Der „Point of no return“ und was Gold damit zu tun hat

Foto: Fonds Finanz
Tim Bröning, Fonds Finanz

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt. Man mag sich das vielleicht nicht eingestehen und die Folgen des eigenen Handelns sind meist auch nicht sofort sichtbar. Insgeheim weiß man aber, dass es von nun an nicht mehr in seiner Macht liegt, wie sich die Dinge entwickeln werden. Im Englischen wird das auch als der „Point of no Return“ bezeichnet. Die Bröning-Kolumne

In genau dieser Situation befinden sich Staaten und Notenbanken. Mit immer neuen Schulden wurde in der Vergangenheit versucht, Weltwirtschaft und Kapitalmärkte vor großen Einbrüchen und Krisen zu schützen. Nachdem die Finanz- und Realwirtschaft auf Grund der Lehman-Pleite 2008 am Rande des Ruins stand, sprangen weltweit die Regierungen und Notenbanken ein, um angeschlagene Banken und Unternehmen mit bis dahin unvorstellbaren Liquiditätsspritzen zu retten.

Das Gleiche geschah noch einmal vor etwa einem Jahr, als die Corona-Krise globale Ausmaße annahm. Einziger Unterschied: Die bereitgestellten Mittel für groß angelegte Konjunkturpakete, Hilfen für ganze Industriezweige und für uns Bürger fielen um ein Vielfaches höher als in der Vergangenheit aus und kamen auf den bereits vorhandenen Schuldenberg noch obendrauf. Mittlerweile beträgt die globale Verschuldung laut Internationalem Bankenverband knapp das Vierfache des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Unabhängigkeit der Notenbanken ist Geschichte

Das nötige Geld für diese Maßnahmen stammt dabei aber nicht vom berühmten „Festgeldkonto“, sondern direkt aus der Notenpresse. In den USA wurden unvorstellbare 20 Prozent aller jemals gedruckten US-Dollar Noten allein 2020 in Umlauf gebracht. Staaten und Notenbanken arbeiten mittlerweile Hand in Hand. Wenn Politiker Geld für ein neues Konjunkturpaket benötigen, kaufen die Notenbanken der USA oder Europas die neuen Schulden kommentarlos auf.

Kurzfristig ist das eine Win-Win-Situation: Finanzminister und Staatsoberhäupter können in ihren Spendierhosen von der Bazooka sprechen oder wie in den USA geschehen, 1.400-Dollar-Schecks an ihre Bürger verteilen. Gleichzeitig sorgen die Notenbanken mit ihren Niedrigstzinsen und den Anleihekäufen für optimale Finanzierungsbedingen, was so viel heißt wie: Wer sich Geld leihen möchte, um zu investieren, kann das nahezu unbegrenzt tun.

Auf den ersten Blick geht diese Strategie auch auf, wie ein Blick auf die Höchststände bei Aktien- und Anleihekursen oder den Immobilienpreisen veranschaulicht.

Werden die Notenbanken in der Lage sein, die Inflation zu kontrollieren?

Längerfristig wird ein solches Vorgehen aber zum Problem. Das Vertrauen in die Notenbanken und die Geldwertstabilität sinkt dramatisch und führt dazu, dass es auf Grund der massiv gestiegen Geldmenge früher oder später zu Preissteigerungen, also zur Inflation, kommen wird.

Anfangs sind höhere und moderate Inflationsraten noch kein Problem und oftmals sogar gewollt. Es steigen nämlich nicht nur die Preise, sondern die künstlich verursachte Geldentwertung wirkt sich auch schuldenreduzierend und wirtschaftsfördernd aus, was nicht zuletzt die Politiker erfreut. Bereits jetzt steigt die Inflation in den USA und in Europa an, wenn auch noch von niedrigem Niveau.

In ein Dilemma geraten die Notenbanken aber, wenn die Inflation nicht moderat steigt, sondern aus dem Ruder läuft. Dann nämlich kommt es zum Schwur: Eigentlich müsste die Notenbank der steigenden Inflation mit Zinserhöhungen entgegenwirken, um die Geldentwertung zu stoppen. Bei den astronomischen Schuldenständen in den USA oder Europa ist das aber nicht möglich, da höhere Zinsen für hochverschuldete Staaten unweigerlich zur Katastrophe führen.

Die Situation der Notenbanken ist fast aussichtslos

Wie man es auch dreht und wendet, die Notenbanken befinden sich in einer fast aussichtlosen Situation, aus der es keinen einfachen Ausweg gibt. Erhöhen Notenbanken die Zinsen, werden Staats- und Unternehmenspleiten folgen. Setzen die Notenbanken den eingeschlagenen Weg des billigen Geldes dagegen fort, wird sich die Geldentwertung beschleunigen.

In beiden Fällen werden sich Investoren in großem Stil von Papierwerten trennen und in die nicht beliebig vermehrbaren Sachwerte wie Aktien und Edelmetalle flüchten. Wer sich nicht auf die Notenbanken verlassen möchte, der kauft den ultimativen Sachwert Gold, und das spätestens am „Point of no Return“.

Tim Bröning ist seit 2009 in der Geschäftsleitung der Fonds Finanz Maklerservice GmbH und verantwortlich für den Bereich Non-Insurance, Finance & Legal.

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