„Nachhaltigkeit wird mehr und mehr Mainstream“

Foto: Ökoworld
Alexander Funk, Ökoworld

Die Fondsboutique Ökoworld ist Pionier für Verantwortungsvolles Investieren in Deutschland. Cash. sprach mit Alexander Funk, Senior Portfoliomanager und Managing Director der Ökoworld Lux S.A., über die Entwicklung der Ökoworld-Fonds während der Pandemie, den Klimawandel und die Greenwashing-Problematik.

Das Jahr 2021 stand erneut im Zeichen der Corona-Pandemie. Wie sehr hatte das – möglicherweise auch positiv – Einfluss auf das Geschäft bei Ökoworld?

Funk: Das ist einer der Punkte, die das zurückliegende Jahr stark geprägt haben. Digitalisierung und Corona waren für uns ein Verstärker für bestehende Trends. Im Bereich Digitalisierung etwa wurden die Unternehmen von heute auf morgen in eine andere Stratosphäre katapultiert. Auf der anderen Seite geht es aber auch um Bereiche wie Energieversorgung oder Mobilität. Das sind nachhaltige Investitionsthemen, die Sie bei Ökoworld wiederfinden. Der Sektor erneuerbare Energien zählt für uns zu den Zukunftsgewinnern. Auf der anderen Seite wurden aber auch Themen hinterfragt, wie zum Beispiel die Globalisierung, verbunden etwa mit den Herausforderungen der Nahrungsmittelerzeugung. All das hat sich auch positiv auf die Wertentwicklung unserer Fonds ausgewirkt, die deutlich besser war als im Vergleich zu konventionellen Anlagen. Verantwortungsvolles Investieren ist ein Trend, den Corona deutlich verstärkt hat. Das zeigt sich auch an den großen Mittelzuflüssen, die nicht nur wir, sondern die gesamte Branche nachhaltiger Geldanlagen seit Pandemiebeginn registrieren.

Die gute Performance in Zahlen ausgedrückt: Welche Ökoworld-Fonds waren 2021 besonders erfolgreich?

Funk: Unser Flagship-Fonds Ökovision Classic hat über 20 Prozent erwirtschaftet, im Growing Markets 2.0 waren es 21 Prozent, der Wasserfonds erreichte 16 und der Klimafonds knapp neun Prozent. Letzterer hatte aber bereits 2020 und 2019 mit 46 bzw. 37 Prozent sehr gut abgeschnitten. Es war also letztlich in 2021 für mich eine Konsolidierung auf sehr hohem Niveau, denn die Unternehmen haben doch einiges vorweggenommen. Nicht vergessen sollten wir auch unseren Rock ‚n‘ Roll Fonds, der über acht Prozent erzielt hat.

Warum hat das Thema nachhaltige Geldanlage erst jetzt einen so großen Zuspruch, liegt es einzig am immer drängenderen Kampf gegen den Klimawandel?

Funk: Bereits 2007 gab es einen ersten Hype, als Nikolas Stern gemeinsam mit Tony Blair auf die Bühne gegangen ist und erklärt hat, dass sich der Klimawandel und die nachteiligen Entwicklungen noch stoppen ließen, wenn es gelingt, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Damals ist alles auch sehr stark von den Regierungen gefördert worden und auch viele Kapitalgesellschaften sind zu dieser Zeit mit neuen nachhaltigen Produkten an den Markt gekommen. Der Begriff der Nachhaltigkeit war damals in der Kapitalverwaltung noch ein Fremdwort. Kurze Zeit später ereignete sich die Finanzkrise, und vieles ging den Bach runter und die neuen Produkte, die mit dem Begriff Nachhaltigkeit etikettiert waren, wurden wieder eingestampft. Ausgenommen Ökoworld, der Ökovision wurde bekanntermaßen schon im Jahr 1996 aufgelegt, Ökoworld Klima im Jahr 2007. Heute befinden wir uns in einer anderen Konstellation, obwohl wir mit der Corona-Pandemie erneut eine Krise zu bewältigen haben. Nachhaltigkeit wird mehr und mehr Mainstream.

Was ist es diesmal anders?

Funk: Diesmal sind die nachhaltigen Produkte die Gewinner, weil das Thema Nachhaltigkeit auf viel breiteren Schultern verteilt ist und vor allem auch von der Gesellschaft anerkannt wird. All die Themen, die jetzt funktionieren, werden auch in den kommenden Jahren wichtig bleiben. Damit wir alle davon profitieren, ist es unerlässlich, den Trends auf der Spur zu bleiben. Das gelingt nur einem aktiven Fondsmanager und keinem passiven Investment. Stock Picking ist noch immer das A & O, denn noch sind wir nicht so weit, dass alles nur in eine Richtung läuft. In einigen Bereichen wird es auch immer wieder Konsolidierungen geben, wie das Thema Wasserstoff im letzten Jahr gezeigt hat. Glücklicherweise waren wir, etwa im Klimafonds, nur in sehr wenigen Wasserstofffirmen investiert, weil wir auch dort ausschließlich auf Qualität setzen. Am Ende hat uns das dann folgende Platzen der Wasserstoff-Blase weit weniger geschadet als etwa einem ETF, der den gesamten Wasserstoffsektor abdeckt. Eine irreale Rolle rückwärts ist die Tatsache, dass Atomkraft als nachhaltig deklariert werden soll. Die Pläne der EU, Gas- und Atomkraft gemäß Taxonomie als nachhaltig zu klassifizieren, ist rückwärts gewandt, ewig gestrig, unmöglich und ein Verstoß gegen das Menschsein. Das riecht nach politisch gesteuertem Greenwashing. Die Beliebigkeit des Begriffs Nachhaltigkeit wird damit verstärkt. Der EU geht es sicher primär darum, der Atomenergie Zugang zum grünen Kapitalmarkt und damit günstigeren Finanzierungsbedingungen zu geben. Mit Blick auf die Atomkatastrophen im Jahr 1986 in Tschernobyl und 2011 in Fukushima sowie die nach wie vor ungelöste Endlagerproblematik ist es eine absolut nicht nachvollziehbare Kehrtwende. Für Anlegerinnen und Anleger mit Fokus auf Ökologie, Ethik und soziale Aspekte ist es umso wichtiger, sich intensiv mit den Investmentangeboten zu beschäftigen und diese auf Transparenz, nachvollziehbare Kriterien und Glaubwürdigkeit zu prüfen.

Apropos Ökoworld Klima. Sie managen den Fonds. Was sind derzeit die wichtigsten Investmentthemen und wie setzen Sie diese um?

Funk: Statt in den Abbau und die Produktion von Rohstoffen zu investieren (Minenbetreiber), ist unsere Antwort Wiederverwertung & Recycling. Unsere ausgewählten Unternehmen partizipieren einerseits an den höheren Rohstoff kosten und liefern andererseits einen signifikanten Beitrag zur Erhaltung unserer Ökosysteme. Energieeffizienz innerhalb der IT-Industrie (Stichtwort Cloud- Computing) und auch das nachhaltige Transportwesen (Öffentlicher Personennahverkehr) oder Eisenbahnunternehmen sind derzeit höher gewichtet im Fonds. Nicht zu vergessen das Segment der Erneuerbaren Energien, hier sehen wir derzeit ein Bewertungsniveau wie zuletzt im Sommer 2020 – also bevor der Ansturm auf die klimafreundlichen Produkte losging.

Zumindest aus Mediensicht ist der Klimagipfel in Glasgow mit einem eher halbgaren Ergebnis zu Ende gegangen. Wie fällt Ihre Bewertung aus?

Funk: Ich glaube, jeder hat mittlerweile verstanden, dass es für unseren Planeten 5 vor 12 ist. Daher ist das Ergebnis natürlich enttäuschend. Es kann mitunter der Eindruck entstehen, dass nationale Interessen ein höheres Gewicht erfahren als die ganzheitliche Betrachtung. Positiv stimmt mich, dass ein energieeffizientes und Ressourcen schonendes Haushalten bei den Menschen und Unternehmen mittlerweile breit akzeptiert und eingesetzt ist. Ökologisches Verhalten tut nicht weh und führt unter Betrachtung des Shareholder-Value-Gedankens zu einer höheren Profitabilität bei den jeweiligen Unternehmen. Ökologie und Ökonomie sind kein Widerspruch.

Wir haben zuletzt bereits einige Fälle von Greenwashing gesehen. Wie groß ist die Gefahr für Ökoworld, durch das in Zukunft möglicherweise noch eine größere Rolle spielende Thema, Nachteile zu erleiden?

Funk: Das Problem der Sippenhaft ist sicherlich nie auszuschließen. Auf der anderen Seite wissen viele Menschen, die uns kennen, dass wir eine Null-Toleranz-Politik bei unseren Ausschlusskriterien verfolgen. Das ist für uns ein großer Mehrwert. Denn diese Menschen investieren nicht nur in unsere Fonds aufgrund der finanziellen Rendite, die in den letzten Jahren sehr gut war, sondern auch aufgrund unserer ökologischen Rendite, weil sie sich auf uns verlassen können. Wir sind eine Boutique, das ist unsere hundertprozentige Expertise. Wir beschäftigen uns mit nichts anderem als der nachhaltigen Kapitalanlage, und wir sind sehr transparent in unseren Anlageprodukten. Das ist natürlich auch ein Spannungsfeld für mich als Portfoliomanager. Ich hätte manchmal auch gerne andere Unternehmen, wenn sie sehr gut performen. Aber es ist gut und unterstützt unseren, von Alfred Platow vor 26 Jahren implementierten Ansatz, dass wir einen zweigeteilten Investmentprozess haben, einerseits das Fondsmanagement, andererseits die Nachhaltigkeitsanalyse, die sich wirklich nur um diese Themen kümmert. Dieses Zusammenspiel ist heute zeitgemäßer als jemals zuvor.

Das Gespräch führte Frank O. Milewski, Cash.

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