Wie die globale Mindeststeuer auf den Aktienmarkt wirkt

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Die G20- und G7-Staaten sowie die OECD haben sich auf die Einführung eines globalen Mindeststeuersatzes für internationale Unternehmen von mindestens 15 Prozent geeinigt. Das ist ein bahnbrechendes Ergebnis. Welche Auswirkungen hat dieses Abkommen auf börsennotierte Unternehmen weltweit, insbesondere auf den S&P 500, der die 500 größten US-Unternehmen umfasst?

Thilo Wolf, Deutschland-Chef von BNY Mellon Investment Management (Foto anbei), stellt die Analyse* der Investmentgesellschaft Newton IM, die zu BNY Mellon IM gehört, vor und erklärt, welche Hürden es noch zu nehmen gilt.

„Nur eines von sieben Unternehmen im S&P 500 hat voraussichtlich einen Steuersatz von unter 15 Prozent. Wenn wir Immobilienunternehmen ausschließen, für die besondere Steuerregeln gelten, hat nur eines von elf Unternehmen einen Steuersatz von unter 15 Prozent. Davon sind die meisten in den Branchen IT und Gesundheitswesen zu finden.

Durchschnittlicher Steuersatz bei 11 Prozent

Laut einer Analyse unserer Gesellschaft Newton Investment Management liegt der durchschnittliche Steuersatz für diese Unternehmen bei 11 Prozent. Wird dieser Satz also auf 15 Prozent steigen, würde der Gewinn nach Steuern von 89 Prozent auf 85 Prozent fallen – eine Verringerung um 4 Prozent. Für den S&P 500 insgesamt würde der Gewinn um weniger als 1 Prozent fallen.

Diese Analyse ist stark vereinfacht, da die Mindeststeuer von 15 Prozent auf einer Länderbetrachtung beruht, nicht auf einer internationalen Betrachtung. Im Ergebnis divergieren die Auswirkungen jedoch nicht stark:

Ein Unternehmen, das beispielsweise die Hälfte seiner Gewinne in einer entwickelten Volkswirtschaft mit einem Steuersatz von 30 Prozent und die Hälfte seiner Gewinne in einer Steueroase mit einem Steuersatz von 0 Prozent erzielt, hat einen Gesamtsteuersatz von 15 Prozent. Nach den neuen Regeln würde sich dieser auf 22,5 Prozent erhöhen: Die eine Hälfte wird weiterhin mit 30 Prozent und die andere Hälfte mit dem neuen Mindestsatz von 15 Prozent besteuert.

Der durchschnittliche Steuersatz für den S&P 500 wird voraussichtlich 21 Prozent betragen – ein Niveau, das sehr nahe an den aktuellen Unternehmenssteuersätzen in den großen Volkswirtschaften liegt: Die aktuellen Steuersätze in Großbritannien betragen 19 Prozent, in den USA 21 Prozent und in Japan 23 Prozent. Dies lässt darauf schließen, dass die Unternehmen im Durchschnitt ihren fairen Anteil an Steuern zahlen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass ein globaler Mindeststeuersatz die Unternehmenssteuereinnahmen weltweit um 1-3 Prozent erhöhen könnte. Dies ist für die Gesamtbewertung des Aktienmarktes aus unserer Sicht unwesentlich; allerdings dürften Unternehmen aus der IT und dem Gesundheitswesen – wie oben erwähnt – deutlich stärker betroffen sein.

Eine Gleichung mit vielen Unbekannten

Steuern sind immer komplex – selbst auf rein nationaler Ebene – und Veränderungen im internationalen Kontext sind eine noch größere Herausforderung. Wie definiert und verteilt man steuerpflichtige Gewinne zwischen verschiedenen Nationalstaaten für ein Unternehmen, das in verschiedenen Ländern Waren oder Dienstleistungen entwickelt, herstellt, verkauft, und finanziert? Es gibt immer noch viele schwierige Detailfragen zu klären. Wie wird ein „großes“ Unternehmen definiert? Wird die Mindeststeuer auf der Ebene des Konzerns oder des Einzelunternehmens angewendet? Inwiefern stimmen die neuen Regeln mit den alten Regeln überein?

In der Vergangenheit hat sich oft gezeigt, dass mutigere Vorschläge verwässert werden, da Unternehmen aus Schlüsselbranchen in jedem Land Lobby-Arbeit für Ausnahmen machen. Steueroasen und Unternehmen, die negativ von der neuen Regelung betroffen sind, werden nicht einfach klein beigeben und Unternehmen werden sich weiterhin beraten lassen, um eine Steueroptimierung zu erreichen.

Kaum Auswirkungen auf börsennotierte Gesellschaften

Insgesamt gehen wir davon aus, dass die globale Mindeststeuer sich nur unwesentlich auf die Gesamtheit börsennotierter Unternehmen auswirken wird. Es wird jedoch Einzelfälle geben, die die neue Regelung stark treffen wird. Fest steht, dass unser Investmentteam die globale Mindeststeuer zusammen mit anderen vorgeschlagenen Erhöhungen der Steuersätze, insbesondere in Großbritannien und den USA, in ihre Analysen einbeziehen müssen, um das Risiko und den Ertrag jeder unserer Anlagen besser bewerten zu können.“

*Datenquellen: Newton Investment Management, Capital IQ, OECD

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