übliche Abschwünge“, ist sich Bob Baur sicher. Der Chefvolkswirt des US-Investmenthauses Principal Global Investors geht davon aus, dass schon im Sommer die wirtschaftliche Erholung einsetzt.

Bereits ab Sommer wird eine schrittweise Erholung an den Märkten erwartet.

Zwar werde sie schrittweise statt V-förmig verlaufen und zudem in Europa später und schwächer einsetzen als in den USA. Doch Baur ist optimistisch, dass die Aktienmärkte bis Jahresende einen Gutteil ihrer Verluste wieder wettmachen. Er rät Anlegern, vor allem zyklische Sektoren in den Blick zu nehmen.

Bob Baur: „Die bevorstehende Rezession war eine bewusste Entscheidung der Regierungen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Das ist etwas ganz anderes als sonst. Dementsprechend könnte diese Rezession auch völlig untypisch verlaufen.

Schon jetzt haben Regierungen und Zentralbanken mit massiven fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen reagiert. Nichts in der Geschichte ist auch nur annähernd vergleichbar.

Vermutlich kein Vertrauensverlust der Privathaushalte

Mit dieser enormen Unterstützungsleistung im Rücken werden die Privathaushalte womöglich nicht den Vertrauensverlust erleiden, der mit einer typischen Rezession einhergeht. Ja, die Arbeitslosigkeit wird durch Unternehmensschließungen steigen. Aber wenn der Abschwung nicht mit den üblichen wirtschaftlichen Ungleichgewichten zusammenhängt und möglicherweise kurz bleibt, stehen die Chancen gut, dass Unternehmen und Verbraucher gewissermaßen über den kurzfristigen Schock hinausblicken. Entsprechend schnell würden sie dann wieder zurück im Spiel sein. 

Zwar wird das Wachstum außerhalb Asiens im zweiten Quartal erst einmal miserabel sein. Doch in den USA dürfte irgendwann im dritten Quartal eine anständige Erholung zu beobachten sein; die dann zu erwartenden Einkommenssteigerungen dürften einen Großteil der vorherigen Rückgänge ausgleichen. Die Erholung dürfte dennoch schrittweise verlaufen. Nach einer V-förmigen Erholung sieht es derzeit nicht aus. Erst in Richtung des vierten Quartals und im Jahr 2021 könnten die USA dann zum Trendwachstum zurückkehren. Der Aufschwung wird in Europa und in Japan langsamer verlaufen und später einsetzen.

In der Zwischenzeit gehen wir davon aus, dass die Märkte in einem breiten Spektrum schwanken werden, bis die Neuinfektionen mit dem Virus ihren Höhepunkt erreichen und Europa und die USA wieder an die Arbeit gehen.

Noch zu früh, um zu kaufen

Für Anleger gilt aktuell: Es ist wahrscheinlich noch zu früh, um zu kaufen. Wenn das Wirtschaftswachstum im späteren Verlauf des Jahres wiederkehren sollte, wäre dies ein guter Zeitpunkt, um langsam die Aktieninvestments wieder hoch zu fahren. Denn im Endeffekt könnten die Aktienmärkte einen guten Teil ihrer jüngsten Verluste in der zweiten Hälfte dieses Jahres wieder aufholen.

Zyklische Sektoren vor defensiven bevorzugt

Auf Sicht von sechs bis neun Monaten ziehen wir zyklische Sektoren den defensiven Sektoren vor, also Finanzwerte, diskretionäre Konsumgüter, Rohstoffe und Technologie, und nicht die jüngsten Outperformer wie das Gesundheitswesen, Versorgungsunternehmen oder Basiskonsumgüter. Da die Zinssätze extrem niedrig sind und der US-Dollar wahrscheinlich weiter schwächer werden wird, würden wir Aktien aus den Schwellenländern den Aktien aus den Industrieländern außerhalb der USA vorziehen.“

Foto: Shutterstock

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